Review

„Tokio wird bereits ab drei Uhr nachmittags in Dunkelheit gehüllt sein… Vereinzelt ist allerdings mit starkem Funkenflug zu rechnen.“

Wird diese „Wettervorhersage“ aus dem Web von den Behörden zunächst als alberner Jugendstreich abgestempelt, bricht am nächsten Tag in Tokio ein ganzes Gebäude zusammen.
Ende dieses Monats darf man sich auf „Terror in Tokio“ (Originaltitel: Zankyō no Teroru) freuen. Ok, dieser Satz klingt in Anbetracht der Einleitung doch irgendwie falsch. Aber gut, anhand des Namens kann man schon erahnen, dass Tokio von Terroranschlägen heimgesucht wird. Dabei werden diese vorher auf einer Videoplattform, oft verpackt in ein Rätsel, angekündigt.

"Nine" (rechts) und "Twelve" in einem ihrer Web-Auftritte, in denen sie ihr Rätselraten mit der Polizei spielen. (Copyright: Universumfilm)

„Nine“ und „Twelve“ in einem ihrer Web-Auftritte, in denen sie ihr Rätselraten mit der Polizei spielen. (Copyright: Universum Film)

Wodurch besticht „Terror in Tokio“? Insbesondere durch seinen Bezug zur Moderne. Gemeint sind dabei nicht unbedingt die Anschläge, sondern vor allem, dass der Anime in einer modernen Gesellschaft spielt. Etwas, das in aktuelleren Animes übrigens immer häufiger auftritt. Soziale Netzwerke spielen dabei wohl eine der größten Rollen. Durch Smartphones und Internet kann jeder Mensch in Tokio an dem Geschehen teilhaben. Und wenn es eins ist, auf was der Mensch besonders steil geht, dann sind es dramatische Sensationen.

Schon in der ersten Szene zeigt „Terror in Tokio“ seine Stärken und spannt seine Animations-Muskeln an. Hetzjagd eines Schneemobils durch das Gelände einer nuklearen Aufbereitungsanlage. Flüssig, dynamisch und mitreißend. Und dabei bleibt es nicht. Im Verlauf der Volume 1 wird der Zuschauer noch mit einer Fahrt auf dem Motorrad beglückt. Wo soll man da anfangen? Es sind allein in dieser Szene so viele Details, die da aufgefahren werden. Angefangen von den pendelnden Bewegungen der Maschine, bis hin zu einem kurzen Augenblick des sich im Fahren entspiegelnden Visiers.
Kurzum, die Animationen können sich mehr als sehen lassen.

Es ist einfach so, dass man schon instinktiv an diesem Anime dranbleiben möchte. Neben der Darstellung sprechen den Zuschauer besonders die Charaktere an.

Lisa Mishima mit apathischem Blick. Die Charaktere machen unter anderem mit viel Tiefe einen liebenswerten Eindruck auf den Zuschauer. (Copyright: Universum Film)

Lisa Mishima mit apathischem Blick. Die Charaktere machen unter anderem mit viel Tiefe einen liebenswerten Eindruck auf den Zuschauer. (Copyright: Universum Film)

Die Vergangenheit der Protagonisten „Nine“ (Arata Kokonoe) und „Twelve“ (Tōji Hisami), verantwortlich für die Anschläge, wird zunächst in Flashbacks gezeigt. Zwar nichts wirklich Innovatives, was die Jungs für den Plot durchmachen mussten, aber sie überzeugen hauptsächlich durch ihr Auftreten. Zwei zwar komplett unterschiedliche Charakterzüge; aber obwohl „Nine“ eher der ernste und „Twelve“ der hyperaktive Typ ist, verbindet die beiden doch subjektiv mehr als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Auch Gegenspieler Kenjiro Shibazaki, der für die Behörden ermittelt, bietet noch die eine oder andere tiefere Ebene.

Dann gibt es da noch den weitgehend unbeteiligten Charakter Lisa Mishima, die über Umwege zu einer Art Komplizin von „Nine“ und „Twelve“ wird. Lisa wirkt in Volume1 irgendwie ständig fehl am Platz. Aber genau das macht diese Figur aus. Besonders ihr tragischer Hintergrund macht sie zu einem liebenswerten Charakter, der weit entfernt von jeglichem klischeebehafteten Kindheitstrauma ist. Außerdem bringt sie neben der ganzen psychischen und physischen Überlegenheit die gewisse Menschlichkeit ein.

Bemerkenswert ist auch der außergewöhnliche Soundtrack, der mit dem Intro noch lange nicht aufhört. Komponiert von Yoko Kanno (u.a. Cowbo Bebop, Ghost In The Shell) bewegt man sich mal auf einer atmosphärischen, mal auf einer durchaus experimentellen Klangebene. Eine Menge Rock und Elektro, aber auch weiches Piano über Streichinstrumenten. Dabei passt sich die Musik immer der jeweiligen Szene an.

Im Übrigen macht „Terror in Tokio“ dazu auch noch visuell einen ausgezeichneten Eindruck. Die urbane Umgebung sieht durchgehend überzeugend aus und sorgt für den typischen Wiedererkennungswert bezogen auf reale Orte. Sogar den Nebencharakteren und Menschenmassen wurde durch das Design mehr als ein Statisten-Leben eingehaucht.

Aus dem Archiv direkt an die Front. Kenjirō Shibazaki (Mitte) ist der Hauptverantwortliche für das Lösen der Anschlags-Rätsel. (Copyright: Universum Film)

Aus dem Archiv direkt an die Front. Kenjirō Shibazaki (Mitte) ist der Hauptverantwortliche für das Lösen der Anschlags-Rätsel. (Copyright: Universum Film)

Bei „Terror in Tokio“ versteht man es, die Spannung und die Action hochzuhalten. Genauso widmet man sich mit Liebe den Charakteren. Hin und wieder gibt es neben den ernsten Themen auch Grund zum Lachen; besonders wenn „Nine“ und „Twelve“ wieder einmal einen ihrer Internetauftritte haben.

Übrigens ist die deutsche Synchronisation nur an diesen Stellen etwas schwächer als die japanische. Auf Deutsch kommt der genervte „Nine“ nicht ganz so gut rüber, während sich „Twelve“ dem Original stärker annähert. Die Synchronisation ist dennoch auf beiden Seiten gut vertreten. Fans werden den Fokus natürlich auf die japanische Originalvertonung legen.

Ein guter Anime, ein sehr guter sogar. Während es anderen oft an essenziellen Elementen fehlt oder die Story zu viele Ecken aufweist, spricht „Terror in Tokio“ den Zuschauer direkt an und lässt ein gewisses Suchtpotenzial aufkommen. Fünf gefüllte Sterne für einen Anime, auf den man zurzeit nicht verzichten kann oder sollte.

Trailer

Handlung

Ein schockierender Terroranschlag versetzt ganz Tokio in Angst und Schrecken. Von den Tätern fehlt jede Spur. Der einzige Hinweis auf die Bombenleger scheint ein skurriles Internetvideo zu sein. Zwei maskierte Jugendliche, die sich Sphinx nennen, kündigen darin die Explosion bereits einen Tag zuvor an. Und es soll nicht der letzte Anschlag gewesen sein: Denn Sphinx, stellen der Polizei immer neue Rätsel, die innerhalb kurzer Zeit gelöst werden müssen, um weitere Bombenanschläge zu verhindern.

Der degradierte Chefermittler Shibazaki scheint der Einzige zu sein, der die mysteriösen Sphinx-Rätsel lösen kann. Er wird offiziell mit dem Fall betraut und findet dabei Erschreckendes über die Hintergründe heraus: Sphinx war offenbar an einem Plutoniumdiebstahl beteiligt. Sollte es sich beim letzten Sprengsatz der vermeintlichen Terroristen um eine Atombombe handeln?

(Quelle: Universum Anime)

Details

Format: Dolby, Limited Edition, PAL, Special Edition
Sprache: Japanisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Publisher: Universum Film
Erscheinungstermin: 29.05.2015
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: ca. 131 Minuten
Extras: Booklet (44 Seiten), Textless Opening and Ending

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Christopher