Review

Superhelden dieser Filmepoche sind vor allem eins: schön. Dazu natürlich stark, ausgestattet mit eisernem Willen und bei bester mentaler Gesundheit. Ein recht einseitiges Bild, oder? In dieser auf Hochglanz polierten Hollywood-Welt kann man leicht vergessen, dass nicht alle Figuren solche Katalogware sind. Ein gutes Beispiel für einen ambivalenten Charakter ist der Punisher. Dass der nicht nur richtig austeilt, sondern dabei auch die eine oder andere Grenze überschreitet, lest ihr zum Beispiel im Comic „Punisher – Das erste Jahr„. Im Jahre 1989 schuf Regisseur Mark Goldblatt mit „The Punisher“ eine Comicverfilmung, die sich wahrlich weit ab vom Hollywood-Glanz bewegt.

Eine Verfilmung, die Frank Castle als glücklichen, zufriedenen Mann darstellt, wäre wohl in allen Punkten verfehlt., wobei Castle bis zum Tag X als Polizist und Familienvater wohl ein perfektes Leben hatte. Dieses ist jedoch an dem Tag vorbei, an dem seine Familie einem Anschlag der Mafia zum Opfer fällt. Dabei wird auch Frank für tot erklärt, allerdings gelingt es ihm, in den Untergrund zu flüchten. Dort suhlt er sich im Kanaldreck und in Rachegedanken. Fünf Jahre lang übt er an über 100 Mafiosi Vergeltung, ohne dass sein Rachedurst auch nur im Ansatz gestillt wäre.

Da der Punisher die Mafia kontinuierlich – und mit erstaunlicher Waffenvielfalt! – demontiert, lockt diese Schwäche schließlich die Yakuza an. Die japanischen Gangster unter weiblicher Führung wollen der neue Stern am Ganovenhimmel werden, dafür entführen sie sogar die Kinder ihrer Gegner. In dieser schwierigen Situation sehen die Mafiosi nur eine Lösung: Der von ihnen gefürchtete Punisher soll ihre Kinder zurückholen.

Zugegeben, wer Kinder rettet, kann kein so schlechter Mensch sein. Frank Castle, verkörpert von Dolph Lundgren, ist trotz dieser durchaus emotionalen Komponente aber ganz ein Kind der 80er: Platte Sprüche, große Waffen und ein eher schlichtes Minenspiel stehen symbolisch für viele weitere Actionhelden dieser Generation. Außerdem glänzt Lundgren in den Actionszenen durch seine Martial-Arts-Künste. Im Vergleich zu „Rambo“, „Lethal Weapon“ oder „Terminator“ macht dieser Punisher eine wirklich gute Figur. Wer sich also mit diesen 80er-Perlen anfreunden kann, sollte auch Frank Castle eine Chance geben. Wer für diese lineare, actionlastige Art Filme zu machen nichts über hat, sollte hier einen weiten Bogen schlagen.

Ein Racheengel in Lederjacke: The Punisher (Dolph Lundgren) | Copyright: Koch Media

Ein Racheengel in Lederjacke: The Punisher (Dolph Lundgren) | Copyright: Koch Media

Allerdings – und das ist das große „Aber“, das sogar Hardcore-Fans vergraulen könnte – leidet dieser Film enorm unter seinem Alter. Ganz besonders klar (oder eher unklar) wird das bei der Workprint-Version des Films. Der Workprint, also das erste verfügbare Kopienmaterial der originalen Bild- und Tonaufnahmen, gehört zum begehrten Filmmaterial, da hier noch keine Szenen gestrichen wurden. In diesem Fall muss man dabei allerdings mit vielen Bildfehlern, einem äußerst kleinen Bildformat und gerade einmal zufriedenstellenden Untertiteln leben. Dass während des gesamten Films unten im Bild „New World Pictures“ eingeblendet ist, macht das Lesen der Untertitel nicht angenehmer.

Damit lässt sich zu „The Punisher“ vor allem sagen, dass es sich bei dieser Verfilmung um ein echtes Stück Filmgeschichte der 80er handelt, mit allen positiven, aber auch ganz besonders mit den entsprechenden negativen Seiten. Wer sich von verhältnismäßig schlechter Bildqualität, Machosprüchen und einer unsinnigen Menge Make-up jedoch nicht abhalten lässt, erhält hier eine gelungene Darstellung der Originstory eines blutrünstigen und finsteren Marvel-Comichelden.

Trailer

Handlung

Er lebt in den Tunneln unter der Stadt. Dort sammelt er Kraft. Dort bereitet er sich vor. Darauf, all die zu bestrafen, die schuldig sind. Darauf, den Tod seiner Familie zu rächen. Er ist DER PUNISHER, ein Racheengel in Lederjacke. Und er ist mit einem Waffenarsenal ausgestattet, das selbst John Rambo alt aussehen lässt. Als sich die Yakuza in der Stadt des Punishers breit machen, ist seine Stunde gekommen. Er steigt aus dem Untergrund empor und er wird alle bestrafen, denn er ist der Punisher.

Es war einmal eine Zeit, als Comic-Verfilmungen noch kein Hollywood-Mainstream waren. Aus dieser Zeit stammt THE PUNISHER: ein dreckiges, brutales, poetisches, wildes, wüstes und schillerndes Martial Arts-Rachemärchen. Die Adaption der erfolgreichen Marvel-Comicreihe als Old School-Actiongranate, wie sie nur in den Achtziger-Jahren produziert werden konnte. Actionikone Dolph Lundgren schmettert One-Liner, Louis Gossett Jr. ermittelt als Cop und Marvel-Titan Stan Lee stellt als kreativer Berater sicher, dass dieser Punisher so richtig weh tut. Willkommen zu einer der besten Comic-Verfilmungen aller Zeiten.

(Quelle: Koch Media)

Details

Sprache: Deutsch (DTS-HD 2.0), Englisch (DTS-HD 2.0)
Bild: 16:9 – 1.77:1
Untertitel: Deutsch
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 08.09.2016
Produktionsjahr: 1989
Filmlänge Blu-ray: ca. 90 Minuten
Extras: Workprint (ca. 94 Minuten), Audiokommentar mit Mark Goldblatt, Gag Reel (ca. 6 Minuten), Bildergalerie mit seltenem Werbematerial

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer