Review

Vom Flop zum Kultstatus

1997 lief der Gangster-Thriller „Suicide Kings“ von Regisseur Peter O’Fallon in den amerikanischen Lichtspielhäusern an, verbuchte an den Kinokassen jedoch nur einen mäßigen Erfolg. Erst mit der Heimkinoveröffentlichung des auf der Kurzgeschichte „The Hostage“ von Don Stanford basierenden Films erlangte jener schließlich noch verspäteten Ruhm und gewann bei Fans sogar einen gewissen Kultstatus.

Durch Turbine Medien erscheint die Crime-Fiction nun als 2-Disc-Mediabook Edition erneut im Handel und wartet sowohl mit dem Film als auch mit reichlich und neuem Bonusmaterial auf. Darüber hinaus stellt die Veröffentlichung die weltweite HD-Premiere respektive Blu-ray-Weltpremiere von „Suicide Kings“ dar.

Nimm keinen Gangster als Geisel!

Diesen Rat müssen die Protagonisten aus „Suicide Kings“ schnell lernen, als ihr diesbezügliches Vorhaben von Minute zu Minute ihrer Kontrolle entgleitet.

Die fünf Freunde Avery Chasten (Henry Thomas), Max Minot (Sean Patrick Flanery), Brett Campbell (Jay Mohr), T.K. (Jeremy Sisto) und Ira Reder (Johnny Galecki) kidnappen Charlie Barret, in jüngster Vergangenheit besser bekannt als Mafioso Carlo Bartolucci (Christopher Walken). Mit ihm wollen sie eine entführte Freundin freikaufen. Doch der ehemalige Gangster ahnt, dass unter den Freunden ein Verräter ist, und sät Zwietracht.

Derweil sucht sein brutaler Handlanger Lono Veccio (Denis Leary) die Täter … Es entsteht ein geniales Katz-und-Maus-Spiel. 

Auf knapp 107 Minuten, mit einer überschaubaren Anzahl an Figuren und auf einem begrenzten Schauplatz  entfaltet sich O’Fallons Gangster-Thriller, der insbesondere durch seine „Whodunit“-Erzählstrukturen permanent an Spannung gewinnt.

Die schwarzhumorige, bissige Seite der Geschichte sowie die auf den Punkt gebrachten Dialoge gelingen dabei ebenso perfekt wie der Soundtrack des Films. Letzterer kommt sehr abwechslungsreich und den jeweiligen Szenen stets angemessen und passend daher und besitzt etwas Zeitloses.

Their plan was perfect. They were not.

Davon abgesehen lebt der Film jedoch vor allem von der herausragenden Besetzung.
Während der Spruch „Their plan was perfect … they weren’t“ somit die Figuren im Film durchaus treffend beschreibt, trifft dies auf die schauspielerische Leistung mitnichten zu.

Die Schauspieler, hier noch teils wahre Youngsters, verleihen ihren Charakteren zunehmend Profil und füllen die ihnen zugeteilten Rollen grandios aus.

Trotz der guten Arbeit dieser einstigen „Nachwuchshelden“ sticht allerdings Christopher Walken stets positiv heraus. Ihm das Wasser zu reichen, fällt nur den Figuren im wörtlichen Sinne leicht. Obschon seine Gestik durch die Fesselung an einen Stuhl sehr eingeschränkt ist, wird diese minimale Bewegungsmöglichkeit dennoch ausgereizt. Mehr noch spielt die Mimik stellvertretend eine große Rolle – und auch (oder vor allem) diesbezüglich liefert Walken kritiklos ab. Seine ihm zugeschriebenen Dialoge und Sprüche tun ihr Übriges dazu, um für beste Unterhaltung zu sorgen. Brillant!

Bonusmaterial

Sehen lassen kann sich auch das umfangreiche Bonusmaterial der Mediabook Edition.
Neue Interviews in HD (optional mit deutschen Untertiteln), alternative Enden (mit Regiekommentar) oder ein Blick hinter die Kulissen inklusive eines Sound-Design-Features sorgen für eine weitere 110-minütige Unterhaltung.

Darüber hinaus begibt sich Medien- und Filmwissenschaftler Stefan Jung in seinem im Booklet befindlichen Artikel „Das Todesspiel“ auf „Spurensuche mit Peter O’Fallons Suicide Kings (1997)“ und liefert interessante und informative Ansichten und Einblicke.

Fazit

Ob Tempo, Look, Erzählweise, Spannungsbogen, Atmosphäre, Witz, Charme oder Soundtrack – hier stimmt einfach alles.

Als gefesselte Geisel entfacht Christopher Walken sein meisterliches Können in „Suicide Kings“. (Copyright: Turbine Medien)

Abseits des action- und effektlastigen Mainstream sorgte Peter O’Fallon mit „Suicide Kings“ für eine – zu lange unterschätzte – Bereicherung im Genre, die durch eine großartige Besetzung veredelt wurde.
Mit seinem Stilmix, der sich an Elementen des Dramas, der Comedy, der Mystery und des Thrillers bedient, wandelte er auf den Spuren eines Tarantino und kann auch (oder gerade) heutzutage damit überzeugen.

Wem dieser kultige Thriller mit derbem Humor bislang entgangen ist, sollte sich diesen bislang stiefmütterlich behandelten Film spätestens jetzt mit der 2-Disc-Mediabook Edition ins Haus holen. Er kann sich – nicht zuletzt als Blu-ray-Weltpremiere – definitiv sehen lassen!

 

Trailer

Handlung

Nimm keinen Gangster als Geisel!

Fünf Yuppies kidnappen Mafioso Carlo Bartolucci (Christopher Walken). Mit ihm wollen sie eine entführte Freundin freikaufen. Der aalglatte Carlo ahnt, dass einer ein Verräter ist, und sät Zwietracht. Derweil sucht sein brutaler Handlanger Lono (Denis Leary) die Täter. Es entsteht ein geniales Katz-und-Maus-Spiel.

Die Mediabook-Edition bietet den Film auf Blu-ray + DVD sowie das Buchteil „Das Todesspiel“ von Stefan Jung.

(Quelle: Turbine Medien)

Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Turbine Medien
Erscheinungstermin: 21.02.2020
Produktionsjahr: 1997
Spieldauer: 107 Minuten
Extras: Neue Interviews in HD (optional mit dt. Untertiteln) mit Regisseur Peter O’Fallon, Drehbuchautor Wayne Allan Rice & Peter O’Fallon, Kameramann Christopher Baffa, Cutter Chris Peppe / Alternative Enden mit Regie-Kommentar / Storyboard-Film-Vergleich / Hinter den Kulissen (PiP) / Trailer (US) mit Regie-Kommentar / TV-Spot (US) / Kinotrailer (D in HD) / Audiokommentar von Peter O’Fallon & Wayne Allan Rice / Buchteil „Das Todesspiel“ von Stefan Jung

Copyright Cover: Turbine Medien



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde