Review

Was thematisch in den letzten Jahren bereits durch erfolgreiche Filmprojekte wie „Prisoners“ (2013) oder „3096 Tage“ (2013) aufgegriffen wurde – Kindesentführung, Gefangenschaft, sexueller Missbrauch – bildet auch das Kernstück des Thrillers „The Captive. Spurlos verschwunden“. Doch kann sich die kanadische Umsetzung mit einem Hollywood-Streifen oder dem deutschen Drama messen?

Nachdem der Einstieg in die Geschichte bereits äußert bedrohlich ist – man darf dem Entführer kurz über die Schulter und auf sein Opfer schauen – lässt Regisseur Atom Egoyan den Zuschauer erst einmal ein wenig Familienidylle schnuppern:

Die emotionalen Szenen liegen ihm nicht so, Ryan Reynolds als Protagonist in "The Captive". (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Die emotionalen Szenen liegen ihm nicht so, Ryan Reynolds als Protagonist in „The Captive“. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Obwohl Matthew und Tina Teenager waren, als ihre Tochter Cassandra geboren wurde, leben die drei in glücklicher Harmonie. Bis zu dem Tag, als Cassandra entführt wird. Während ihr Vater nach ihrem Eislauftraining nur wenige Minuten in einer Bäckerei verschwindet, um Kuchen zu kaufen, soll sie im Wagen warten. Doch als Matthew zurückkehrt, ist das 10-jährige Mädchen verschwunden. Panisch beginnt der verzweifelte Vater die Suche nach ihr, nur um von der Polizei selbst als Täter verdächtigt zu werden. Ergebnis- und planlos versanden die Ermittlungen, doch der Vater glaubt auch nach acht Jahren, dass sein kleines Mädchen noch am Leben sein muss. Während die Beziehung der Eltern langsam an diesem schrecklichen Verlust scheitert, gelingt es den Detectives Dunlop und Cornwall, doch eine Spur der Vermissten zu entdecken. Aber kann es nach acht Jahren Trennung, Suche, Hoffen und Bangen überhaupt noch ein Happy End geben?

Soweit der durchaus überzeugende Plot.
Auch die Besetzung ist hochkarätig: Ryan Reynolds als Vaterfigur sowie das Polizeiduo Scott Speedman und Rosario Dawson lassen auf eine solide schauspielerische Leistung hoffen. Leider bleibt es bei Hoffnungen. Reynolds beispielsweise ist hier fast nicht wiederzuerkennen. Vielleicht beeinflusst durch seine sonst eher extrovertierten und actiongeladenen Rollen, scheinen ihm die emotionalen Themen wie Trauer und Schuld nicht zu liegen. Damit befindet er sich allerdings in guter Gesellschaft.

Was mit diesen wenig überzeugenden Leistungen beginnt, setzt sich im Gesamteindruck fort. Egoyan schafft es durch die extreme zeitliche Stückelung in mindestens sechs Zeitebenen, zwischen denen beliebig hin und her gesprungen wird, den Spannungsbogen immer wieder zu unterbrechen.

Scott Speedman und Rosario Dawson in ihren Rollen als Detectives. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Scott Speedman und Rosario Dawson in ihren Rollen als Detectives. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Aus der Verwirrung entsteht ein lückenhaftes Mosaik mit lauter merkwürdigen und unerklärlichen Details, die weder der Geschichte noch den Charakteren Struktur oder Tiefe geben. Es beginnt bei den völlig haltlosen Verdächtigungen der Detectives, setzt sich in unzusammenhängenden Dialogen fort, und gipfelt in absurden Drehbuchideen. Warum sollte der Entführer einem zeitlich begrenzten Treffen zustimmen? Warum wird die Mutter mit Erinnerungsstücken emotional gefoltert und dabei auch noch gefilmt? Welches Fahrzeug hält so einer Belastung stand? Warum soll die Entführte merkwürdige Texte aufs Band sprechen? Wieso löst sich das Ende genau so auf?

Diese und mehr Fragen bleiben am Ende nach 112 Minuten filmischer Verwirrung wie Schneegestöber im Kopf zurück.
Ein Thriller, dem die Spannung fehlt und eine Story, die abstrus und zusammengewürfelt ist – einzig der grundsätzlich angemessene Umgang mit dem Thema „sexueller Missbrauch“ vermag „The Captive“ irgendwie zu retten. Hier wurde eine Menge Potenzial durch übertriebene Kreativität verschenkt.

Trailer

Handlung

Nur wenige Minuten haben dem Täter gereicht, um Cassandra aus dem Auto ihres Vaters zu entführen. Als Matthew aus der Bäckerei zurückkommt, ist die Zehnjährige spurlos verschwunden. Acht Jahre sind seitdem vergangen, Jahre der Entfremdung und einsamen Verzweiflung für die Eltern und Jahre voller ergebnisloser, frustrierender Ermittlungen für die Detectives Dunlop und Cornwall. Da taucht Cassandras Gesicht im Internet auf. Sie ist am Leben – und noch immer in der Gewalt des Täters, der sein perverses Spiel nicht mehr nur mit dem heranwachsenden Mädchen treibt. Auch die traumatisierten Eltern und die Polizisten sind ohne es zu wissen Objekte seiner psychopathischen Fantasien geworden …

(Quelle: Ascot Elite Home Entertainment)

Details

Format: PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 27.01.2015
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 112 Minuten
Extras: Interviews, B-Roll, Originaltrailer, Trailershow

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer