Review

Wenn das Bonusmaterial eines Films – genauer gesagt der Menüpunkt „Behind the Scenes“ unter „Extras“ – besser ist als der Hauptfilm einer DVD, und das sogar ohne nette Gimmicks wie beispielsweise einen deutschen Untertitel, dann sollte man sich nicht nur als Regisseur, sondern auch als Zuschauer eigentlich Gedanken machen.
Dies gilt auch für „School of the Living Dead“, mit dem man eine Mischung aus Komödie, Horror und Highschool-Movie anstrebt.

Deutlich orientiert man sich dabei an dem 80er Jahre Film „Breakfast Club“ und der Zombie-Komödie „Shaun of the Dead“, doch schnell wird klar, dass vieles hier einfach nicht so wirklich passen will und die Klasse beider Filme nicht erreicht wird.

So zündet gerade der britische Humor von „Shaun of the Dead“ um Längen besser als die amerikanische Version in „School of the Living Dead“ – und das, obwohl versucht wird, einige Gags des Kultfilms in minimal abgewandelter Form zu integrieren. Als Beispiel sei diesbezüglich die Szene erwähnt, in der die Protagonisten mit Büchern nach den menschenfressenden Zombies werfen, eine klare Anspielung auf die „Schallplatten“-Sequenz in „Shaun of the Dead“.
Diese Versuche – und auch die wie zu erwartenden banalen Dialoge – erzeugen zwar immerhin seichte Lacher, das große Schenkelklopfen bleibt allerdings aus.

Oft fragt man sich daher, ob der Film sich unfreiwillig gar selbst parodiert, während das Potenzial an beabsichtigter Witzigkeit nicht ausgereizt wird.
Es fehlen also mehr zündende Gags, denn ohne die richtige Anzahl an humoresken Einlagen bleibt nicht mehr viel übrig von „School of the Living Dead“ und der Film ist einfach nur schlecht bzw. wirkt, als würde er nicht nur die Zombiethematik auf die Schippe nehmen, sondern auch sich selbst ins Lächerliche ziehen.
Einige Lacher haben die Macher zwar auf ihrer Seite, es wird zumindest nachvollziehbar, dass auch im Bereich der Horror-Komödien mitgemischt werden möchte, und zwar auf eher plumpe und platte Art, doch um über die weiteren Schwächen des Films abzusehen, hätten es schon mehr Gags bedurft.
Denn dann, aber auch nur dann, hätten sogar einige vorhandene und unübersehbare Filmfehler eher gewollt als nicht gekonnt gewirkt.

Doch woran hapert es bei „School of the Living Dead“ noch, abgesehen vom nur bedingt ausgereizten Humor?

Nachsitzen mal anders (Copyright: Tiberius Film)

Nachsitzen mal anders (Copyright: Tiberius Film)

Zum einen wäre da die Synchronisation. Die deutschen Stimmen sind nicht nur miserabel für die Rollen ausgewählt und wollen einfach nicht zur Figur passen, sie overacten auch zeitweise zu sehr. So spricht die Figur Janet (gespielt von Christa B. Allen) in der deutschen Version zum Beispiel häufig wie eine Moderatorin im Werbefernsehen.
Selten stimmen zudem die Betonungen mit der Gestik und Mimik der jeweiligen Rollen überein.
Diese Fehlbesetzung macht den Film über weite Strecken ziemlich kaputt und ist durchgehend irritierend und störend.

Apropos Charaktere: ganz dem Vorbild „Breakfast Club“ entsprechend, finden sich sechs unterschiedliche, dafür aber stereotype Figuren zum – in diesem Fall – „Nachsitzen mit Zombies“, so der Untertitel des Films, ein. Der obligatorische Nerd, die beliebte Schönheit, der Freak, der Coole, der Muskelprotz oder das Gothic Girl – kaum ein Klischee wird dies betreffend ausgelassen. So weit, so bekannt und auch gar nicht schlimm, wenn man nicht im Laufe des Films versuchen würde, eine gewisse Moral und Ernsthaftigkeit in die kaum vorhandene Handlung zu bringen.
Damit wird „School of the Living Dead“, der rein von der Spielzeit aus betrachtet sehr kurzweilig ausfällt, zu sehr in die Länge gezogen durch pseudointellektuelle Gespräche und Kalenderblattmoral-Attitüden.
Auch der Anspruch, Entwicklungen der Charaktere verdeutlichen zu wollen (wie jene – Achtung Spoilergefahr! – vom Nerd zum Helden), wirkt fehlplatziert. Der Spagat zwischen Botschaften und Unterhaltung funktioniert einfach nicht.

Zum anderen reduziert sich die Handlung stark und birgt auch keine nennenswerte Hintergrundgeschichte. Wie die Zombies entstanden sind, woher sie kommen und alle weiteren Informationen außerhalb des Dargestellten bleiben im Dunkeln. Der Fokus liegt damit auf den Protagonisten, die sich in sehr gelungenen Schockmomenten im Laufe der Spielzeit dezimieren, während man sich örtlich auf die Schule beschränkt, genauer gesagt, auf wenige ausgesuchte Zimmer wie z.B. die Bibliothek.
Darüber hinaus bzw. daraus folgernd sollte man vermeiden, nach Logik im Film zu suchen; man wird nicht fündig werden! Dies überrascht jedoch nicht und ist ebenfalls nicht unbedingt negativ zu werten, denn wer tatsächlich danach sucht, hat sich eindeutig im Genre vertan.

Das Make-up leidet, wenn man (auf) einen Zombie trifft (Copyright: Tiberius Film)

Das Make-up leidet, wenn man (auf) einen Zombie trifft (Copyright: Tiberius Film)

Das richtig große Problem, das „School of the Living Dead“ jedoch hat, ist nicht etwa die Low-Budget-Produktion oder der C- bzw. D-Promi-Cast, beides kann nämlich durchaus auch funktionieren, vielmehr liegt der Knackpunkt des Films in dem Versuch, einen Teenagerfilm, der die typischen Stereotype ausreizen und teilweise moralisch sein möchte, mit der Idee einer Zombiekomödie zu verbinden und dabei eine Masse an Kritik lostritt, die zusammengenommen nicht gerade für den Film spricht.

Effekte gut, Rest mangelhaft – so könnte das Urteil daher zu „School of the Living Dead“ lauten. Dabei ist der Film allerdings so schlecht, dass er fast schon wieder gut ist. Fakt ist jedoch, dass das Potenzial dieser Horrorkomödie zu keinem Zeitpunkt und in keinen Belangen ausgeschöpft wurde. Das ist schade, denn mit „School of the Living Dead“ hätte der Zuschauer einen wahren Kultfilm erwarten und die Macher eben jenen hervorbringen können.
Eine uneingeschränkte Kaufempfehlung kann daher nicht ausgesprochen werden, zum Ausleihen (etwa für einen „SchleFaZ“-Abend) ist „School of the Living Dead“ aber fast schon prädestiniert.

Trailer

Inhalt

Eddie, der Schul-Nerd, muss zum ersten Mal in seinem Leben nachsitzen – zusammen mit den üblichen Verdächtigen. Doch einer der anderen Schüler verwandelt sich plötzlich in einen Zombie und attackiert die Lehrerin – die Gruppe befindet sich mitten in der Zombie-Apokalypse. Nur Eddie kann ihnen helfen – hat er doch genug „Geek“-Wissen, um die Zombies zu stoppen.

(Quelle: Tiberius Film)

Details

Format: Dolby, DTS, PAL
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Tiberius Film
Erscheinungstermin: 07.08.2014
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer: 84 Minuten
Bonus: Behind the Scenes / Trailer deutsch + englisch / Filmvorschauen

Copyright Cover: Tiberius Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde