Review

Science-Fiction oder Kammerspiel?

Bei „Solis“ weiß man am Ende nicht so recht, ob dieses Material tatsächlich in einen 88-Minuten-Film gehört.

Warum die Erzählung rund um die letzten Minuten des Troy Holloway dennoch Genre-Fans begeistern kann, klären wir jetzt.

Die Handlung

Troy Holloway arbeitet in einer nicht ganz entfernten Zukunft für eine Weltraumfirma. Diese baut mithilfe kleiner Raumschiffe Mineralien auf Meteoriten und anderen Himmelskörpern ab. Von den finanziellen Gewinnen beflügelt, werden die Mitarbeiter bis aufs Äußerste angetrieben. Doch es kommt zu einem schwerwiegenden Unfall.

Der einzige Überlebende an Bord dieses Schiffes ist Troy Holloway. Sichtlich lädiert versucht er zu Beginn des Martyriums zunächst die Orientierung wiederzufinden. Seine einzige Hoffnung: Commander Roberts und ihre Crew, die seinem manövrierunfähigen Schiff in einem ebenfalls beschädigten Raumschiff folgen. Allerdings sieht es von Beginn an schlecht aus. Material und Mensch sind nicht nur stark in Mitleidenschaft gezogen, sondern rasen unaufhaltsam auf die Sonne zu.

Nun könnte man als offensichtlich Totgeweihter die Augen schließen, beten und hoffen, dass es schnell vorbei ist. Holloway entscheidet sich allerdings fürs Kämpfen. Angeleitet von Roberts schlägt er sich durch verschiedenste dramatische Situationen … und am Ende?

Tja, sagen wir, das Ende ist gewissermaßen folgerichtig. Doch seien wir ehrlich, bei einer solchen One-Man-Show kommt es nur sekundär darauf an, was unterm Strich dabei rauskommt. Die Frage ist:

Vermag die Darstellung eines einzelnen Schauspielers in einem B-Movie-Set zu unterhalten?

Schauspieler Steven Ogg, einigen vielleicht als Trevor Philips aus dem Spiel „GTA V“ bekannt, gibt hier wirklich alles und überzeugt mit einer ganzen Bandbreite an negativen Emotionen. Fast schon ein Sinnbild der Trauerarbeit: Leugnen, Wut, Schmerz, Bedauern, Akzeptanz. Da sich, abgesehen von wundervollen Weltraumaufnahmen, die gesamte Handlung in dem kleinen Schiff abspielt, steht die persönliche Darstellung permanent im Scheinwerferlicht. Dem wird er hier in allen Belangen gerecht. Im Zwiegespräch offenbart Holloway Teile seiner Persönlichkeit und zeigt seinen Umgang mit dem Unvermeidlichen.

Steven Ogg als One-Man-Show in „Solis“. (Copyright: capelight pictures)

Aber trotz der Hindernisse, die Regisseur und Drehbuchautor Carl Strathie seinem „Opfer“ zwischen die Beine wirft, verläuft „Solis“ absolut gleichförmig, beinahe unaufgeregt. So vermag ein guter Schauspieler allein, der vor allem zwischen den Teilen Einblicke in sein Leben und seine Gefühlswelt gewährt, zumindest meine Konzentration nicht für fast 90 Minuten zu fesseln. Also drifteten meine Gedanken immer mal wieder ab. So oder so hoffte ich, dass die Leiden des mittelalten Holloway auf die eine oder andere Weise bald enden würden.

Die Gretchenfrage bei „Solis“ ist eindeutig, ob der Zuschauer etwas damit anfangen kann, ohne großartigen Zeitraffer, übermäßige Actionsequenzen oder auch nur weitere Schauspieler die Geschichte von Holloway zu hören.

Typisches B-Movie

Dass es sich darüber hinaus um ein typisches B-Movie handelt, Kulisse und Soundtrack also kein Hollywood-Niveau haben, fällt dabei nicht ins Gewicht. Eigentlich lässt sich der Soundtrack sogar ganz gut hören. Über die lädierte Schaufensterpuppe, die einen toten Kollegen unseres tragischen Helden verkörpern soll, hüllen wir hingegen den Mantel des Schweigens.

Fazit

Im Ergebnis ist „Solis“ auf eine tragisch-dramatische Geschichte reduzierbar, die nun eben im Sci-Fi-Kontext stattfindet. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, vermutlich ist es den meisten Filmfans im Ergebnis zu wenig. Begeistern könnte der Film aber Drama-Fans. Versuch macht klug!

Trailer

Inhalt

Der Astronaut Troy Holloway (Steven Ogg) erwacht an Bord einer Raumkapsel. Schnell weicht die anfängliche Orientierungslosigkeit blanker Panik: Er ist der einzige Überlebende, sein Schiff ist fast manövrierunfähig und rast unaufhaltsam auf die Sonne zu. Nur eine instabile Funkverbindung verschafft ihm Kontakt zu einem weit entfernten Rettungsteam, das von Commander Roberts (Alice Lowe) angeführt wird. Die Chancen, dass es rechtzeitig bei ihm eintrifft, sind jedoch verschwindend gering – wenn Holloway nicht bald etwas einfällt, wird er in dem riesigen Feuerball verglühen.

(Quelle: capelight pictures)

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 21.12.2018
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 88 Minuten

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer