Review

In den 1950er Jahren im idyllischen Suburbicon ist die Welt – rein oberflächlich betrachtet – in bester Ordnung: Die beschauliche Vorstadt funkelt, die Sonne scheint gefühlt 24 Stunden am Tage und selbst der örtliche Postbote überbringt seine Sendungen mit einem Dauergrinsen. Auch bei der ansässigen Familie Lodge scheint das Glück zu Hause zu sein. Doch der Schein trügt. Hinter der perfekten quietschbunten Fassade verbirgt sich die hässliche Fratze einer verdorbenen Gesellschaft.

Der tüchtige Anzugträger Gardner Lodge (Matt Damon), seine im Rollstuhl sitzende Ehefrau Rose (Julianne Moore) und deren gemeinsamer Sohn Nicky (Noah Jupe) werden eines Tages von zwei Männern überfallen und mit Chloroform betäubt. Rose wacht allerdings nach dem Einbruch nie wieder auf. Gardner mimt kurzzeitig den trauernden Ehemann. Zu seinem Glück ist er nicht lange allein, denn Roses Zwillingsschwester, seine Schwägerin Margaret (natürlich ebenfalls Julianne Moore) zieht prompt ein, um die Familie wieder zu komplettieren. Nicht nur Sohnemann Nicky wird ob dieser Geschehnisse misstrauisch, sondern auch einem besonders findigen Versicherungsvertreter (Oscar Isaac) kommt die Story äußerst spanisch vor.

Unterdessen ist auch die erste schwarze Familie (Karimah Westbrook, Leith M. Burke, Tony Espinosa) in das weißer als weiße Suburbicon gezogen und bewohnt das Haus neben der Familie Lodge. Das bringt den dörflichen Mob zum Toben …

Mit „Suburbicon – Willkommen in der Nachbarschaft“ hat sich der Regisseur George Clooney (bisher sind etwa noch „Good Night, and Good Luck“, „The Ides of March – Tage des Verrats“ oder „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“ unter dessen Regie entstanden) ein Originaldrehbuch der legendären Coen-Brüder Joel und Ethan („Fargo“, „The Big Lebowski“, „No Country for Old Men“) geschnappt, welches diese bereits im Jahre 1986 geschrieben haben. Das Projekt wartete dann jedoch jahrelang im Schreibtisch, bis Clooney und Grant Heslov das Drehbuch überarbeiteten und den Plot nicht nur zeitlich von den 1980er in die 50er Jahre verlagerten, sondern auch den Handlungsabschnitt um die schwarze Familie Mayers komplett hinzudichteten. Da die Coens schon mehrfach gelungen mit Clooney zusammengearbeitet haben („O Brother, Where Art Thou?“, „Ein (un)möglicher Härtefall“, „Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger?“, „Hail, Caesar!“), durfte der geneigte Cineast hier berechtigterweise hohe Erwartungen haben.

Und auf der Habenseite steht: Die musikalische Untermalung von Alexandre Desplat passt wunderbar, Kostüme und Setting fangen die 50er Jahre-Optik ein und der Film ist vor allem mit Julianne Moore („Hannibal“, „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“), Matt Damon („Interstellar“, „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“) und Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis“, „Star Wars: Die letzten Jedi“) bestens besetzt. Wenn der Name der Coen-Brüder irgendwo auftaucht, dann ist das nach wie vor – gleich einem Tarantino – ein gewaltiger Starmagnet

Matt Damon spielte erst neulich in „Downsizing“, wofür er etwas an Gewicht zulegte und gerade derart passt er noch besser in das Bild des biederen Otto Normalverbrauchers, während Julianne Moore im Grunde annähernd jede Rolle spielen kann, die ihr angeboten wird, und hier lustvoll die zwielichtige, undurchsichtige Vorstadt-Frau gibt. Isaac hat leider recht wenig Screen Time, aber schafft es dennoch das Rampenlicht – ein Stück weit – zu stehlen. Auch die weiteren Nebenrollen sind durchgehend mit technisch versierten Darstellern besetzt.

Trotz all dieser Umstände gelingt es Clooney nicht, „Suburbicon – Willkommen in der Nachbarschaft“ als eine schwarze Komödie à la Coen-Brüder zu inszenieren. Der Gesamteindruck will nicht so recht überzeugen. So ist der Film leider überwiegend düster und verfügt nicht über den für einen solchen Film, vor allem die Versicherungsgeschichte, hilfreichen (oder gar nötigen) Coen-typischen Humor; lediglich hier und da blitzt – unter finsteren Umständen – Situationskomik auf. Problematisch ist auch, dass der generische Plot äußerst vorhersehbar ist.

Matt Damon spielt Gardner Lodge in „Suburbicon – Willkommen in der Nachbarschaft“ (Copyright: Concorde Home Entertainment)

Ferner gelingt es nicht, den zweiten Handlungsstrang um die erste farbige Familie der Nachbarschaft harmonisch in den Film zu integrieren. Die Familie Mayers bekommt viel zu wenig Zeit, bleibt durchgehend blass und in der Opferrolle. Sie dient insgesamt einzig dazu, dem Film noch zusätzlich einen politischen Stempel zu verpassen und zu verdeutlichen, dass Rassismus damals wie heute – zeitlos – hässlich ist. Man kann also sagen, der Seitenstrang um die afroamerikanische Familie herum, der auf einer wahren Begebenheit beruht, behandelt ein nobles Anliegen – allein, er lässt sich nicht adäquat mit dem restlichen Film verschmelzen.

Gerade weil der letzte Film der Coens mit „Hail, Caesar!“ schon wieder knapp zwei Jahre zurückliegt, durften Fans hier auf Nachschlag aus den – grundsätzlich – fähigen Händen von George Clooney hoffen. Dieser übernimmt sich hier jedoch mit vielen gut gemeinten Ideen, worüber er den Ton und Humor seiner recht simpel gelagerten Geschichte vernachlässigt. Am Ende des Tages kann man seine Kriminalkomödie daher leider nur als Enttäuschung bezeichnen.

Trailer

Inhalt

Bitterböse und ultracool: Von den Coen-Brüdern erfunden, von George Clooney ins Leben gerufen

Willkommen im sonnigen Suburbicon, einer Vorstadtgemeinde mit immerwährend glücklichen und jungen Familien mitten im Herzen von Amerika!

Immerwährend glücklich? Der erste Fleck in der adretten Vorstadt zeigt sich, als Familie Mayers einzieht – denn die, so ist man sich einig, gehört nun wirklich nicht hierher. Gleichzeitig wird das Leben der Familie Lodge, die ein wichtiger Pfeiler der Gemeinde ist, auf den Kopf gestellt, als ein Einbruch in ihrem Haus eskaliert und zum Tod der Mutter führt. Der zweite Fleck im idyllischen Suburbicon. Die Lodges geraten daraufhin in einen Strudel ungewöhnlicher und höchst verdächtiger Ereignisse …

(Quelle: Concorde Home Entertainment)

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Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Concorde Home Entertainment
Erscheinungstermin: 22.03.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 105 Minuten
Extras: Featurettes / Trailer / Programmtipps / Wendecover

Copyright Cover: Concorde Home Entertainment



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)