Review

„Männer, das ist Euer Film!“ kündigt der DVD-Klappentext die Komödie „Sexcoach“ an, die mit dem Untertitel die Entwicklung „vom Liebeskummer zur schnellen Nummer“ verspricht. Richtig müsste es nach Sichtung des Films jedoch eher heißen „vom Liebeskummer zur Nullnummer“, denn was als vielversprechende anspruchslose, seichte Unterhaltung im Stile von „American Pie“ & Co. beginnt, endet in einer Bravo-Fotolovestory – sowohl inhaltlich als auch (durch die statische Schauspielkunst) optisch.

Birgt die Idee hinter „Sexcoach“ grundsätzlich gutes Potenzial, um daraus eine solide Komödie anzufertigen, hapert es an der Umsetzung. Die Verantwortlichen wollten viel und haben diverse unterschiedliche Elemente entsprechend in den Film integriert, dabei das eine oder andere jedoch nicht konsequent durch- bzw. zu Ende gedacht.
Dass die Handlung Lücken und Logikfehler aufweist, ist nicht einmal allzu schlimm, denn wer achtet schon auf den Kontext, wenn es reichlich knappe Bikini-Mode zu sehen gibt.
Auch der horrorkomödiantische Aspekt, zum Ausdruck gebracht in der Szene, in der Protagonist Spence von Freundin Allison bildhaft das Herz herausgerissen bekommt, sorgt vielleicht noch für ein kleines Schmunzeln, wirkt als einziger Ausflug in die Horror-Komik jedoch gleichzeitig ein wenig fehlplatziert.
Insbesondere der pseudointellektuelle Versuch, die Geschichte am Schluss mit fazitärer Moral „aufzulösen“, scheint dann aber mehr gewollt als gekonnt und bietet ein erzwungenes Happy End, das einem gleichgültiger nicht sein könnte.

Abgesehen davon, dass der Verlauf der Geschichte – nicht untypisch für das Genre – sehr vorhersehbar ist, fiel es den Filmemachern scheinbar schwer, auch humoristisch eine konkrete Linie zu fahren. Die unzähligen Klischees, die schon allein witzig sein könnten, wären als Persiflage tatsächlich lustig, doch als „ernst gemeinte“ Komödie letztlich eher peinlich. Comedy/Slapstick oder nur doof? Das ist daher die Frage, die sich der Zuschauer stellen muss und mit dessen Antwort das Gefallen am Film steht und fällt.

Aber wie sind die Gags in „Sexcoach“ eigentlich? Nun, auf jeden Fall schon einmal zu wenig vorhanden.
Die wenigen Stellen, die darüber hinaus dann noch Potenzial gehabt hätten, für wahre Lacher zu sorgen, gehen im schlechten Schauspiel unter, Wortspiele mit deutscher Synchronisation passen nicht und scheinen krampfhaft übersetzt. Die Witze sind weder neu noch innovativ, aber wer auch nach dem x-ten Mal über übertrieben arrangierte Schamhaar-Toupets lachen kann, der wird auf seine Kosten kommen.

Während die Dialoge mies oder nichtssagend sind, fällt die Synchronisation insgesamt solide aus – eine Ausnahme bildet lediglich die Synchronisation der Figur Coke, die sich nicht authentisch in die übrige Synchronisation einfügt. Vielmehr wirkt der Sprachanteil der Rolle im Vergleich zu den übrigen Stimmen klanglich wie ein Fremdkörper.

Wer auch nach dem x-ten Mal über übertrieben arrangierte Schamhaar-Toupets lachen kann, der wird mit "Sexcoach" auf seine Kosten kommen. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Wer auch nach dem x-ten Mal über übertrieben arrangierte Schamhaar-Toupets lachen kann, der wird mit „Sexcoach“ auf seine Kosten kommen. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Die Vorzüge von „Sexcoach“ sind schnell genannt: Die Schauplätze sind schön, der Titelsong überzeugt und die FSK ab 16 Jahren passt insofern, als explizite Sprache und Szenen (wohlgemerkt aber immer noch amerikanisch geprägt und somit dann doch gesitteter als erwartet) hier mit von der Partie sind.

Apropos FSK 16: Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürften vor allem 14-Jährige hier auf ihre Kosten kommen, die über die Gags noch lachen können, weil sie andere Filme, in denen jene schon zuhauf vorkamen, noch nicht gesehen haben. Schade nur, dass die FSK 16 sie als Publikum „ausschließt“.

Die Extras der DVD sind schließlich sehr überschaubar, sodass der Original- und deutsche Trailer die einzigen anwählbaren Zusätze darstellen.

Und bevor sich nun jemand aufregt, wie die Rezensentin sich erdreisten kann, als Frau über einen Film zu urteilen, der schon auf dem Klappentext dominierend für die Männerwelt angepriesen wird, sei gesagt: da sowohl Komödien als auch Sex und daraus resultierend logischerweise zudem „Sex-Komödien“ für alle gleichermaßen da sind, erlaube ich mir ein Urteil aufgrund der oben genannten Kritikpunkte. Jene Zuschauer, die gar nichts erwarten und mit ihrer Zeit sonst nichts anzufangen wissen, schauen bei „Sexcoach“ hin, alle anderen verpassen hier nichts.

Trailer

Inhalt

„Geh und hol dir deine Eier zurück!“
Wenn die eigene Mutter dir so einen Satz mit auf den Weg gibt, dann muss es wirklich schlimm um dich stehen. Und das tut es auch um Spence, dem Allison das Herz nicht nur gebrochen, sondern geradezu herausgerissen hat. Dem wimmernden Häufchen Elend muss unbedingt geholfen werden. Es schlägt die Stunde von Coke, Frauenliebling, bester Freund und ab jetzt auch Sexcoach. Im schicken Strandhaus seiner Eltern wird das Therapiezentrum aufgebaut und Spence eine gründliche Sexkur verordnet. Wenn er sich erstmal mit mindestens 13 heißen Bikini-Girls vergnügt hat, ist die Ex Geschichte. Für den liebeskranken Romantiker trotz zahlreicher williger Krankenschwestern keine leichte Aufgabe …

(Quelle: Ascot Elite Home Entertainment)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 04.08.2015
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 98 Minuten
Extras: Trailershow / Originaltrailer

Copyright Artikelbild: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde