Review

Das Horror-Drama „The Dark – Angst ist deine einzige Hoffnung“ stellt das Debüt des österreichischen Regisseurs Justin P. Lange dar.

Der Film mit einer Gesamtlaufzeit von überschaubaren 95 Minuten feierte im April 2018 auf dem Tribeca Film Festival seine Premiere und kommt durch Studio Hamburg Enterprises nun auf Blu-ray und DVD ins Heimkino.

Die Handlung

Justin P. Lange nimmt seine Zuschauer mit in das angeblich verfluchte Waldstück Devil’s Den. Dort soll nicht nur ein Monster sein Unwesen treiben, es sollen auch regelmäßig Menschen verschwinden.

Den Grund lernt man schon bald kennen. Denn als der gesuchte Entführer Josef Hofer (Karl Markovics) genau dort mit seinem Entführungsopfer Alex (Toby Nichols), dem er während dessen Gefangenschaft das Augenlicht nahm, untertauchen möchte, trifft er auf dieses vermeintliche Monster, wird von ihm attackiert, getötet – und gegessen. Alex wird indes verschont. Mehr noch bahnt sich schon bald eine Freundschaft zwischen ihm und dem „Monster“ an …

Jenes Monster ist das untote Teenagermädchen Mina (Nadia Alexander), das durch ihr grausam entstelltes Gesicht und ihre Vorliebe für Menschenfleisch dem Ruf eines Monsters nicht nur optisch gerecht zu werden scheint.
Ihre Geschichte soll im weiteren Verlauf des Films durch Flashbacks und Rückblenden in ihre Vergangenheit noch ein wenig mehr beleuchtet werden und wirkt dabei durchaus emotionalisierend.

Zusätzlich nimmt die beginnende freundschaftliche Beziehung zwischen dem mörderischen Zombie-Mädchen und dem Jungen mit vernarbten Augen und Stockholm-Syndrom einen hohen Stellenwert ein und darf über weite Strecken gar metaphorisch verstanden werden.

>Coming of Age< mal anders

Damit versucht sich „The Dark“ (nicht zu verwechseln mit der ähnlich heißenden Netflix-Serie „Dark“) an einer Coming of Age-Geschichte, die sich sowohl an Splatter- als auch an Horror-, Drama- und Fantasy-Elementen bedient.

Entstanden ist so ein fantastisches Zombie-Drama mit Teenie-Romance-Charme der ungewöhnlichen Art, das – u.a. auch durch seine partielle interpretatorische Offenheit – die Zuschauer nicht selten zum Nachdenken anregt.

Als düsterer Außenseiterfilm erschafft Justin P. Lange insgesamt eine innovative Neuinterpretation des Horror-Genres, das – insbesondere das Zombie-Motiv betreffend – ganz ohne gängige Klischees auskommt. Vielmehr fällt die diesbezügliche (und auch in vielen weiteren Belangen bei „The Dark“ zu sehende) Herangehensweise sehr un- und vor allem außergewöhnlich aus.

Effektvolle Inszenierung

Bereits zu Beginn wird (z.B. durch die lange aktionslos bleibende Sicht auf eine leere Straße) klar, dass der Regisseur auf Ruhe und Entschleunigung setzt. Während diese Szenen zwar mitunter gelungen dem Aufbau der Atmosphäre dienen, arten sie stellenweise allerdings gerne auch mal in Langatmigkeiten aus, die zu Langeweile beim Zuschauer führen könnten.

Bevor der Betrachter jedoch das Interesse am Film ganz verliert, sorgen immer wieder Spielereien mit dem Ton für effektvolle Nuancen, die die Aufmerksamkeit zurückfordern. So variiert nicht nur die Lautstärke entsprechend und passend zu der jeweiligen Szene, auch ändert sich die Hintergrundmusik und dessen Stimmung gemäß der gezeigten Bilder.

Dem Namen „The Dark“ wird man währenddessen durch die visuelle Inszenierung gerecht. Dunkle, gedeckte Farben dominieren das Geschehen und spiegeln zudem scheinbar die Befindlichkeiten der Figuren wider.

Die Figuren, ihre Besetzung und Synchro

Jene sind mit Karl Markovics („Trautmann“, „Die Vermessung der Welt“, „Babylon Berlin“), Nadia Alexander („Blame“, The Sinner“) und Toby Nichols („American Horror Story“) in den Hauptrollen solide besetzt, auch wenn die Bildschirmzeit Markovics‘ sehr kurz ausfällt.

Karl Markovics als Entführer Josef Hofer im Horror-Drama „The Dark – Angst ist deine einzige Hoffnung“. (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Kritisieren möchte man hingegen die eindeutig verbesserungswürdige deutsche Synchronisation, die auf einige zwar authentisch, auf andere jedoch eher monoton und emotionslos wirken könnte. Insbesondere die deutsche Stimme von Toby Nichols alias Alex wirkt zuweilen arg befremdlich und nimmt dem Charakter einiges an Wirkung auf den Zuschauer.

Potenzial dazu hat die Figur jedoch ausreichend – und das zeigt sich sowohl in dem angedeuteten Stockholm-Syndrom als auch in der der Figur anhaftenden Fragilität. Einen zunächst gelungenen Kontrast bietet die monströse Seite Minas, deren Hintergrundgeschichte jedoch bald schon für eine zunehmende „Vermenschlichung“ sorgt, die auch optisch ersichtlich wird.

Fazit

Am Ende bleiben – nicht verwunderlich angesichts der Gesamtlaufzeit – noch einige Fragen offen. Hier darf sich der Zuschauer selbst seiner Interpretationsfähigkeit und Vorstellungskraft bedienen.

Leider zeigt sich außerdem, dass es von vielem gerne noch mehr hätte sein dürfen. Insbesondere die Tiefe der Geschichte und die Emotionalität bleiben zuweilen zu oberflächlich. Es gelingt „The Dark“ daher gut, aber nicht gut genug, einen Spagat zwischen seinen ernsten Botschaften, dem tiefgründigen Inhalt und der Genre-Mixtur Horror und Coming of Age zu vollbringen. Statt alles zu wollen, wäre an manchen Stellen „entweder … oder“ besser gewesen. Nichtsdestotrotz bleibt „The Dark – Angst ist deine einzige Hoffnung“ durch seine Andersartigkeit lange im Kopf.

 

Trailer

Handlung

Fernab der Kleinstadt gibt es das angeblich verfluchte Waldstück Devil’s Den, in dem ein Monster sein Unwesen treiben soll und regelmäßig Menschen verschwinden. Der polizeilich gesuchte Entführer Hofer will genau dort untertauchen, was schnell zu seinem Verhängnis wird. Attackiert wird er allerdings nicht von einem Monster, sondern von dem untoten Teenagermädchen Mina mit grausam entstelltem Gesicht, das sich von Menschenfleisch ernährt. In Hofers Kofferraum entdeckt sie dann den Jungen Alex mit vernarbten Augen und in panischer Angst. Mina fühlt sich zu ihm hingezogen und bietet ihre Hilfe an. Es ist der Beginn einer seltsamen Freundschaft. Als die örtliche Polizei Hofers Leiche findet, müssen Mina und Alex gemeinsam fliehen. Vor ihren Verfolgern und der eigenen Vergangenheit in eine ungewisse Zukunft.

(Quelle: Studio Hamburg Enterprises)

Details

Format: Dolby
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 27.09.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 95 Minuten

Copyright Cover: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde