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Hayao Miyazaki. Zeichner, Drehbuchautor, Regisseur, Oscarpreisträger, Multitalent. Dennoch ist der Name insgesamt wohl eher unbekannt. Schließlich verschwindet das Mastermind oft hinter seinem Studio Ghibli. Der Dokumentarfilm „The Kingdom of Dreams and Madness“ von Regisseurin Mami Sunada schwenkt den Fokus zurück auf diese Zentralfigur.

Zu Beginn der Dreharbeiten steckt das erfolgsverwöhnte Animationsstudio mitten in der Produktion zu „Wie der Wind sich hebt“. Eifrige Zeichner, die in einem schmucken, mittelgroßen Bürogebäude an Holzschreibtischen sitzen und Figuren zeichnen oder Hintergründe malen. Mittendrin Miyazaki, selbst mit einer Schürze bestückt, der immer wieder eigenhändig zum Bleistift greift. Fans könnten dabei wohl allein stundenlang zuschauen – wie Strich um Strich in kürzester Zeit ganze Szenen entstehen, ist einfach beeindruckend. Zwischendurch schwenkt der Fokus zu weiteren wichtigen Personen im Studio Ghibli. Vom Produzenten, über Verlagsmitarbeiter bis zur persönlichen Assistentin werden einige wichtige Personen und ihre Rollen vorgestellt.

Darüber hinaus gibt es auch einige Einblicke in die Karriere und das kreative Schaffen von Miyazaki. Allerdings, und das ist ein größerer Kritikpunkt, bleiben all diese Eindrücke sehr fragmentarisch. Der Vorhang wird immer nur ein wenig gelüftet, ohne, dass der Blick auf das Gesamtwerk freigegeben würde. Das führt gelegentlich auch zu leichter Verwirrung, beispielsweise bleibt die Beziehung zwischen Miyazaki und dem Ghibli-Mitbegründer Isao Takahata rätselhaft. Zwar weiß man nach der Dokumentation, dass Takahata der Entdecker von Miyazaki war und beide sich irgendwann kreativ auseinander gelebt haben, warum allerdings zwischen ihnen nun eine merkwürdig angespannte Stimmung herrscht, bleibt dem Zuschauer verborgen.

Trotz der manchmal rätselhaften Beziehungen läuft das Studio Ghibli wie eine geölte Maschine und die Arbeit an „Wie der Wind sich hebt“ geht zügig voran. Schnell merkt der Zuschauer, dass es gar nicht so sehr auf diesen einen Anime ankommt, sondern dass sich die Arbeitsabläufe seit der Studiogründung 1985 eingeschliffen haben. Nichtsdestotrotz sei an dieser Stelle erwähnt: Ganz beiläufig geht es in der Doku auch um die Frage nach dem passenden Ende zu „Wie der Wind sich hebt“. Wer ihn also noch nicht gesehen hat, wird hier zwangsläufig gespoilert.

Da „The Kingdom of Dreams and Madness“ zwar auch die Arbeitsabläufe in den Blick nimmt – und somit auch in kleinen Teilen ein Making of zu „Wie der Wind sich hebt“ ist -, aber insgesamt sehr auf die Beteiligten fokussiert wirkt, erscheinen die gesamten Aufnahmen sehr persönlich. Die Kameraführung, die eher an einen semiprofessionellen Youtuber erinnert, unterstreicht diesen Eindruck. Hier wurden weder aufwendige Dreharbeiten noch einstudierte Interviews durchgeführt. Sunada hat mit ihrer Kamera ganz einfach das eingefangen, was sie schön oder wichtig fand, auch wenn die optische Qualität darunter gelegentlich leidet. Das ist allerdings genauso verkraftbar wie die Tatsache, dass die Doku nur mit Untertiteln zu genießen ist. Dafür erlebt man eben auch die Stimmen im Original.

Am Ende, selbst wenn man sich das umfangreiche Zusatzmaterial anschaut, hat man noch lange nicht alles gesehen und gelernt, was es zu Studio Ghibli und Miyazaki zu sehen und zu lernen gibt. Aber man bekommt einen ganz persönlichen Eindruck davon, wie die Arbeit an den preisgekrönten Animes abläuft – und man lernt die zauberhafte Studiokatze Ushiko kennen. Wenn das kein Grund zum Angucken ist!

Trailer

 

Handlung

Der Film „The Kingdom of Dreams and Madness“ von Regisseurin Mami Sunada gewährt einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des preisgekrönten japanischen Animationsstudio Ghibli. Wir begleiten Oscar®-Preisträger Hayao Miyazaki, Produzent Toshio Suzuki und den Filmemacher Isao Takahata bei der Arbeit und erhalten Einblicke in die aufwändige Produktion der Filme „Wie der Wind sich hebt“ und „Die Legende der Prinzessin Kaguya“. Ein fein nuanciertes Porträt über die kreativen Köpfe hinter dem Studio Ghibli.

(Quelle: Universum Films GmbH)

Details

Format: PAL
Sprache: Japanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 27.05.2016
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: 113 Minuten

Copyright Cover: Universum Film GmbH



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer