Review

Die Buddy-Komödie „The Runaround“ von Regisseur Gavin Wiesen arbeitet mit den genretypischen Methoden, um den Zuschauer mit seinen zwei männlichen Hauptcharakteren bekannt zu machen.

Da ist auf der einen Seite Mr. Gallo (J.K. Simmons), ein echtes Alphatier, ein Macher. Mr. Gallo trägt stets teure Anzüge, isst seine Steaks gerne roh und ist ein Bilderbuch-Workaholic.
Sein Gegenüber heißt Martin (Emile Hirsch, bekannt etwa aus „Alpha Dog – Tödliche Freundschaften“). Martin hat mit Mr. Gallo so gut wie nichts gemeinsam. Er verträgt keinen Wein, da er eine Sulfite-Allergie hat, er isst gerne Tofu, hat keinen Führerschein und spielt Banjo in einer Band.
Verbunden wird das ungleiche Paar gleich zu Beginn des Films durch Ginnie (Analeigh Tipton), denn sie ist zu diesem Zeitpunkt Martins Freundin und Mr. Gallos Tochter. Bei einem ersten gemeinsamen Dinner wird den beiden männlichen Protagonisten schnell bewusst, dass sie keinerlei Gemeinsamkeiten haben und der Zuschauer wird Zeuge einiger Peinlichkeiten.
Nach einigen Monaten möchte der arbeitswütige Gallo seine Tochter mal wieder besuchen, kann sie allerdings telefonisch nicht erreichen und auch vor Ort nicht auffinden. In seiner Sorge wendet sich der Vater an Martin, der inzwischen aber der Ex seiner Tochter ist. In der Sorge um Ginnie vereint, ist das Duo zum gemeinschaftlichen Handeln gezwungen. Die Männer begeben sich gemeinsam auf die Suche und sollen eine ereignisreiche Nacht erleben …

Man kann sagen, dass die Zusammenführung dieses ungleichen Paares quasi die typisch(st)e aller Buddy-Movie-Handlungen darstellt. Für gewöhnlich leben derartige Filme von der humoristischen Interaktion des handelnden Duos. Leider will das hier aber so überhaupt nicht funktionieren.

Gerade zu Beginn des Filmes ist Martin so weinerlich und übersensibel, dass es nicht witzig, sondern nur nervtötend ist. Mr. Gallo bringt die Gefühlslage des Zuschauers an einer Stelle wunderbar auf den Punkt, wenn er sagt:

Du bist ein verweichlichter, beschissener kleiner Nervsack.

Nach diesem einfachen Schema funktioniert dann auch die gesamte weitere Komödie. Hier herrscht eine klare Rollenverteilung.

Martin: „Sie sind der Boss.“

Mr. Gallo: „Du hast es erfasst.“

Leider wird es zu keinem Zeitpunkt amüsant. Der Film ist vielmehr eine Aneinanderreihung unangenehmer Peinlichkeiten, ohne dass zwischen dem ungleichen Paar eine besondere humoristische Dynamik zustande kommt. Spätestens, wenn Mr. Gallo dann aus heiterem Himmel seine menschliche und einfühlsame Seite (immer öfter) zeigt, ist der Film auch nicht mehr nachvollziehbar. Das vorhersehbare Ziel, hier eine ungleiche Männerfreundschaft zu etablieren, kann man auf diesem Wege natürlich erreichen.

Mr. Gallo (J.K. Simmons, r.) und Martin (Emile Hirsch) auf der Suche nach Ginnie in „The Runaround“ (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Dabei soll betont werden, dass die beiden männlichen Hauptcharaktere keinesfalls falsch besetzt sind. Die Schwächen des Films sind eher einem unzureichenden Drehbuch geschuldet. Es gibt zwar (ansatzweise) immer wieder die nötigen Zutaten für eine krawallige Komödie und Spaß bei Ausschweifungen, aber sämtliche Chancen werden liegengelassen. Der Film entgeht am Ende der völligen Belanglosigkeit nur, weil es darin (irgendwie) um Freundschaft geht. Von „Der Weg ist das Ziel“ haben die Macher wohl aber noch nicht sehr viel gehört.

Gerade bei einem Namen wie J. K. Simmons, der erst vor kurzer Zeit mit einem Oscar für seine Nebenrolle in Damien Chazelles (zuletzt „La La Land“) Musikerdrama „Whiplash“ (zwingende Empfehlung!) dekoriert wurde, hätte man mehr erwartet. Es wird sein Geheimnis bleiben, was ihn dazu bewogen hat, bei diesem Film mitzumachen. Jedenfalls gibt es in dem Segment Buddy-Movie unzählige Filme, die das Konzept schon erheblich besser umgesetzt haben. Daher kann man „The Runaround“ getrost wieder vergessen oder (noch besser) direkt ganz aussparen.

Trailer

Inhalt

Der eine, Mr. Gallo, ist ein Siegertyp im teuren Anzug mit Vorliebe für blutige Steaks. Der andere, Martin, ist ein verschrobener Softie und Tofu-Esser. Krasser kann der Gegensatz zwischen zwei Männern kaum sein. Doch für einige Monate gibt es jemanden, der sie verbindet: Ginnie. Sie ist Martins Freundin und Mr. Gallos Tochter. Als der Workaholic nach langer Zeit wieder mal in L.A. vorbeischaut, kann er Ginnie nicht finden. Kurzerhand schnappt er sich Martin, inzwischen vom Freund zum Ex geworden, damit er ihm bei der Suche nach seiner Tochter hilft. Eine ereignisreiche, verrückte Tour durch das nächtliche L.A. nimmt ihren Lauf …

(Quelle: Universum Film)

Details

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment / Universum Film
Erscheinungstermin: 21.04.2017
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 90 Minuten

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)