Review

John Wilmot, 2. Earl of Rochester: Vom Theaterstück zum Film

Es war ein bewegtes Leben, das John Wilmot, 2. Earl of Rochester, im 17. Jahrhundert führte. Der begeisterte Theatergänger, Freigeist, Dichter, Wüstling und dem Alkohol auf ungesunde Weise angetane Mann inspirierte durch seine Lebensart bereits 1994 Stephen Jeffreys derart, dass dieser ein Theaterstück über ihn und seine ausschweifende Lebensart kreierte. In der Hauptrolle war John Malkovich zu sehen.

Jener setzte 2004 mit einem Film, basierend auf diesem Theaterstück, nach. Während Malkovich die filmische Adaption namens „The Libertine“ (seit 2008 auf DVD und ab sofort auch auf Blu-ray erschienen) produzierte und darin in die Rolle des Königs, Charles II., schlüpfte, konnte niemand Geringeres als Johnny Depp für die Hauptrolle gewonnen werden.

Johnny Depp: zwischen Genie und Wahnsinn

Ihm steht diese Figur nicht nur hervorragend, er verkörpert sie auch dermaßen gut, dass im Laufe der 113-minütigen Gesamtspielzeit deutlich wird, wie nah Genie und Wahnsinn beim Earl of Rochester beieinanderlagen.

Dies zu verdeutlichen, gelingt jedoch nicht nur durch das Schauspiel Depps, sondern auch durch den Aufbau des Films. Während zunächst die Ausschweifungen des Protagonisten einen großen Platz in „The Libertine“ einnehmen, dominiert im späteren Verlauf seine tragisch-dramatische Charakterentwickung das Geschehen.

Die Darstellung, von der sich der Zuschauer im Vorfeld erhofft hat, dass diese dem Untertitel „Sex, Drugs & Rococo“ gerecht werden möge, fällt sprachlich zwar frivol, visuell aber eher nur angedeutet aus. Explizite (v.a. sexuelle) Szenen sind daher eher gemäßigter Natur. Nichtsdestotrotz sorgen diese Andeutungen dafür, dass sich die Zuschauer ein ausreichendes Bild der Hauptfigur machen und dessen Handlungen nachvollziehen können.

Weniger nachvollziehbar, da ohne nähere Erklärungen und Tiefe auskommend, gestaltet sich das integrierte Verhältnis des Earls of Rochester zu Schauspielerin Elizabeth Barry (gespielt von Samantha Morton). Sein Erliegen ihr gegenüber wirkt somit unauthentisch und hätte im Film intensiver sowie emotionaler herausgearbeitet werden können.

Extravaganzen

Gut herausgearbeitet ist in „The Libertine“ jedoch sowohl die Vorliebe des Earls für das Theater als auch die Lebensbedingungen des 17. Jahrhunderts.

Indem der Film eingerahmt ist von einem Prolog und Epilog sowie immer wieder Bezug auf das Thema Theater nimmt, besitzt „The Libertine“ selbst zuweilen theatereske Züge.

Für gegenwärtig produzierte historische Filme eigentlich unüblich, setzen die Macher von „The Libertine“ zudem auf eine unruhige Kameraführung und natürliches (Kerzen)Licht. Die Bildqualität ist daher oftmals diffus, wirkt „verrauscht“, ist überwiegend in dunklen Farben gehalten und erscheint insgesamt sehr altmodisch für die heutige Zeit. Daran muss sich der Zuschauer erst gewöhnen. Alles in allem gewinnt der Film dadurch aber an passender Atmosphäre. Diese Art der Visualisierung von „The Libertine“ ist somit nicht als qualitatives Manko, sondern vielmehr als künstlerischer Kniff zu sehen, für den man sich bewusst entschieden hat, der allerdings die Meinungen der Zuschauer spalten könnte.

Fazit

Johnny Depp und Rosamund Pike in „The Libertine“ (Copyright: Koch Media)

Zusammenfassend ist „The Libertine – Sex, Drugs & Rococo“ – anders als der Name eventuell verheißen mag, kein hipper, neumodischer Film mit historischer Thematik. Vielmehr haben es sich die Macher zur Aufgabe gemacht, der damaligen Zeit und dem Protagonisten (auch optisch) gerecht zu werden, indem man dem Setting einen künstlerischen Anstrich verpasst hat.

Wer daher einzig aufgrund des Namens Johnny Depp (oder des darüber hinaus namhaften Casts, darunter auch Rosamund Pike, u.a. in „Feinde – Hostiles“ zu sehen) zur kürzlich erschienenen Blu-ray greift, wird vermutlich nur bedingt auf seine Kosten kommen. Alle anderen aufgeschlossenen „Freigeister“ finden hiermit jedoch eine außergewöhnliche Produktion, deren Bonusmaterial (v.a. das Making-of) zusätzliche interessante Einblicke in die Entstehung und Hintergründe dieses Films bietet.

Trailer

Handlung

Dürfen wir vorstellen: John Wilmot, Earl of Rochester, versautestes Blaublut im englischen Königreich!

Mitte des 17. Jahrhunderts tobt der Edelmann (Johnny Depp) durch alle Betten – wenn er nicht gerade literarische Geistesblitze aufs Papier pfeffert oder sich volllaufen lässt. Da lockt ein royaler Auftrag: König Charles II. (John Malkovich) braucht ein Theaterstück, um den französischen Botschafter zu beeindrucken. Wilmot verfasst einen Bühnenreißer, der den Monarchen nach allen Regeln der Kunst mit Spott übergießt. Charles ist not amused – mit finsteren Folgen für den Libertine …

(Quelle: Koch Films)

Details

Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 24.01.2019
Produktionsjahr: 2004
Spieldauer: 113 Minuten
Extras: Deutscher Trailer / Originaltrailer / Bildergalerie / Making-of

Copyright Cover: Koch Media GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde