Review

True Crime-Veröffentlichungen haben es naturgemäß ja so an sich, dass sie auf wahren Begebenheiten beruhen. Nicht nur, aber auch deshalb erfreuen sie sich großer Beliebtheit bei Krimi- und Thriller-Fans (mit Hang zur Authentizität).

Erst kürzlich haben wir in diesem Bereich die großartige Verfilmung „The Investigation – Der Mord an Kim Wall“ besprochen. Nun nehmen wir uns die hierzulande – aufgrund der (im Vergleich zum U-Boot-Fall aus „The Investigation“) geringeren Medienberichterstattung – eher weniger bekannten „The Pembrokeshire Murders“ vor, die durch Edel:Motion das Heimkino erreichen.

Verbrechen in Serie

Die britische Miniserie erzählt in 3 x 60-minütigen Folgen die wahre Geschichte des Waliser Serienmörders John William Cooper, der in den 80er und 90er Jahren als „The Bullseye Killer“ agierte und insgesamt für vier Morde, eine Vergewaltigung, eine sexuelle Nötigung, 30 Einbrüche und einen versuchten Raubüberfall verurteilt wurde.

Die Serie legt jedoch den Fokus nur am Rande auf die Verbrechen und Opfer; stattdessen stellt sie die akribische (Wiederaufnahme der) Ermittlungsarbeit der Polizei in den Mittelpunkt, wie auch der einleitende Hinweis zu Beginn einer jeden Folge deutlich macht:

„Dieser Film erzählt die wahre Geschichte einer polizeilichen Untersuchung, die zwischen 2006 und 2011 in Pembrokeshire, Wales stattfand.“

Entsprechend wichtig wird daher

Der Detectives-Kodex

„Es gibt keine größere Pflicht oder Verantwortung, die einem Menschen auferlegt wird, als die Umstände zu untersuchen, unter denen ein Mensch ums Leben gekommen ist.“

Diesem ordnet sich Detective Superintendent Steve Wilkins, hier verkörpert von Luke Evans, in seinem Tun ganz unter und setzt alles daran, den Opfern und Opferfamilien Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Unterstützung erfährt er sowohl durch sein ausgewähltes Team als auch durch den Journalisten Jonathan Hill (gespielt von David Fynn).

Die realen Personen Steve Wilkins und Jonathan Hill waren es auch, die ihre Erfahrungen während der Ermittlungen gegen Cooper in dem True Crime-Buch „Catching the Bullseye Killer“ niedergeschrieben haben. Ihr Buch wird in „The Pembrokeshire Murders“ adaptiert; indessen wirkten beide während der Dreharbeiten als Berater mit.

Doch worum geht es eigentlich genau?

Der reale Hintergrund

Im Dezember 1985 erschütterte ein grausamer Doppelmord die walisische Grafschaft Pembrokeshire: Die Geschwister Helen und Richard Thomas wurden in ihrem Haus in Milford Haven erschossen und anschließend verbrannt. Der Täter blieb seinerzeit unauffindbar. Fast vier Jahre später waren es Gwenda und Peter Dixon, deren Leben auf brutale Weise beendet wurde. Das Ehepaar aus Oxfordshire wanderte im Juni 1989 auf dem Küstenpfad in Pembrokeshire, als sie, wie schon Helen und Richard Thomas, aus nächster Nähe erschossen wurden. Beim Mord an den Dixons wurde festgestellt, dass dieselbe Schrotflinte verwendet wurde, die auch 1985 bei der Ermordung der Thomas‘ benutzt worden war. Von da an war klar, dass man es mit einem Wiederholungstäter zu tun hatte. Ganz Wales zeigte sich geschockt von den schrecklichen Verbrechen, insbesondere, weil die Polizei lange Zeit nicht in der Lage war, die abscheulichen Morde aufzuklären.

2006: Kurz nach seiner Rückkehr nach Pembrokeshire beginnt Detective Superintendent Steve Wilkins den Doppelmord auf dem Küstenwanderweg erneut aufzurollen. Schon bald entdeckt Wilkins, dass dieses Verbrechen in Verbindung zu weiteren Morden und einem Überfall mit Vergewaltigung steht. Im Visier hat Wilkins vor allem einen Mann, den Gewohnheitsverbrecher John William Cooper, der im Jahr 1998 für eine Reihe von Einbrüchen und Raubüberfällen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde und seitdem im Gefängnis sitzt. Für Detective Wilkins ist schnell klar: Cooper ist vermutlich nicht nur ein Mörder, sondern sogar ein Serienkiller.

Die filmische Umsetzung

All dies wird in „The Pembrokeshire Murders“ hervorragend aufgearbeitet. Es wird für die Zuschauer:innen ersichtlich, wie penibel und meist in umständlicher Handarbeit die Ermittlungsarbeit vonstattengeht, damit die Beweise vor Gericht letztlich standhalten können.
Diese diesbezüglichen Einblicke sind interessant, teils aber auch erschütternd, wenn klar wird, dass das Offensichtliche nicht einwandfrei belegt und bewiesen werden kann. Eine Schlüsselrolle bekommen dabei die fortgeschrittenen forensischen Möglichkeiten. Und auch dabei wird deutlich, wie sorgfältig und mit genauem Auge jedes kleinste Detail untersucht werden muss, um zu einem tragfähigen Ergebnis zu kommen.

Im Fokus in „The Pembrokeshire Murders“: Die Ermittlungsarbeit der Polizei. (Copyright: Edel:Motion)

Was bei all diesen Einsichten jedoch etwas zu kurz kommt, ist die Emotionalität, die die Morde und Gewalttaten von Cooper eigentlich mit sich bringen. Mit Ausnahme der Szenen, in denen das Vergewaltigungsopfer sowie das Opfer der sexuellen Nötigung vor Gericht aussagen oder in denen Einblicke in die Familienverhältnisse Coopers gewährt werden, wirkt „The Pembrokeshire Murders“ eher „nüchtern“. Das führt dazu, dass die Serie – anders als „The Investigation“ – der emotionalen Ebene nicht so gerecht wird.

Spannung wird hier hingegen reichlich geboten. Obschon man den Täter und viele Details der Fälle aufgrund ihres realen Hintergrunds bereits kennt und die Spannung eher subtiler und ruhiger Natur ist, bleibt man hier konstant und mit großem Interesse am Ball.

Dazu tragen auch die Schauspieler Luke Evans (u.a. „Anna“, „High-Rise“) und Keith Allen bei, die als „Jäger und Gejagter“ respektive Detective und Psychopath ihren Figuren mehr als gerecht werden.

Fazit

Wer auf True Crime Filme bzw. Serien steht, der wird an „The Pembrokeshire Murders“ nicht vorbeikommen. Regisseur Marc Evans gewährt hier eindrucksvoll einen Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit und verdeutlicht damit einhergehend die teils frustrierende Mühsal, um Täter auch nach Jahren noch überführen und endlich Gerechtigkeit walten lassen zu können. Ein etwas anderer Blick auf tatsächliche Verbrechen, der ganz unaufgeregt und ohne Effekthascherei auskommt.


The Pembrokeshire Murders

Trailer

Handlung

Zwei ungelöste Doppelmorde aus den 80ern und ein unaufgeklärter Überfall auf fünf Teenager im Jahr 1996 werfen einen langen Schatten auf die Arbeit der Polizei von Dyfed-Powys in Wales. Doch es gibt einen Mann, der für alles verantwortlich zu sein scheint. John William Cooper sitzt bereits seit 1998 in Haft, verurteilt wegen zahlreicher Einbrüche und versuchten Raubüberfalls.

Im Jahr 2006 beschließt der frisch beförderte Detective Superintendent Steve Wilkins alle drei Fälle wieder aufzurollen. Er ist sich sicher: John Cooper ist nicht nur für die Überfälle verantwortlich. Auch nach so vielen Jahren setzt der Detective alles daran, dieses schreckliche Drama endlich aufzuklären. Mit Hilfe seines Teams und neusten, forensischen Methoden und moderner Technik wie DNA-Überprüfungen, der Analyse der Aufzeichnungen einer Überwachungskamera sowie einer Fernsehshow machen die Ermittler eine unglaubliche Entdeckung: Plötzlich scheint es einen Zusammenhang zwischen den Einbrüchen aus den Vorjahren und den Morden zu geben. Doch die Zeit rennt und der mutmaßliche Serienmörder John Cooper droht bald aus dem Gefängnis entlassen zu werden. Schaffen es Steve und sein Team ihn zu überführen und endlich zu beweisen, dass er der skrupellose Serienmörder ist? Oder geschehen womöglich weitere unvorhersehbare Morde?

(Quelle: Edel:Motion)

Details

Sprache: Englisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel:Motion
Erscheinungstermin: 10.12.2021
Spieldauer: 3 x 60 Minuten
Extras: Interviews mit Cast & Crew / Featurettes

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde