Review

Manga-Fans werden sie kennen, die Reihe von Leiji Matsumoto über den Weltraumpiraten Captain Harlock, die in den Jahren 1977-1979 erschienen ist und die Grundlage diverser Anime-Serien und Filme bot.

Auch das Studio Toei Animation, bekannt u.a. für „Dragon Ball Z“ und „Sailor Moon“, nahm sich 2013 den Anime-Klassiker vor und erschuf mit „Space Pirate Captain Harlock“ eine aufwendig produzierte und visuell beeindruckende, 30 Millionen Dollar teure Computer-Generated Imagery (CGI) Neuverfilmung des Kultmanga, die ab 22. August 2014 sowohl als DVD, Blu-ray, Limited Collector’s Edition und VoD in Deutschland erhältlich ist.

Ein gelungenes und stimmungsvolles Intro führt den Zuschauer dieses japanischen 3D-Animationsfilms in die Hintergründe der Geschichte ein, die neben Science-Fiction-Background und reichlich Action eben auch viele piratentypische Elemente bereithält.

Wer bisher bereits in Computerspielen auf hochwertige und grafisch aufwendige Zwischensequenzen und Animationen stand, bekommt mit „Space Pirate Captain Harlock“ einen opulenten Augenschmaus geboten.

Eine opulente und atmosphärische Kulisse. (Copyright: Universum Film)

Eine opulente und atmosphärische Kulisse. (Copyright: Universum Film)

Aus technischer Sicht ist man mit „Space Pirate Captain Harlock“ auf dem neuesten Stand. Von detailreichen beeindruckenden Schauplätzen, über fantastisch ausgearbeitete Figuren, in deren Mimiken und Gestiken selbst kleinste Emotionen erkennbar sind, bis hin zu dynamisch und völlig natürlich wirkenden Bewegungen – „Space Pirate Captain Harlock“ zieht mit seiner Optik binnen weniger Sekunden den Zuschauer in seinen Bann.
Insbesondere wenn die Figuren nicht in Nahaufnahme, sondern im Kontext ihrer Umgebung agieren, wirken die Bilder sehr real. Alle Liebhaber großer cineastischer Bilder kommen damit voll auf ihre Kosten.

Aber auch inhaltlich wurden sehr viel Arbeit und Leidenschaft in den Film gesteckt.
Sämtliche Charaktere sind ausgesprochen liebevoll angelegt, allen voran natürlich der sympathische Protagonist Captain Harlock mit seiner Mischung aus Emo-, Piraten- und Gothic-Style, der damit durchaus auch einen Reiz auf manchen Cosplayer ausüben wird.

Insgesamt überzeugen aber alle Figuren in ihrer Darstellung. Zwar findet man das eine oder andere Klischee, den weiblichen Rollen fehlt es zudem nicht an Sexyness – dies bleibt jedoch alles in einem der Geschichte angemessenen Rahmen und bietet damit keinen Anlass zu wirklicher Kritik.

Die Crew um Captain Harlock (Copyright: Universum Film)

Die Crew um Captain Harlock (Copyright: Universum Film)

Im Gegenteil – erstaunlich schnell findet man Zugang zu den fast schon real wirkenden Figuren; dies schaffen nicht viele Animationsfilme in dieser Intensität.
Ein Grund dafür mag die bunt zusammengewürfelte Crew um Captain Harlock sein, die man zügig ins Herz schließt.
Natürlich liegt der Fokus auch hier bei einigen ausgewählten Protagonisten, die zudem die eine oder andere Schlüsselrolle übernehmen.

Innerhalb kürzester Zeit wird aber auch deutlich, dass es sich bei „Space Pirate Captain Harlock“ nicht nur um einen herkömmlichen Animationsfilm handelt, der lediglich der belanglosen Unterhaltung dienen soll. Der Film ist inhaltlich gesehen durchaus anspruchsvoll und setzt damit ein gewisses Niveau beim Zuschauer voraus.
Neben der opulenten Optik mit ihren u.a. gigantischen Weltraumkämpfen finden nämlich auch zusätzliche Aspekte in dem spacigen Action-Piratenfilm ihren Platz und fordern die gesamte Aufmerksamkeit des Zuschauers. Abgelenkt von der hervorragenden Visualisierung fällt dies nicht immer leicht. Dies betreffend tangiert „Space Pirate Captain Harlock“ sowohl technische und physikalische als auch moralische, politische, philosophische und ethische Bereiche. All dies spricht schon beinahe für ein mehrmaliges Anschauen.

Aus diesem Grund ist die Altersempfehlung ab 12 Jahren nicht immer nachvollziehbar. Sicherlich, rein optisch wird auch diese Zielgruppe sehr gut bedient. Inwiefern der Inhalt in Gänze jedoch schon für 12-Jährige verständlich ist, ist eher fraglich.

Ist ein Leben auf der Erde doch noch möglich? (Copyright: Universum Film)

Ist ein Leben auf der Erde doch noch möglich? (Copyright: Universum Film)

Über das Ende des Films lässt sich eventuell streiten, ist dieses doch in seiner Auslegung sehr offen geblieben und lässt Raum für eigene Interpretationen. Gerade dies zeichnet „Space Pirate Captain Harlock“ allerdings zusätzlich aus, denn tatsächlich geht er damit über eine reine visuelle Unterhaltung hinaus; vielmehr regt er u.a. durch die zahlreichen ethisch-philosophischen Betrachtungsweisen über das Leben und die Vergänglichkeit zum Nachdenken an. Vor allem die Blume als Metapher jener Themen ist wunderbar poetisch gewählt.

Ich persönlich bin sicherlich nicht diejenige, die in vorderster Reihe steht, wenn es um Mangas, Animes, Science-Fiction oder um sogenannte „Space Operas“, denen Kenner die vorliegende Geschichte um Captain Harlock zuordnen, geht. Umso positiver hat mich der Film „Space Pirate Captain Harlock“ aus der Toei Animationsschmiede überrascht. Binnen kürzester Zeit fesselt dieser den Zuschauer und nimmt ihn mit seiner außergewöhnlichen, einnehmenden Atmosphäre und der visualisierten Liebe zum Detail für sich ein. Es gibt nichts, was man hier hätte besser machen können, auch wenn ein mehrmaliges Anschauen beinahe vonnöten ist, um die vielseitige Handlung mit all ihren unterschiedlichen Charakteren komplett zu verstehen. Dies ist sicherlich ein Punkt, der einige Zuschauer veranlassen wird, meiner Bewertung einen Stern abzuziehen, mich überzeugen die übrigen mehr als gelungenen Aspekte jedoch derart, dass die Höchstpunktzahl nur die Folge sein kann.

Trailer

Inhalt

Gemeinsam mit seiner furchtlosen Crew kämpft Weltraumpirat Captain Harlock zum Wohle der gefährdeten Menschheit gegen die korrupte „Gaia Sanction“, die einen niederträchtigen Plan verfolgt …

Nach dem erfolglosen Versuch, fremde Galaxien zu besiedeln, herrscht seit geraumer Zeit ein unerbittlicher und blutiger Krieg um das Recht auf Rückkehr zur Mutter Erde, die von der unberechenbaren „Gaia Sanction“ regiert wird.

Aber der legendäre Weltraumpirat Captain Harlock und seine Crew rebellieren gegen die skrupellosen Machenschaften der neuen Regierung. Mit ihrem Raumschiff, der „Arcadia“, stellen sie sich gegen den Ministerrat und kämpfen für einen Neuanfang zum Wohle der Menschheit. Die „Gaia Sanction“ sieht dadurch ihre Vormachtstellung bedroht und so schleust Flottenführer Isora seinen Bruder Yama auf die „Arcadia“, um den gesetzlosen Captain Harlock endlich zur Strecke zu bringen. Doch je mehr Zeit Yama an Bord des Raumschiffes verbringt, desto größer werden die Zweifel an seiner Mission und auf welcher Seite er tatsächlich steht.
Hat die „Gaia Sanction“ wirklich nur gute Absichten? Und ist Captain Harlock wirklich so gefährlich wie alle behaupten?

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Japanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH / Toei Animation
Erscheinungstermin: 22.08.2014
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: ca. 110 Minuten (Hauptfilm) / ca. 11 Minuten (Extras)
Bonus: Featurette / Japanischer Originaltrailer / Deutscher Trailer / Wendecover

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde