Review

Kristina Ohlsson im Heimkino

Mit „Stockholm Requiem“ schafft es erneut eine Romanvorlage als Serienadaption in die Heimkinos.

Basierend auf den Bestsellern der Autorin Kristina Ohlsson lassen die Regisseurinnen Karin Fahlén und Lisa Ohlin ihre Zuschauer teilhaben an fünf Fällen, denen sich das Ermittlertrio, bestehend aus Fredrika Bergman (Liv Mjönes), Alex Recht (Jonas Karlsson) und Peder Rydh (Alexej Manelov), stellen muss.

Der Klappentext verheißt:

„Stockholm Requiem“ ist in bester Nordic-Noir-Manier düster inszeniert, gewährt darüber hinaus aber auch besonders tiefe Einblicke in die Gefühlswelt der Ermittler.

Was sich zunächst danach anhört, als hebe sich die Veröffentlichung durch besondere Weise von anderen Genre-Mitstreitern ab, entpuppt sich schon bald als ein Wiederkäuer bekannter Zutaten des Genres.

Beginnend mit einer zunächst ungewollten weiblichen Kollegin, die sich letztlich (und sehr vorhersehbar) – durch leider doch eher stereotypes Verhalten – als unersetzbar für das Team erweist, vermittelt bereits der Beginn der Serie einen gewohnten Anblick.

Tatsächlich sind auch die angekündigten „tiefe(n) Einblicke in die Gefühlswelt der Ermittler“ aus anderen Krimi-Produktionen bekannt, wenngleich sie in „Stockholm Requiem“ viel Raum einnehmen. Indem der Fokus stark auf der Charakterzeichnung und der emotionalen Ebene des Ermittlerteams liegt, rutschen die – eigentlich guten und sich auf bedrückende Weise zuspitzenden – Kriminalfälle allerdings gerne mal zu sehr in den Hintergrund.

Zeitsprünge und Leerstellen

Zwischen diesen einzelnen Fällen (aufgeteilt auf jeweils eine separate Folge) liegen außerdem enorme Zeitsprünge. So ereignen sich die Fälle mit einem Abstand von einem Jahr. Über die Geschehnisse in diesem Zeitraum wird der Zuschauer nicht detailliert informiert, vielmehr arbeitet man hier mit Leerstellen, die durch den Kontext und das Gedankenspiel der Zuschauer gefüllt werden. Ist in einer Episode somit noch von der Unfruchtbarkeit einer Figur die Rede, ist sie in einer weiteren Folge bereits hochschwanger und in einer nächsten schon Mutter eines Kleinkindes.
Die „Befindlichkeiten“ der Figuren sind damit zwar ersichtlich; oftmals platziert man die Gründe (z.B. eine Scheidung) dafür jedoch in den nicht gezeigten Zeitraum.

Eine Vielzahl bekannter Gesichter

Zudem werden einige Charaktere derart reduziert gespielt, dass permanent eine Distanz zwischen ihnen und den Zuschauern bestehen bleibt. Dadurch erscheinen ihr Verhalten und ihre Handlungsweisen stellenweise sehr undurchsichtig, während die Fokussierung auf die emotionale Ebene der Figuren zu häufig wirkungslos bleibt.

Angesichts der namhaften Besetzung der Rollen durch eine Vielzahl bekannter Gesichter aus der (Krimi-)Fernsehlandschaft, dürfte dies nicht am schauspielerischen Können liegen, sondern vielmehr so gewollt inszeniert sein. Denn Akteure wie u.a. Liv Mjönes („Modus“, „Stockholm Ost“), Jonas Karlsson („Kommissar Beck“), Alexej Manvelov („Hanna Svensson – Blutsbande“), Magnus Roosmann („Modus“), Mikael Birkkjær („Die Brücke“, „Kommissarin Lund“), Thomas Levin („The Team“), Joel Spira („Blutsbande“) oder Jessica Liedberg („Greyzone“) leisten eine gute Arbeit, die jedoch noch besser zum Ausdruck gekommen wäre, hätte man den angestrebten Tiefgang der Figuren nicht zu oft in die erwähnten Leerstellen verbannt.

Das Ermittlertrio in „Stockholm Requiem“ (Copyright: Edel:Motion)

Im wahrsten Sinne düster

Der versprochenen düsteren Inszenierung in Nordic-Noir-Manier wird man in „Stockholm Requiem“ hingegen mehr als gerecht. Während dies der Atmosphäre durchaus zugutekommt, meint man es an anderer Stelle ein wenig zu gut, indem die Düsternis teils derart finster ausfällt, dass – unlogischerweise – selbst im Dunkeln ermittelt und untersucht wird.

Fazit

Was bleibt, ist ein gemischter Eindruck von „Stockholm Requiem“. Die erahnbaren guten Ansätze verpuffen leider oft oder greifen auf bewährte Genre-Zutaten zurück. Eine innovative Herangehensweise bzw. Umsetzung sowie ein dadurch entstehendes Nordic Noir Highlight bleiben daher aus. Da der Drama-Thriller-Serie außerdem mehr Drama als Thrill zugeschrieben wird, das jedoch nicht wie erhofft bei den Zuschauern ankommt, schneidet die Produktion mit der ersten Staffel zunächst eher nur durchschnittlich ab.

Trailer

Handlung

Nach einem tragischen Unfall nimmt die studierte Kriminologin Fredrika Bergman (Liv Mjönes) eine Stelle bei einer Sondereinheit der Stockholmer Polizei an. Als sogenannte „Zivilistin“ wird sie von ihren Kollegen nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Doch Fredrikas Intellekt und ihre andere Sicht auf die Dinge erweisen sich als äußerst hilfreich, um die grausamen Verbrechen aufzuklären. So wird sie mit der Zeit zu einem akzeptierten und wertvollen Mitglied der Einheit um Teamleiter Alex Recht (Jonas Karlsson) und Peder Rydh (Alexej Manvelov).

Die Fälle, mit denen die Spezialeinheit konfrontiert wird, zeigen die Schattenseiten Stockholms – eine Realität, die von roher Gewalt und fehlender Moral geprägt ist. Sie handeln von Menschen, die Opfer unvorstellbarer Schicksalsschläge wurden, und Rache scheint für sie der einzige Ausweg zu sein.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

01 Aschenputtels Geheimnis
02 Blutspur
03 Paper Boy
04 Sterntaler
05 Auge um Auge

Details

Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 24.05.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 450 Minuten
Extras: Heimkino-Highlights

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde