Review

Familiäre Bande

In seinem Film Shoplifters – Familienbande“ verhandelt Regisseur und Drehbuchautor Hirokazu Koreeda zentral die Frage Was macht eine Familie aus?“. Dabei setzt er sich mit sozialen und gesellschaftlichen Missständen auseinander und widmet sich einer kleinkriminellen Familie am Rande der japanischen Gesellschaft

Das humanistische und anrührende Gesellschaftsporträt wurde bei den Filmfestspielen von Cannes 2018 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, mit zahlreichen weiteren nationalen wie internationalen Preisen bedacht und als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert (unterlag dem mexikanischen Netflix-Filmdrama Roma“ von Alfonso Cuarón).

Von Außenseitern, Liebe, Zuneigung und einer widersprüchlichen Gesellschaft

Mit kleinen Diebstählen und Gelegenheitsjobs hält sich die kleine japanische Familie Shibata am Rande der Gesellschaft über Wasser.

Nachdem Osamu Shibata (Lily Franky) und sein Sohn Shota (Jyo Kairi) von einer Diebestour nach Hause zurückkehren, entdecken sie in einer sozial wohlsituierten Gegend das kleine Mädchen Yuri (Miyu Sasaki) einsam und ausgesperrt auf einem Balkon. In dieser Nacht ist es eiskalt und bereits stockfinster. Osamu beschließt kurzerhand, das verwahrloste Mädchen mitzunehmen und ihr eine wärmende Mahlzeit und ein schützendes Dach über dem Kopf anzubieten.

Zu Hause wartet mit seiner Frau Nobuyo (Sakura Andō), Großmutter Hatsue (Hatsue) und Tochter Aki (Mayu Matsuoka) der Rest einer liebevollen Familie auf engstem Raum zusammengepfercht. Die Pension von Hatsue Shibatas verstorbenem Ehemann reicht an sich gerade für das Nötigste. Dennoch wird der kleine Mensch hier mit offenen Armen empfangen. Nachdem Osamu und Nobuyo deutliche Missbrauchsspuren an dem Mädchen feststellen, entscheiden sie, das kleine Mädchen nicht in ihr Elternhaus zurückzubringen, sondern sie als neues Familienmitglied aufzunehmen.

Bis eines Tages ihre gut geschützten Familiengeheimnisse enthüllt werden.

Raum ist in der kleinsten Hütte

Einfühlsam geht Shoplifters – Familienbande“ der Frage nach, was eine Familie als solche auszeichnet. Im Film von Hirokazu Koreeda sind das weder materielle Reichtümer noch die Zugehörigkeit zu anderen Menschen über bloße Blutsverwandtschaft, sondern vielmehr Liebe, Zuneigung, Rückhalt, Aufmerksamkeit und tiefe Verbundenheit.

Von einer Figur wie Osamu Shibata kann ein Kind geistige Schätze nicht erwarten, so zieht er sie doch zu Dieben groß, da er selbst nichts anderes gelernt hat. Seiner Wärme und bedingungslosen Zuneigung können sie sich jedoch gewiss sein.

Die Shibatas haben ein neues Familienmitglied: „Shoplifters – Familienbande“. (Copyright: Universum Film)

Das anrührende Familiendrama tritt dabei nicht an, um in der Enge einer alten Behausung Armutstourismus zu betreiben, aktuelle Zustände zu beschönigen oder zu verschleiern, sondern schlicht, um eine zutiefst menschliche und melancholische Geschichte mit verletzlichen Figuren zu erzählen.

Generationenübergreifend findet sich hier eine bunt gemischte Gruppe von Menschen, Kleingaunern, Lebenskünstlern und unschuldigen Kindern, die sich unter schwierigsten sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen gegenseitig Trost und Kraft spenden.

Das nüchtern inszenierte Familiendrama drückt dabei niemals auf die Tränendrüse oder verfängt sich in Gefühlsduselei und Kitsch, sondern bleibt stets bodenständig und authentisch.

Fazit

Shoplifters – Familienbande“ ist ein gemächlich und leicht erzählter Film über eine ungewöhnliche Familie, Menschlichkeit, Verbundenheit, aber auch soziale Missstände und Vorurteile.

Trailer

Inhalt

Nach einer Diebestour treffen Osamu Shibata und sein Sohn Shota auf das kleine, verwahrloste Mädchen Yuri. Kurzerhand tut Osamu das, was der Gelegenheitsarbeiter am besten kann – er „stibitzt“ Yuri und nimmt sie für eine warme Mahlzeit mit nach Hause. Die anfänglichen Bedenken seiner Frau über das neue Familienmitglied sind schnell verflogen. Umgeben von anonymen Wohnblöcken lebt die bunte Truppe mithilfe von kleinen Betrügereien und trotz widriger Umstände glücklich zusammen. Bis zu dem Tag, an dem ein unvorhergesehener Vorfall bisher gut geschützte Familiengeheimnisse enthüllt. Jetzt muss sich beweisen, ob diese Menschen mehr verbindet als ihr Dasein als Kleingauner und Lebenskünstler …

(Quelle: Universum Film)

Details

Sprache: Japanisch (DTS-HD 5.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 10.05.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 121 Minuten

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)