Review

Nach knapp zwei Jahren kehrt die Krimi-/Thriller-Serie „Springflut“ mit „Springflut – Staffel 2“ ins Heimkino zurück. Doch anders als in der vorherigen Staffel schlägt sie dabei nicht allzu große Wellen.

Während sich die neuen fünf Episoden, verteilt auf drei DVDs, mit zwei Fällen an zwei Schauplätzen inhaltlich viel vorgenommen haben, ist der Zuschauer zunächst damit beschäftigt, erneuten Zugang zur Serie zu finden. Denn nur mäßig wird mit der ersten Folge ein Anschluss an die erste Staffel der Nordic Noir Produktion, diesmal nach dem Roman „Die dritte Stimme“ des Autorenpaares Cilla und Rolf Börjlind, gefunden.

Zwar werden die Geschehnisse rund um die Hauptfiguren nahtlos weitergeführt, entsprechend stößt man auf vertraute Gesichter und auf die bekannte wie stimmungsvolle Titelmusik von Johan Söderqvist; auf Hintergrundinformationen, die dem Reinkommen förderlich wären, muss man allerdings erst einmal verzichten.

Um im weiteren Verlauf am Ball bleiben zu können – eine Notwendigkeit angesichts der zunehmenden Komplexität und Verstrickung der einzelnen Handlungsebenen -, sorgen dafür aber kurze Rückblicke vor jeder weiteren Folge für kompakte Zusammenfassungen.

Zwischen Stockholm und Marseille

So geht es binnen der Gesamtlaufzeit von 441 Minuten mal nach Stockholm, mal nach Marseille.
Die sich mehr und mehr ergebenen Zusammenhänge der beiden unterschiedlichen Fälle an diesen verschiedenen Schauplätzen bleiben lange Zeit unklar und wirken über weite Strecken bisweilen zu konstruiert. Dabei sind die Elemente, die in „Springflut – Staffel 2“ zum Einsatz kommen (darunter u.a. die Nebenhandlungen rund um das Privatleben der einzelnen Charaktere, die Mordfälle als solche und auch die Figurenausarbeitungen) für sich genommen jedoch sehr gut. Schade, dass die Zusammenführung all dieser „Zutaten“ nicht immer ganz plausibel und schlüssig erfolgt.

Klarer Minuspunkt: Untertitel

Darunter leidet dann auch die Spannung. Jene sowie die Atmosphäre sind zwar ausreichend vorhanden, erfahren allerdings immer wieder einen Abbruch. Störend wirkt in diesem Zusammenhang vor allem die Untertitelung der Szenen in Marseille. Während in diesen Sequenzen ausnahmslos Französisch gesprochen wird, klären deutsche Untertitel all jene Zuschauer über das Gesagte auf, die dieser Sprache nicht ganz mächtig sind. Um den Untertiteln jedoch folgen zu können, bedarf es sowohl eines schnellen Lesetempos als auch sehr guter Augen. Denn viel zu schnell geschieht das Ein- und Ausblenden; noch dazu ist die Schriftgröße in weißer Farbe äußerst klein. Ein klarer Kritikpunkt.

Besonders überzeugend: Kjell Bergqvist

Ganz ohne Kritik kommt das Spiel von Kjell Bergqvist in seiner Rolle als Tom Stilton aus. Er mimt hervorragend den eigenbrötlerischen, kauzigen Charakter und sticht besonders positiv hervor.

Kjell Bergqvist überzeugend als Tom Stilton in „Springflut – Staffel 2“ (Edel:Motion)

Auch Julia Ragnarsson als angehende Polizistin Olivia Rönning erhält wieder viel Screentime. Ihr Handeln ist allerdings nicht immer nachvollziehbar. So wundert es zum Beispiel, dass die Polizistin in spe die meiste Zeit kaum etwas hinsichtlich ihrer Ausbildung zu tun zu haben scheint und vielmehr sporadisch hier und da – und nicht zuletzt oft auf eigene Faust – ermittelt. Das erscheint unglaubwürdig und stellt die Funktion ihrer Rolle zuweilen infrage.

Fraglich ist außerdem, ob „Springflut – Staffel 2“ nicht Kürzungen gegen Ende gutgetan hätten, zieht sich die Handlung am Schluss doch sehr. Immerhin halten sich dabei teils vorhersehbare Geschehnisse und überraschende Wendungen solide die Waage, sodass der Zuschauer auch bis zum Staffelfinale den Folgen aufmerksam folgt bzw. folgen möchte.

Fazit

Trotz der genannten Kritikpunkte, die mitunter dafür sorgen, dass „Springflut – Staffel 2“ seine Sogwirkung auf die Zuschauer verliert, ist man im Anschluss auf eine dritte Staffel gespannt. Die schließt dann hoffentlich wieder an die Stärken der ersten Staffel an.

 

Handlung

Einige Monate nach den schockierenden Erkenntnissen über ihre wahre Herkunft kehrt Olivia Rönning von einem Selbstfindungstrip aus Mexiko zurück. Als die angehende Polizistin zufällig am Haus des Zollbeamten Bengt Sahlman vorbeikommt, läuft ihr dessen Tochter Sandra panisch in die Arme, die kurz zuvor Bengts Leiche entdeckt hatte. Schnell kann die Polizei Selbstmord ausschließen – obwohl zunächst alles darauf hindeutete. Doch warum musste er sterben?

Zur selben Zeit wird in Marseille eine blinde Frau brutal ermordet. Als Abbas el Fassi in einer französischen Zeitung ein Bild des Opfers sieht, ist er erschüttert. Denn es handelt sich um die Liebe seines Lebens. Kurzerhand beschließt Abbas, der Sache vor Ort auf den Grund zu gehen und bittet Tom Stilton um Hilfe.

Zwei Fälle, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben – zwei Morde, an deren Aufklärung Polizeianwärterin Olivia Rönning und der ehemalige Kriminalkommissar Tom Stilton ein jeweils ganz privates Interesse haben – und eine unerwartete Entdeckung, die bittere Wahrheiten offenbaren wird …

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

DVD 01
01 Verhängnisvolle Verbindungen
02 Marseille sehen und sterben

DVD 02
03 Kriminelle Machenschaften
04 Mord auf Värmdö

DVD 03
05 Bittere Wahrheiten

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 08.11.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 441 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde