Review

Konzepte zur Erlangung von Unsterblichkeit gibt es in Film und Buch ja zuhauf – von medizinischen zu magischen Lösungen bis hin zum Robotternachbau konnte man im Film quasi alles schon einmal erleben, mit allen Komplikationen, die da denkbar sind. Eine weitere Abwandlung dieses Themas nimmt sich nun auch die amerikanische Produktion „Self/Less – Der Fremde in mir“ vor.

Damit kehrt Regisseur Tarsem Singh, der zuletzt gemeinsam mit Julia Roberts und „Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen“ kommerziell erfolgreich war, zu seinen Sci-Fi-Wurzeln zurück: Wie schon in „The Cell“ geht es auch hier um das Verhältnis von Körper und Geist, doch dieses Mal steht nicht Altruismus, sondern Egoismus im Zentrum der Betrachtung.

Allein aus egoistischen Gründen entscheidet sich der reiche und einflussreiche Damian Hale dazu, seiner Krebserkrankung auf dem Sterbebett ein Schnippchen zu schlagen. Statt zufrieden einzuschlafen, gelingt es dem im Geheimen agierenden Wissenschaftlerteam um Professor Albright, Damians Geist und Gedanken in einen frischen, unverbrauchten und natürlich muskulösen Körper zu übertragen – selbstverständlich alles ganz legal, mit einem geklonten und genetisch perfektionierten Körper.

Doch statt nun wie ein junges Reh durch sein neues Leben zu hüpfen, beginnt ein zäher Heilungsprozess mit hartem Training und ständigen Medikamenten gegen verwirrende Halluzinationen. Schritt für Schritt wird er dabei von der übermächtigen Firma beobachtet, selbst, als er eigentlich glaubt, wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Langsam hinterfragt Damian sowohl sein neues Leben als auch Albrights Methoden. Und als er schließlich von der ihm unbekannten Madeline als ihr kürzlich verstorbener Ehemann erkannt wird, beginnt für Damian erneut der Kampf ums Überleben.

Singh konfrontiert sowohl die Zuschauer als auch die Darsteller insgesamt mit einer durchaus abwechslungsreichen Mischung aus Sci-Fi, Thriller und Action mit einer leisen Spur Romantik. Dass dabei die einzelnen Elemente nicht ganz so tiefschürfend ausgearbeitet sind, geht immerhin zugunsten der Vielseitigkeit der Interpretation des bekannten Stoffs.

Bezüglich der Optik und des Sounds muss der Zuschauer aber keine Abstriche befürchten, denn auch wenn beispielsweise kein Budget für einen aufwendigen Laborkomplex da war, sondern nur in einer folierten Zeltanlage geforscht wird, punktet „Self/Less“ zumindest damit, dass die Zeltanlage gut ins Geschehen eingebaut wurde und insoweit nahtlos in die Filmlogik passt.

Ebenfalls als passend erweist sich die Auswahl der Schauspieler. Besonders Ben Kingsley dominiert und glänzt als (ursprünglicher) Damian Hale – und das, obwohl er nur die ersten 15 Minuten überhaupt zu sehen ist.
Ebenfalls hervorragend spielt Matthew Goode den Bösewicht Albright, der dem Zuschauer besonders durch seine ruhige, geschäftsmäßige Art eiskalte Schauer über den Rücken laufen lässt.

Aus alt mach neu - Ryan Reynolds in "Self/Less" auf dem Weg zur Unsterblichkeit. (Copyright: Concorde Home Entertainment)

Aus alt mach neu – Ryan Reynolds in „Self/Less“ auf dem Weg zur Unsterblichkeit. (Copyright: Concorde Home Entertainment)

Die mit Abstand anspruchsvollste Rolle durfte jedoch Ryan Reynolds übernehmen. Immerhin spielt er gewissermaßen zwei Personen in einem Körper, von denen sich einer sogar zeitweise verstellen muss. Obwohl man nach der grenzwertigen Performance in „The Captive“ hier Schlimmes erwarten konnte – Reynolds ist halt eher der Action-Typ -, kommt es diesmal etwas besser. Den abgeklärten, älteren Mann nimmt man ihm definitiv ab, nur das Einfühlungsvermögen fehlt der Darstellung auch dieses Mal.

Damit erweist sich die Komplexität des Protagonisten durch die mäßige schauspielerische Leistung als Fallstrick, aber im Übrigen ist „Self/Less – Der Fremde in mir“ eine unterhaltsame Mixtur. Die Mischung aus verschiedenen, wenn auch verwandten Genres mit einer größeren Spur Kitsch ist allerdings nichts für Hardliner, aber ein noch gelungener Versuch der Vermittlung zwischen verschiedenen Extremen.

Trailer

Handlung

Auch immenser Erfolg und Reichtum bieten ihm keine Garantie für ein langes, gesundes Leben: Als der milliardenschwere Unternehmer Damian (Ben Kingsley) erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist, begibt er sich in die Hände einer geheimen Organisation unter der Leitung von Albright (Matthew Goode). Um seine Lebenszeit zu verlängern, lässt er sein Bewusstsein in einen anderen, jüngeren Körper übertragen. „Shedding“ nennt sich das ebenso geheime wie teure Verfahren. Das Experiment glückt und der wieder junge Damian (Ryan Reynolds) beginnt unter seiner neuen Identität „Edward“ und in einer anderen Stadt die gewonnene Zeit in vollen Zügen zu genießen. Doch die neue Welt bekommt Risse, als er von wirren Träumen geplagt wird – Erinnerung an ein Leben, das nicht sein eigenes ist. Als Damian diesen Visionen auf den Grund geht, muss er erneut um sein Leben fürchten, denn Albright und seine Organisation sind nicht bereit, ihr lukratives Geheimnis kampflos aufzugeben …

(Quelle: Concorde Home Entertainment)

Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Concorde Video DVD
Erscheinungstermin: 23.12.2015
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 112 Minuten
Extras: Featurettes, Interviews

Copyright Cover: Concorde Home Entertainment



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer