Review

Mit „So was von da“ kreiert Regisseur Jakob Lass die filmische Adaption des gleichnamigen Romans von Tino Hanekamp, die nun als DVD, Blu-ray und digital für das Heimkino erscheint.

Und „So was von da“ sollte auch der Zuschauer sein, denn ihm wird mit dem Film viel abverlangt.

Innovatives Konzept mit Folgen

In ähnlich abgehackter Erzählform des Romans versucht Jakob Lass auch seinen Film zu inszenieren. Dabei bedient er sich einem innovativen Konzept: Er improvisiert. Gedreht wurde daher – statt vor künstlichen Kulissen – in einem echten Hamburger Club, während die Schauspieler keinem konventionellen Drehbuch folgen mussten.

Entsprechend reihen sich teils verstörende, teils surreale und permanent hektische Bildfolgen analog zu den dargestellten Partyexzessen aneinander, die vor schrillen Farben und Lärm strotzen.
Markante Schnitte sorgen indes für eine Dynamik, die den Zuschauer zuweilen leicht überfordern kann und es erschwert, den roten Faden und die Aussagen des Films nicht aus dem Blick zu verlieren.

Was im literarischen Format gut funktioniert, stellt in der Filmversion beinahe alle vor eine Herausforderung. So wundert es nicht, dass die filmische Umsetzung mitsamt ihren episodenhaften Momentaufnahmen zuweilen gewollt amateurhaft wirkt und alles in allem sehr anstrengend zum Anschauen ist.

Illustrer Cast

An den schauspielerischen Leistungen als solche liegt dies jedoch nicht.

Neben vielversprechenden Nachwuchstalenten wie Niklas Bruhn, Matthias BloechMartina Schöne-Radunkski, David Schütter (zuletzt in „Werk ohne Autor“ oder „4 Blocks“) und Tinka Fürst, die allesamt gute Repräsentanten der Generation Y mimen, trifft man ebenso auf bekanntere Gesichter wie Corinna Harfouch oder Bela B., die ihre Sache ebenfalls gut – und im improvisierten Rahmen authentisch – machen.

Nichtsdestotrotz findet der Zuschauer kaum Zugang zu den Figuren. Das Identifikationspotenzial hält sich durch überzogene Darstellungen in Grenzen und auch auf empathischer Ebene bleiben erwünschte Wirkungen aus, da insbesondere das Innenleben der Hauptfigur namens Oskar lediglich erahnbar bleibt.

Diese agiert in „So was von da“ durch Schauspieler Niklas Bruhn nicht nur vor der Kamera, sondern auch durch Voice-over-Passagen aus dem Off. Genau jene Sequenzen reißen den Zuschauer jedoch des Öfteren aus dem Film. Anstatt die Rolle erklärender Worte einzunehmen, die eventuell die Distanz zwischen Zuschauern und Figur überwinden könnten, wirken sie in der Mehrheit eher störend.

Filmische Kunst

Mit fortschreitender Laufzeit des Films (insgesamt steckt sich jener auf 91 Minuten und kommt dabei nicht ohne Längen mit fehlender Handlungsrelevanz aus) verliert der Zuschauer zunehmend das Interesse.

Nina (Martina Schöne-Radunkski) und Oskar (Niklas Bruhn) in „So was von da“ | Copyright: DCM

Was die deutsche Filmlandschaft ganz offensichtlich auf innovative, filmisch-provokative und kunstvolle Weise bereichern soll, verliert sich mehr und mehr in der dargebotenen Kunst selbst.
Inhaltliche Aussagen bleiben auf der Strecke, eine Art „Underground-Doku-Charme“ nimmt zu und die gezeigten Ereignisse, welche auf 24 Stunden komprimiert sind, erscheinen nicht zuletzt durch logische Ungereimtheiten mitunter zu gedrängt, unglaubwürdig, abstrakt oder gar absurd. Da macht es dann auch schon nichts mehr, dass einige Dialoge im Club-Sound komplett untergehen.

Musik als Ausdruck des Lebensgefühls des Romans

Doch apropos Club-Sound: Der Soundtrack des Films fällt sehr abwechslungsreich und passend aus. Stilistisch schaut man hier über den Tellerrand und kann durch abermaliges Underground-Flair immerhin musikalisch ein gewisses Lebensgefühl des Romans verdeutlichen.

Was am Ende bleibt

Am Ende bleiben die Fragen: Was will uns „So was von da“ sagen? Und an welche Zielgruppe möchte sich der Film richten?
Konkretere Antworten darauf wären definitiv wünschenswert gewesen.

Trailer

Handlung

Hamburg, St. Pauli, Silvester. Oskar Wrobel betreibt einen Musikclub in einem alten Krankenhaus am Ende der Reeperbahn. Sein Leben war ein Fest. Doch jetzt sieht es aus, als ob es zu Ende wäre. Denn während in den Straßen von St. Pauli die Böller explodieren, laufen die Vorbereitungen für die große Abrissparty – der Club muss schließen. Oskar hat Schulden und keine Ahnung, was aus ihm werden soll. Zum Glück bleibt ihm kaum Zeit, darüber nachzudenken, denn ein verzweifelter Ex-Zuhälter stürmt seine Wohnung, sein bester Freund Rocky zerbricht am Ruhm, die lebenslustige Nina malt alles schwarz an, im Club geht’s drunter und drüber, und dann sind da noch der tote Elvis, die Innensenatorin und — Mathilda, Mathilda, Mathilda.

(Quelle: DCM)

So was von da – Facebook
So was von da – Instagram

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1)
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: DCM / Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 25.01.2019
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 91 Minuten

Copyright Cover: DCM



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde