Review

Was haben „Akte X“ und „Fifty Shades of Grey“ gemeinsam? Nicht viel natürlich, abgesehen davon, dass deren Hauptakteure, Gillian Anderson und James Dornan, gemeinsam für die Psychothriller-Serie „The Fall – Tod in Belfast“ vor der Kamera standen.

Diese, d.h. die Staffeln 1 bis 3, erscheint nun als Uncut Version (FSK ab 16 Jahren) auf DVD und Blu-ray im Heimkino.

Die (Star-)Besetzung: Überzeugend in ihren Rollen

Dornan schlüpft dabei in eine ihm nicht ganz unbekannte Rolle und so kann er auch hier in drei Staffel und insgesamt 17 Folgen der einen oder anderen jungen Frau Fesseln anlegen. Dies jedoch ausschließlich zu seinem eigenen Vergnügen, denn Dornan stellt einen Serienmörder mit Kindheitstrauma und daraus hervorgegangener fehlgeleiteter Sexualität (autoerotische Asphyxie inklusive) dar.
Auf den Fersen ist ihm Anderson in ihrer Rolle als erfahrene Ermittlerin Stella Gibson, die auch oder gerade unter ihren zahlreichen männlichen Kollegen bestimmend und selbstbewusst den Ton angibt.

Auch wenn die weiteren zahlreichen SchauspielerInnen weit weniger Screentime vorweisen können, ergänzen sie das Katz- und Mausspiel der beiden Hauptfiguren hervorragend und stechen das eine oder andere Mal sogar heraus. Damit spielen sich vor allem Archie Panjabi als Pathologin Dr. Tanja Reed-Smith, Aisling Franciosi als Katie Benedetto, Niamh McGrady als Danille Ferrington, Richard Coyle als Krankenhausarzt Dr. O’Donnell und Aisling Bea als Krankenschwester Kiera nachhaltig ins Gedächtnis der Zuschauer.

Immer wieder stellt man zudem fest, dass auffällig oft das weibliche Geschlecht – hier nicht nur die Opferrollen einnimmt, sondern auch – die Männerwelt dominiert und dabei positiv hervorsticht. Mit menschlichen Schwächen und Fehlern ausgestattet, fallen derart alle Figuren glaubwürdig und ihre Reaktionen nachvollziehbar aus.

Sowohl die namhafte Besetzung der Protagonisten als auch der übrige Cast (bis hin zur Nebenrolle) überzeugen somit auf ganzer Linie. Schade nur, dass einige Charaktere am Ende kaum mehr eine Rolle spielen, ihr Verbleib offengelassen wird oder die Relevanz ihres Auftretens innerhalb der Serie nicht ganz geklärt ist.

Einblicke in das Innenleben der Figuren

Jene, die allerdings im Zentrum der Serie stehen, allen voran Dornan und Anderson, werden mit zahlreichen Einzelaufnahmen und Close-ups präsentiert. Dies passt nicht nur zu der (u.a. durch ausgiebige Verhöre) eher dialog- statt actionlastigen Produktion und ihrer entschleunigten, ruhigen, dunklen Inszenierung, sondern lässt die Figuren dadurch zugleich nah an die Zuschauer heran. Diese lernen die einzelnen Charaktere auf intensive und beinahe intime Art kennen und ein tieferer Einblick in deren Innenleben wird so unterstrichen.

Umso deutlicher merkt man dadurch aber auch, dass es Dornan nicht ausreichend gelingt, seine zwiegespaltene Persönlichkeit – der liebende Familienvater auf der einen und der Serienkiller auf der anderen Seite – differenziert genug zu verdeutlichen. Gerade seiner Vaterrolle räumt man dafür nicht ausreichend Platz ein, sodass seine Figur diesbezüglich letztlich doch eher eindimensional bleibt.

Komplex baut sich hingegen die Serie als solche auf. „Was bisher geschah“-Rückblicke zu Beginn einer jeden Folge helfen dem Zuschauer dabei, den Faden nicht zu verlieren. Stimmungsvoll werden somit die wichtigsten Entwicklungen zusammengefasst, die anschließend atmosphärisch weitergeführt werden.

Schwache dritte Staffel

Dies gelingt in den ersten beiden Staffeln nahezu kritiklos. Staffel 3 hält mit deren Qualitäten hingegen nicht mit.

Jamie Dornan als Serienmörder in der Psychothriller-Serie „The Fall – Tod in Belfast (Staffel 1-3)“. (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Eine unnötige wie unpassende Nahtod-Erfahrung fügt sich dabei ebenso wenig ins Bild der Serie wie die zunehmende „Bürokratie“ innerhalb der Polizeiarbeit. Diese ist zwar realistisch, dominiert allerdings so sehr, dass sie der Serie die gesamte Spannung nimmt. Mehr und mehr wirken die Ermittlungen und die Mehrheit der Szenen theoretisch, analytisch sowie sachlich und man bewegt sich weit weg von einem mitreißenden Thriller. Statt besagtem Thrill stehen in den sechs Folgen der dritten Staffel vielmehr Drama und Tragik im Mittelpunkt.

Damit ist die dritte gleichsam auch die schwächste Staffel der Psychothriller-Serie, dessen Ende die Zuschauer leider auch nicht ganz zufriedenstellen kann.

Fazit

Wer aber auf entschleunigte Psychothriller mit hohem Sprechanteil und analytischen Aspekten steht, der sollte dringend einen Blick in „The Fall – Tod in Belfast“ riskieren. Alles in allem eine atmosphärisch gelungene und insgesamt sehenswerte Produktion.

Trailer

Handlung

Ein Serienmörder treibt im nordirischen Belfast sein Unwesen. Die erfahrene Ermittlerin Stella Gibson (Gillian Anderson) soll die Mordserie aufklären, bei der ihre Kollegen an ihre Grenzen gestoßen sind. Gibson erkennt sofort, dass es sich bei dem Mörder immer um die gleiche Person handelt. Schnell gerät der Therapeut Paul Spector (Jamie Dornan) unter Verdacht. Der liebende Familienvater führt scheinbar ein ganz normales Leben mit einer Frau und zwei Kindern. Er scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein.
Spectors erstes Opfer, Rose Stagg, hat den Angriff des Serienmörders überlebt. Doch noch ehe Stella Gibson Rose überzeugen kann, ihren Peiniger zu identifizieren, wird diese von Spector entführt. Als kurz darauf die Leiche einer Frau gefunden wird, deutet alles darauf hin, dass es sich um Rose handelt. Der Täter und seine Verfolgerin stehen sich zum ersten Mal seit Beginn der Ermittlungen von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Ein Augenblick, der das Leben der beiden für immer verändern wird …

(Quelle: Studio Hamburg Enterprises)

Episodenübersicht

The Fall – Staffel 1
Episode 1-5

The Fall – Staffel 2
Episode 1-6

The Fall – Staffel 3
Episode 1-6

Details

Sprache: Deutsch Englisch
Ton: DD 2.0 Stereo / 5.1
Anzahl Disks: 6
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 06.11.2020
Produktionsjahr: seit 2013
Spieldauer: ca. 1050 (16 x 60, 90) Minuten
Extras: Behind the Scenes

Copyright Cover: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde