Review

Mit „Superstition (Staffel 1)“ bringt justbridge entertainment den Serien-Horror aus Amerika ins hiesige Heimkino.

Nach den durchschnittlich 41-minütigen zwölf Folgen der ersten Staffel steht fest: Der Begriff Serien-Horror kann hier durchaus doppeldeutig verstanden werden.

Mario Van Peebles, der für „Superstition“ (englisch für Aberglaube) als Regisseur, Schöpfer und Schauspieler fungiert, will auch inhaltlich viel und bedient sich dafür sowohl an Elementen aus den Bereichen Mystery, Thriller, Horror und Fantasy als auch an Ideen aus anderen Produktionen dieser Genres. Derart zusammengewürfelt wirkt das Ganze dann aber leider auch.

Inmitten dieser stilistischen Zusammensetzung steht die Familie Hastings.
Jene betreibt nicht nur ein Bestattungsunternehmen und verwaltet den Friedhof in dem kleinen Städtchen La Rochelle in Georgia, sie hat sich auch dem Kampf gegen Dämonen, finsteren Mächten, kurz gegen alles Böse verschrieben.

Diesbezüglich stößt der Zuschauer neben den Hastings’schen Familienangehörigen auch auf diverse Kreaturen, dessen Design jedoch weitaus weniger gruselig wirkt als vermutlich erhofft. Sollten Ausschnitte von Autopsien, herausquillende Gedärme oder diabolische Angriffe dann doch mal für kurze, vom Genre erwartbare schaurige Momente sorgen, machen die Ideen dahinter einiges wieder an Stimmung und Spannung kaputt. Denn wer bitte braucht schon einen rappenden Dämon mit ADHS oder eine weitere (und schlechtere) Version von Chucky, der Mörderpuppe?

Verwirrung statt Sinn stiftend

Derartige „Skurrilitäten“ findet man gehäuft in „Superstition“. Da bilden auch die oft enthaltenen surrealen Flashbacks und weiteren visuellen Ausflüge in die Vergangenheit keine Ausnahmen. Statt für den Zuschauer damit allerdings Antworten auf – seit der ersten Folge – offen gehaltene Fragen rund um Familiengeheimnisse, Beweggründe von Handlungsabläufen oder Charakterdaseinsberechtigungen zu liefern, verwirren derlei Szenen nur.

Apropos offene Fragen: Diese werden leider auch bis zum semioptimal geratenen Staffelfinale nicht zufriedenstellend genug beantwortet. Vielmehr stiftet die scheinbar unkoordinierte und wahllose Erwähnung von Namen wie Persephone, Asmodeus oder Salomon zunächst weitere Verwirrung. Obschon man hier versucht hat, der Handlung einen geschichtlichen und irgendwie relevanten, ernstzunehmenden Rahmen bzw. Elemente zu verpassen, will die Zusammenführung mit dem Inhalt der einzelnen Folgen nicht ganz harmonieren. Die damit vermeintlich erzeugte Tiefe der Serie bleibt bis zum Ende aus.

In vielen Bereichen >overacted<

Was ebenfalls ausbleibt, ist schauspielerisches Talent. Geht Sohnemann Calvin Hastings (gespielt von Brad James) eher als Möchtegern-Gangster denn als Dämonenjäger durch, fällt eine der wenigen interessanten Figuren (Tilly, gespielt von Tatiana Lia Zappardino) durch eine monotone und einfach nicht zum restlichen Sprecherensemble passen wollende Synchronisation beim Publikum in Ungnade.

Indes versuchen die Schauspieler insgesamt vergeblich – teils laienhaft, teils gekünstelt, immer aber overacted -, ihren Rollen und Szenen Dramatik, Action und Emotionen zu verleihen. Gerade letztgenannte wollen aber einfach nicht bei den Zuschauern ankommen. Diese sind stattdessen eher genervt vom übereifrigen Overacting.

Zu gut hat es auch stellenweise die Kameraführung gemeint. So möchte man beispielsweise temporeiche Actionszenen mit wackeligen und vor allem hektischen Aufnahmen und Schnitten an das Publikum transportieren. Was effektvoll sein soll, kommt nervtötend bei dem Zuschauer an.

Wirkungslos bleiben auch die zum Einsatz kommenden sonstigen Effekte. So futuristisch einige Waffen (manche sind auch eher antiker Natur) auch aussehen, ein bunter Lichtstrahl, der aus ihnen herausgeschossen kommt inklusive einer dazugehörigen Lautmalerei, sorgen noch nicht für ein spektakuläres Heimkinogefühl. Dass darüber hinaus die Autofahrt-Szenen sehr unecht und wie aus einem 70er Jahre Film entsprungen wirken, untermauert die Tatsache, dass „Superstition“ mit wenigen bis keinen aktuellen technischen Standards aufwartet.

Schlimmer geht immer!

Während der Zuschauer die meiste Zeit damit beschäftigt ist, über die Makel von „Superstition“ hinwegzusehen und sich an die Hoffnung auf einen grandiosen, Ruder umreißenden Showdown klammert, bestätigt dieser schließlich: Schlimmer geht immer!

Tilly (Tatiana Lia Zappardino) bei der Arbeit in „Superstition – Staffel 1“ (Copyright: judgebridge entertainment)

Wurde über die Gesamtlaufzeit von 567 Minuten bereits deutlich, dass hier wohl weder allzu viel Budget zur Verfügung stand noch die größten schauspielerischen Talente beteiligt zu sein scheinen, treibt es das Finale trash-mäßig auf den Höhepunkt.

Billig wirkende, im Nichts verpuffende Effekte, eine wirre Kameraführung oder absurde, da vor allem ziellose Schießszenarien sind nur einige der Flops des Abschlusses.

So bleibt letztlich nicht nur die Gegneranzahl überschaubar; insgesamt wird hier leider aus wenig noch weniger gemacht.

Resümee

Zusammengenommen bleibt von „Superstition“ nicht viel Positives übrig. Es wundert daher nicht, dass Syfy die Serie bereits nach der ersten Staffel abgesetzt hat.

Fazit: Definitiv entbehrlich!

 

Trailer

Handlung

Die Familie Hastings betreibt im beschaulichen Ort La Rochelle, Georgia, seit Generationen ein Bestattungsunternehmen sowie den Friedhof der Stadt. Doch darüber hinaus bietet die Familie zusätzliche Dienste für die Toten an, die von Dämonen und anderen Wesen getötet wurden, die weit über das Normale hinausgehen …

(Quelle: justbridge entertainment GmbH)

Episoden

01 Pilot
02 Der Dredge
03 Halbwahrheiten und Mischlinge
04 Durch den Spiegel
05 Verworrenes Netz
06 Doktor Dredge
07 Streiche meines Verstandes
08 Du bist nicht meine Mom
09 Onkel Bubba
10 Einer von uns
11 Zurück zu den Grundlagen
12 Wiederauferstehung

Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Region: Region B/2
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: justbridge entertainment
Erscheinungstermin: 11.10.2019
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 567 Minuten

Copyright Cover: justbridge entertainment GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde