Review

Skandinavische Krimiserien gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, frankokanadische Produktionen hingegen stellen eine kleine Seltenheit im Genre dar. Doch nicht nur diese Tatsache macht „The Killer Inside“ zu einer Ausnahme und einen lohnenswerten Hingucker in seinem Bereich.

So stehen hier beispielsweise Kriminalfälle relativ gleichberechtigt neben privaten Handlungsebenen rund um die Protagonisten – u.a. dadurch, weil bereits ab Folge 1 („Das Fell des Bären“) der ersten Staffel zwei Hauptfiguren (Julie Beauchemin, gespielt von Fanny Mallette, und Maxime Moreli, gespielt von Éric Bruneau) in einen solchen Plotstrang involviert sind und damit Beruf und Privatleben fließend ineinander übergehen.
Laufen derlei Handlungen in anderen Krimiserien eher als beiläufiger Zusatz neben der Ermittlungsarbeit her, erhalten sie in „The Killer Inside“ also deutlich mehr Gewichtung.

Und das ist gut so, denn ein weiterer Unterschied, der neue Ansätze ins Genre bringt und „The Killer Inside“ damit von anderen Produktionen abhebt, ist die Fokussierung auf Verhörtaktiken und diesbezügliche psychologische Aspekte. Dies allein wäre allerdings auf Staffellänge und als Gesamtkonzept viel zu monoton und einseitig, sodass die zusätzlichen Handlungsstränge fern der Polizeiarbeit für mehr Dynamik und Unterhaltung sorgen; auch deshalb, da gerade die psychologischen Nuancen während der Verhöre verstärkter und spezifischer Eingang in die Serie hätten finden können, um tatsächlich als Alleinstellungsmerkmale durchzugehen. Von diesem Manko lenken die privaten Probleme und Machenschaften der Figuren geschickt ab.

Die Morde an sich nehmen – ebenso wie Schauplatzwechsel – wenig Raum ein. Entsprechend des Konzepts reduziert sich der Dreh vorrangig auf das Büro bzw. den Verhörraum, sodass selten Ausflüge zu Tatorten oder anderen Locations gemacht werden.
Im kühlen, modernen, fast schon sterilen Ambiente entlockt die Hauptfigur gemeinsam mit ihren beiden Kollegen den Zeugen und Verdächtigen Geheimnisse und letztlich Geständnisse.
Dementsprechend fällt die Serie „The Killer Inside“, in der zwei männliche Figuren an der Seite einer starken weiblichen Protagonistin stehen, die mit Ecken und Kanten für Authentizität sorgt, sehr dialoglastig aus.

„The Killer Inside“ konzentriert sich auf die „Schreibtischarbeit“ und fokussiert die Verhörtaktiken. (Copyright: Edel:Motion)

Die Fälle als solche sind – wie die Motive auch – sehr abwechslungsreich und unterschiedlich. Die im Mittelpunkt stehenden Verhöre hätten aufgrund ihrer Gewichtung jedoch weitaus variabler und vielschichtiger ausfallen können. Fehlende Emotionalität kann man diesen Szenen dadurch aber nicht vorwerfen. Im Gegenteil, dies betreffend sorgen vor allem die Nahaufnahmen mit Betonung der Mimik und insbesondere der Augenpartie für Ausdrucksstärke. Von Hass, Wut und Verzweiflung bis hin zu Reue, Liebe und Leidenschaft ist durch diese spezielle Kameraperspektive eine facettenreiche Gefühlswelt abzulesen. Gewöhnungsbedürftig ist dabei nur das durch Emotionen geleitete plötzliche Duzen der Beteiligten.

Alles in allem – und besonders, da noch sehr viel Potenzial unausgeschöpft bleibt – kassiert „The Killer Inside – Staffel 1“ von uns empfehlenswerte 3,5 Sterne – Tendenz definitiv steigend, denn der Abschluss der letzten Folge schürt die Neugier auf den Fortgang der Serie und verheißt vielversprechende dramatische Wendungen, die für zunehmende Spannung sorgen könnten.

Trailer

Handlung

Diese Verhörspezialistin bringt jeden dazu, ein Geständnis abzulegen!

Das eingespielte Kommissaren-Duo Julie Beauchemin und Bob Crépault ist ausgesprochen erfolgreich. Auf ihrer Polizeiwache im kanadischen Montréal nehmen sie Tatverdächtige ins Kreuzverhör und entlocken durch ihre ausgefeilten, psychologischen Verhörtaktiken früher oder später jedes noch so wohlgehütete Geheimnis.
Dabei verlässt die Kriminalistin fast nie das Präsidium. Tatorte sind für sie unerträglich. Jedes noch so kleine Detail lässt sie sich von ihren Kollegen dokumentieren und erklären. Wie Puzzleteile setzt sie alle Erkenntnisse und Ergebnisse zu einem Ganzen zusammen und schafft es vom Büro aus, Licht ins Dunkel ihrer Fälle zu bekommen.
Doch während Julie im Job brilliert, liegt ihr Privatleben in Scherben. Julies Beziehung mit dem Sportjournalisten Vincent Duval kriselt gewaltig, und mit der pubertierenden Tochter Romane streitet sie nahezu täglich. Auch an ihrem Sohn Arnaud gehen die Auseinandersetzungen nicht spurlos vorüber. Zu allem Überfluss beeindruckt der clevere und sehr attraktive neue Kollege Maxime Julie nicht nur fachlich.

In zehn packenden Fällen versuchen die Kommissare den Mördern auf die Spur zu kommen und Wahrheit von Lüge zu unterscheiden.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

DVD 01
01 Das Fell des Bären
02 Familiengeheimnisse
03 An meinen Bruder
04 Die andere Seite des Spiegels

DVD 02
05 Der Weg der Macht
06 Reise durch die Zeit
07 Verweigerung der Aussage
08 Mea Culpa (Uncut)

DVD 03
09 In Memoriam
10 Memento Mori

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 09.12.2016
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 420 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde