Review

Science-Fiction >in echt<

Mit seinem Dokumentarfilm „Spaceship Earth“ begibt sich Regisseur Matt Wolf auf die Spuren ganz realer Science-Fiction. Er widmet sich ausgiebig, d.h. auf einer Gesamtlänge von ca. 110 Minuten, dem Experiment „Biosphere 2“ und greift dabei bedeutende Themen unserer Zeit auf wie etwa Klimawandel und Nachhaltigkeit.

Was ist die Biosphäre 2?

Biosphäre 2 (engl. Biosphere 2) ist ein Gebäudekomplex in Arizona, USA, der 1991 mit dem Ziel erbaut wurde, ein von der Außenwelt unabhängiges, in der ursprünglichen Planung sich selbst erhaltendes Ökosystem zu schaffen. Das Experiment sollte beweisen, dass in einem eigenständigen, geschlossenen ökologischen System Leben langfristig möglich ist.

Es gilt nach zwei erfolglosen Versuchen als gescheitert. Seit 2007 benutzt die University of Arizona den Komplex für Forschung und Lehre.

(Quelle: Wikipedia)

So machten sich also 1991 acht WissenschaftlerInnen für zwei Jahre auf, um letztlich zu lernen, wie es wäre, wenn die Menschheit in einer tragbaren Welt auf einen anderen Planeten ziehen müsste. Beobachtet von der ganzen Welt schirmten sich die besagten Versuchspersonen von der Außenwelt ab und begaben sich in die riesige Kuppel, die als Nachbau des Ökosystems der Erde fungieren sollte.

Matt Wolf zeigt auch, wie schon nach kurzer Zeit der ökologische Kollaps drohte, geht aber zunächst 25 Jahre zurück in die Vergangenheit und damit zu den Biografien der ErfinderInnen von „Biospäre 2“.

Wie alles begann

Dieser Rückblick, unterfüttert mit original Bild- und Videomaterial, ist zwar phasenweise sehr interessant, hat aber mit der Durchführung des eigentlichen Experiments rund um den Prototypen für Kolonien im Weltraum nur wenig bis gar nichts zu tun.
Obschon diese Stelle der Dokumentation nicht die spannendste ist, werden immerhin die Gründe für den Bau der Biosphäre dadurch klarer und die Urheber, allen voran John P. Allen, den Zusehenden nähergebracht.

Jene kommen hier auch persönlich in integrierten Interviews zu Wort, in denen ihnen die Leidenschaft und Liebe zu ihren Projekten deutlich anzumerken ist. Von ihrer Synergia Ranch, einem Ökodorf, das 1969 von John P. Allen und Marie Harding gegründet wurde, bis hin zur Biosphäre 2, dem ihren Wortlaut nach „abenteuerlichsten und wichtigsten Experiment der Menschheit“ – immer stehen auch die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Fokus ihres Tuns. So wirkt „Spaceship Earth“ nicht nur sehr zeitlos, sondern auch zeitaktuell.

Zum eigentlichen Kern der Doku

Liegt die Rückschau dann hinter einem, geht es endlich um das, was der Titel der Dokumentation verspricht.

Die WissenschaftlerInnen des Experiments „Biosphäre 2“, zu sehen in der Doku „Spaceship Earth“. (Copyright: Koch Films)

Gespickt mit diversen originalen Nachrichtenbeiträgen von 1991 (immerhin weckte „Biosphere 2“ national und international großes Interesse) und weiteren (nicht überarbeiteten) Originalaufnahmen (die Bildqualität ist also der damaligen Zeit entsprechend), erhält man einen umfassenden Einblick in den Ablauf des Experiments, die Arbeiten innerhalb der Kuppel, das dortige Leben und die Aufgaben der WissenschaftlerInnen sowie in ihre „alltäglichen“ Probleme. Zudem werden letztlich auch die Gründe für das Scheitern des Experiments dargelegt.

Verfolgt von Fernsehkameras und sehr schnell zudem vermarktet, sahen einige in diesem Experiment einen Durchbruch, andere hingegen ausschließlich ein Showevent. Matt Wolf berichtet diesbezüglich wertfrei, sodass sich die ZuschauerInnen eine eigene Meinung bilden können. Gleiches gilt für die Erkenntnisse, die man aus dem Experiment gewann.

Fazit

Regisseur Matt Wolf holt weit aus, bis er zum Kern seiner Dokumentation kommt. So informativ und für die Hintergründe wichtig dies auch ist, so langatmig und langweilig mag es für manch eine/n Zuschauer/in wirken. Die Schilderungen des eigentlichen Experiments geraten dafür jedoch umso interessanter und fallen insbesondere durch die eingefügten Interviews und Originalaufnahmen sehr lebhaft aus. Wer sich für die Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Expeditionen zu anderen Planeten erwärmen kann, wird hier zwar nicht lobenswert bedient, aber dennoch über weite Strecken informativ unterhalten.


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Trailer

Inhalt

„Die Zukunft ist hier!“

1991 beobachtet die ganze Welt ein Experiment: Acht visionäre Wissenschaftler schirmen sich von der Außenwelt komplett ab und begeben sich in eine riesige Kuppel, die als Nachbau des Ökosystems der Erde fungieren soll. Doch schon nach kurzer Zeit droht der ökologische Kollaps und der ambitionierte Versuch wird zur Lebensgefahr.

Regisseur Matt Wolf schafft es mit seiner Doku spielerisch, über wichtige Themen unserer Zeit wie Klimawandel und Nachhaltigkeit zu reflektieren.

(Quelle: Koch Films)

Details

Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DTS-HD Master Audio 5.1
Bildseitenformat: 1.78:1 (16:9)
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 26.08.2021
Produktionsjahr: 2020
Spieldauer: ca. 110 Minuten
Extras: Audiokommentar mit Regisseur Matt Wolf / Doku: Man Earth and the Challenges / Odyssey Opening / Trailer

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde