Review

Nach „Green Room“ oder auch „The Rezort – Willkommen auf Dead Island“ steht mit „Take Down – Die Todesinsel“ ein weiterer Survival-Trip für das Heimkino auf dem Programm.

Eine Gruppe reicher Jugendlicher wird von den überforderten oder genervten Eltern in eine Art Bootcamp geschickt, um Verantwortung zu lernen. Back to nature bzw. back to the roots lautet das Motto auf der schottischen einsamen Insel, die für die überschaubare Gruppe Rich Kids erst einmal ein kleines Survival-Training bereithält.

Lange verbringt Regisseur Jim Gillespie allerdings zunächst damit, die Figuren, allen voran die Protagonisten Kyle (Jeremy Sumpter, „Peter Pan“, „Friday Night Lights“) und Amy (Phoebe Tonkin, „The Vampire Diaries“, „The Originals“), vorzustellen und lässt dabei gleichsam viel Raum für moralisch-ethische Phrasen und Denkanstöße. Damit provoziert er gleich zu Beginn einige Längen, während die Figurenvorstellung weniger intensiv und fokussiert stattfindet als gedacht und möglich gewesen wäre.

Knapp 45 Minuten dauert es somit, bis Cast und Zuschauer „Die Todesinsel“ dann einmal erreicht haben. Und ganz so tödlich wie erhofft, fällt jene letztlich doch nicht aus. Neben der gut herausgearbeiteten Gruppenbildung der Jugendlichen sorgen Kidnapping und Erpressung für inhaltliche Reibungspunkte, die dem Film Thrill und Action verpassen sollen. Weil „Take Down – Die Todesinsel“ insgesamt aber sehr entschleunigt wirkt, nicht zuletzt durch die vielen und gelungenen Naturaufnahmen, die die Kameraführung lange und gut einfängt, sind Überraschungs- oder Schockmomente kaum vorhanden. Ebenso wurde mit der Action und Gewaltdarstellung nicht übertrieben, vielmehr werden diese Szenen kurz und effektiv gestaltet. Das macht „Take Down -Die Todesinsel“ zu einem eher „beschaulichen“ Survival-Trip. Gleichzeitig artet der Film dadurch aber auch nicht zu einem 08/15-Action-Thriller aus, sondern bietet – nicht nur für die Charaktere, sondern auch für die Zuschauer – reichlich Stoff zum Nachdenken. Leben vs. Überleben sowie der Verlust von aus Reichtum und Macht hervorgehenden Privilegien und Bequemlichkeiten stellen die Figuren vor Herausforderungen, die nicht durch Action und Gewalt zum Ausdruck gebracht werden und dennoch subtil Einzug in den Film halten.

Auf der einen Seite hebt sich „Take Down – Die Todesinsel“ daher mit einer Spur Tiefgang und seinen moralisch-ethischen sowie beinahe philosophischen Lebensfragen von anderen Genre-Vertretern ab, auf der anderen Seite gelingt es den Machern nicht, dem Zuschauer ausreichend Hintergrundinformationen (u.a. bezüglich des „Drahtziehers“ der Erpressung) zu liefern, um die Handlung als solche immer authentisch wirken zu lassen.
Lange Zeit vermutet der Zuschauer außerdem einen anderen, eventuell sogar plausibleren Kopf hinter der Lösegelderpressung. Da das Ende des Films respektive die Auflösung dieser Straftat dann sehr zügig erfolgt, bleiben offene Fragen und mangelnde Plausibilität als Eindrücke zurück.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist zudem der Mix des Films, ergänzt aus Momenten, die (vor allem am Ende) gen Kitsch tendieren. Werden die Landschaftsaufnahmen noch stimmungsfördernd eingesetzt, driften die kitschigen Sequenzen am Schluss dann doch zu sehr und unnötig vom eigentlichen Genre ab.

Auf dem Survival-Trip: Amy (Phoebe Tonkin) und Keyle (Jeremy Sumpter) in "Take Down - Die Todesinsel" | Copyright: Universum Film

Auf dem Survival-Trip: Amy (Phoebe Tonkin) und Keyle (Jeremy Sumpter) in „Take Down – Die Todesinsel“ | Copyright: Universum Film

Als Unterhaltungsfilm mit Niveau durchaus angemessen, schneidet „Take Down – Die Todesinsel“ unter dem Gesichtspunkt eines „Blockbusters“ – trotz guter schauspielerischer Leistungen aller Beteiligten (und einige namhafte Darsteller wie bereits genannte Phoebe Tonkin und Jeremy Sumpter oder auch Sebastian Koch und Ed Westwick sind hier immerhin vertreten) – eher mäßig und unspektakulär ab. Hier hängt es ganz vom Wunsch des Zuschauers ab, was jener lieber sehen möchte.

Auf seine Kosten kommt dieser in jedem Fall mit dem umfangreichen Bonusmaterial, für das jedoch gute Englischkenntnisse erforderlich sind, denn egal ob das Featurette „Behind the Scenes“ oder die zahlreichen „Interviews mit Cast & Crew“, auf deutsche Untertitel wurde dabei rigoros verzichtet.

Trailer

Handlung

Nachdem Kyle (Jeremy Sumpter, „Peter Pan“, „Friday Night Lights“), Sohn eines superreichen Geschäftsmanns, zusammen mit seiner neuen Flamme Amy (Phoebe Tonkin, „The Vampire Diaries“, „The Originals“) unter Drogeneinfluss einen Autounfall verursacht, handelt sein Vater einen Deal mit dem Richter aus: Kyle muss auf eine Bootcamp-ähnliche Schule, die ihn vor der drohenden Haftstrafe bewahrt. Die Schule befindet sich auf einer entlegenen Insel nahe Schottland und stellt für Kyle, Amy und die anderen Jugendlichen reicher Eltern nicht nur die letzte Chance auf einen Neustart dar, sondern auch die Bedingung, nicht enterbt zu werden. Den verzogenen Schülern soll durch hartes Training beigebracht werden, Verantwortung zu übernehmen. Nach einer Woche wird die Insel von Söldnern angegriffen, welche vom Ex-Soldaten Speck (Ed Westwick, „Gossip Girl“) angeführt werden. Die Angreifer töten Wachen und Lehrer der Schule, nehmen die Jugendlichen gefangen und fordern von den Eltern der Schüler eine Lösegeldsumme in Höhe von einer Milliarde Dollar. Als einziger aus der Gruppe kann Kyle rechtzeitig fliehen, woraufhin eine gnadenlose Hetzjagd beginnt …

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 28.10.2016
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 104 Minuten
Extras: Featurette „Behind the scenes“ | B-Roll | Interview mit Cast & Crew | Trailer | Trailershow

Copyrigth Cover: Universum Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde