Review

Eine Schneiderin, eine  Romanautorin, eine Oscargewinnerin und eine Regisseurin treffen sich auf dem platten Land der australischen Einöde. Was wie der Beginn eines schlechten Witzes klingt, sind im weitesten Sinne die Elemente, dank derer der Film „The Dressmaker – Die Schneiderin“ entstanden ist.

Alles begann bei der Romanautorin Rosalie Ham, die mit ihrem Debüt eine „australian gothic novel of love, hate and haute couture“ schuf, die Leser und Kritiker begeisterte. Gothic Novel, also so etwas wie eine Schauergeschichte. Aus dieser Vorlage wiederum kreierte Regisseurin Jocelyn Moorhouse eine Komödie – zumindest laut der Beschreibung auf der Filmhomepage. Der Grat zwischen Drama und Komödie ist bekanntlich schmal, zumal in beiden Rache thematisiert werden kann. Wie jetzt im Detail die Umsetzung gelungen ist, soll hier allerdings kein Thema werden, aber die zweideutigen Vorzeichen sollten jetzt klar sein.

Bevor es um ihre Rache geht, zieht es Protagonistin Tilly Dunnage, zugegebenermaßen nicht ganz freiwillig, nach 25 Jahren Exil zurück in ihre dörfliche Heimat. Dort warten neben ihrer kranken und verwahrlosten Mutter viele altbekannte Gesichter, die sie mit ebenso altbekanntem Argwohn betrachten. Denn wie die Rückkehr, so war auch ihr Weggang nicht freiwillig: Nachdem Tillys Klassenkamerad 1926 auf unbekannte Weise starb, wird der Todesfall der Zehnjährigen angelastet. Doch Tilly selbst besitzt keinerlei Erinnerungen mehr an diesen Vorfall, dafür plagen sie dennoch gigantische Schuldgefühle. So hofft sie, mithilfe der eingeschworenen Gemeinschaft ihre Erinnerungen wieder zusammenzusetzen.

Kein leichtes Unterfangen, aber Tilly hat ein Ass im Ärmel – ihre Nähkünste! Dank einer exzellenten Ausbildung und der Gier der Dorfbewohnerinnen nach Schönheit baut sie in kürzester Zeit ein florierendes Unternehmen auf. Dabei wirft der Dorfpolizist Sergeant Farrat ein wachsames Auge auf die hübsche Schneiderin. Allerdings allein und ausschließlich, um seine Lust an schönen Stoffen, Spitze und Federboas zu stillen, die vor den übrigen Bewohnern geheim bleiben soll. Natürlich findet sich aber auch in dieser Gemeinschaft ein anderer junger, schöner Mann, der ein Auge auf die Frau hinter der Nähmaschine geworfen hat. Gerade, als Tillys Leben eine positive Wendung nehmen will, wirft ihr das Schicksal wieder Steine in den Weg.

War es das wert? Am Ende bekommt Tilly ihre Rache, das beweist schon das Filmcover, aber der Preis ist hoch. Ob dabei unterm Strich die dramatischen oder die komödiantischen Elemente überwiegen, wird hingegen eine Wertungsfrage bleiben. Was allerdings ganz klar ist: „The Dressmaker“ versteht es, gekonnt so viele Elemente in einem Film zu vereinigen, dass es von vorne bis hinten ein Genuss ist.

Kate Winslet als starke und gleichzeitig verletzte Modequeen. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Kate Winslet als starke und gleichzeitig verletzte Modequeen. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Das beginnt bei der wirklich rührend-dramatischen Geschichte, geht über das liebevoll gestaltete Set und die wahnsinnig tollen 50er Jahre-Roben bis hin zu einer grandiosen Auswahl von Darstellern. Sei es Judy Davis als verrückte Molly, Kate Winslet als starke und gleichzeitig verletzte Modequeen oder Liam Hemsworth, der nicht nur (aber schon verdammt viel!) Eyecandy liefert. Herausragend beweist allerdings Hugo Weaving als Sergeant Farrat und tragische Randfigur, dass auch ein von außen geradliniges Leben mit großen Entbehrungen gespickt sein kann.

Die Liebe zu schönen Kleidern vermag eben jeden zu erwischen, ob jung oder alt, Mann oder Frau. Ebenso gelingt es „The Dressmaker“ durch die vielschichtigen Elemente, verbunden durch einen gemeinsamen roten Faden, ein breites Publikum zu begeistern. Da beißt die Maus keinen Faden ab!

Trailer

Handlung

Nach Jahren als Schneiderin für die exklusivsten Modehäuser von London, Mailand und Paris kehrt die stilsichere Schönheit Myrtle „Tilly“ Dunnage (Kate Winslet) in ihre australische Heimat zurück, aus der sie als Jugendliche einst vertrieben wurde. Willkommen im Städtchen Dungatar – irgendwo im Nirgendwo. Mit einer Nähmaschine bewaffnet, räumt das glamouröse Ausnahmetalent mit ihrer Vergangenheit auf und begibt sich auf einen süßen Rachefeldzug. Schlagfertig legt sie den alten Zwist mit ihrer Mutter „Mad“ Molly (Judy Davis) beiseite, gewinnt durch ihre Handwerkskunst die Gunst der misstrauischen Dorfbewohner – und scheint bei Teddy (Liam Hemsworth), einem Adonis von Mann, weiche Knie zu bekommen.

(Quelle: Ascot Elite Home Entertainment)

Details

Format: PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 29.04.2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 114 Minuten
Extras: Originaltrailer / Featurettes (3 x) / Interviews Cast & Crew (12 x) / B-Roll / Trailershow

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer