Review

Tödliche Rückkehr

Mit einigem Interesse habe ich vor längerer Zeit vernommen, dass der Schauspieler und Comedian Chris Rock eine frische Idee für einen neuen Teil des ausdauernden SAW-Franchise gepitched haben soll. Offenkundig durfte man als Fan eine gewisse Leidenschaft und Motivation für das Projekt unterstellen, denn immerhin wurde Rock medienwirksam als großer „Saw“-Fan deklariert. Schließlich wurde auch noch bekannt, dass Hollywood-Legende Samuel L. Jackson ebenfalls sein Debüt in der Horror-Reihe feiern werde. Allerhand Indizien und Anhaltspunkte also, die darauf hinzudeuten scheinen, dass die Idee und das fertige Drehbuch tatsächlich kein komplettes Fiasko sein können – oder doch?

Chris Rock hatte als großer „Saw“-Fan die Idee zum neuen Ableger. (Copyright: STUDIOCANAL)

„Spiral: From the Book of Saw“ ist nach dem 2017er „Jigsaw“ bereits der zweite Film der Reihe, der sich von der Handlung des ursprünglichen Franchise löst und dabei einigermaßen neue Wege gehen will. In diesem Fall möchte der Ableger des modernen Horror-Klassikers aus dem Jahr 2004 vornehmlich finsterer Cop-Thriller und weniger Horror-Splatterfilm als die bisherigen Sequels sein.

Um dennoch ein gewisses Gefühl der Zusammengehörigkeit zu vermitteln, spielt nicht nur der Serienmörder Jigsaw natürlich wieder eine Rolle; nein, der neunte Teil der Serie sieht auch die Rückkehr von Darren Lynn Bousman auf den Regiestuhl. Jener inszenierte bereits die Filme II bis IV der Reihe.

Ob der ambitionierte Plan des Films, der hierzulande unter dem schlichten Titel „Saw: Spiral“ erscheint, aufgeht, verraten wir in der nachfolgenden Kritik.

Handlung

SAW: SPIRAL eröffnet ein neues, perfides Kapitel der „Saw“-Saga, in dem ein kaltblütiger Serienmörder auf bestialische Weise für seine ganz eigene Form von Gerechtigkeit sorgt. Der abgebrühte Detective Ezekiel „Zeke“ Banks (Chris Rock) und sein noch unerfahrener Partner William Schenk (Max Minghella) untersuchen eine Anzahl abscheulicher Morde, die auf unheimliche Weise an die grausame Vergangenheit der Stadt erinnern. Unterstützt werden die beiden Detectives von Marcus Banks (Samuel L. Jackson), einem angesehenen Polizeiveteranen und Vater von Zeke. Ohne es zu ahnen, wird Zeke immer tiefer in das mörderische Geheimnis hineingezogen und findet sich plötzlich im Zentrum des morbiden Spiels eines bestialischen Killers wieder.

(Quelle: STUDIOCANAL)

Spirale des Grauens

Der Plan geht nicht auf. Punkt. Das lässt sich zuvorderst direkt festhalten. Unabhängig davon, wie ambitioniert die Pläne oder wie gut gemeint die Absichten auch immer gewesen sein mögen. Der aktuelle Teil des – nach dem Guinness-Buch der Rekorde – erfolgreichsten Horror-Franchise der Filmgeschichte ist ein einziges Desaster. Und das lässt sich auch nicht schönreden.

Wo soll man anfangen?

Zunächst weist der Film allenfalls die visuelle Ästhetik einer x-beliebigen CSI-Episode auf; für eine Filmproduktion dieser Größenordnung wirkt das unangemessen. Parallelen bestehen dabei nicht nur bezüglich der ästhetischen Inszenierung, sondern auch hinsichtlich überaus häufiger (wie völlig unnötiger) Rückblenden. Teilweise sehen wir Rückblenden zu belanglosen Szenen, die gerade erst abgelaufen sind – ohne ersichtlichen Grund. Überdies wird mit bisweilen seltsamen Schnitten und Szenenübergängen gearbeitet. Oftmals sind diese derart abgehackt oder ungelenk, dass man als Zuschauer:in hinterher das Gefühl hat, es wäre einem etwas entgangen oder man wäre kurzzeitig eingenickt.

Das zunächst zur technischen Seite. Im Übrigen wird es allerdings nicht besser.

Von den typischen „Saw“-Fallen kann man jetzt ebenso wie vom Splatter-Genre im Allgemeinen halten, was man möchte. Horror-Fans werden jedenfalls nicht bestreiten, dass von den gnadenlosen und diabolischen Fallen der Filmreihe stets eine gewisse Spannung und Nervenkitzel ausgegangen sind – selbst in den späteren Teilen. Nicht jedoch in „Spiral“. Die Konstruktionen wirken besonders ideen- und lieblos, die „Spieler“ bzw. „Opfer“ haben (gefühlt) keine Chance, der jeweils todbringenden Apparatur zu entkommen. Es gibt indessen auch nur eine recht überschaubare Zahl dieser klassischen Hinrichtungsszenen.

Eine weitere Paradedisziplin des Franchise ist üblicherweise ein – mehr oder weniger kreativer bzw. gut konstruierter – Twist – insbesondere im Hinblick auf die Täterschaft. Zwar gibt es hier auch eine solche Wendung, diese als „Twist“ zu bezeichnen, wäre jedoch eine Beleidigung für den gesunden Menschenverstand. So sieht man – nicht nur als Genre-Fan – diesen „Twist“ bereits überaus frühzeitig um die Ecke kommen. Die Spannung bleibt dadurch (gleich aus mehreren Gründen) auf der Strecke.

Jetzt könnte man sagen, gut, „Spiral“ möchte ja schließlich neue Wege gehen. Indessen funktioniert der Streifen auch als Cop-Thriller nicht. Filme wie z.B. „Dragged Across Concrete“ haben vorgemacht, wie man moderne Probleme – vor allem der US-amerikanischen Bevölkerung – in Form von Korruption und Gesellschaftskritik in einem solchen Film unterbringen kann. Vorliegend fehlt diesbezüglich der erzählerische Unterbau. Es gibt skrupellose und korrupte Polizisten; dann hört es jedoch schon wieder auf. Die Figurenzeichnung bleibt ebenso oberflächlich wie die dargebotenen Konflikte.

Der abgebrühte Detective Ezekiel „Zeke“ Banks (Chris Rock) und sein noch unerfahrener Partner William Schenk (Max Minghella) untersuchen eine Anzahl abscheulicher Morde. (Copyright: STUDIOCANAL)

Bleibt nur noch Hauptdarsteller und US-Star Chris Rock. Laut Verleiher „begeistert“ dieser im neusten Kapitel der Reihe. Das Gegenteil könnte nicht wahrer sein. Denn dem großen „Saw“-Fan hat offenkundig keiner mitgeteilt, dass er hier nicht für das nächste Stand-up-Comedy-Special engagiert worden ist. Wenn Rock in der Rolle des Detective Ezekiel „Zeke“ Banks mit verkniffenem Blick und scheinbar hoch konzentriert von Szene zu Szene stolpert, dann ist das bisweilen hochnotpeinlich und immer wieder unfreiwillig komisch. Dabei hagelt es geradezu abgedroschene Sprüche. Die weiteren Darsteller:innen tun allerdings auch ihr Übriges. Samuel L. Jackson spielt mit, ja, spielt an sich aber auch keine Rolle.

Fazit

Manch einer wird vielleicht sagen, der neue „Scream“ (2022) habe nicht (gänzlich) die Erwartungen an das beliebte Slasher-Franchise erfüllt. Davon kann ich mich auch nicht frei machen. Nach der Sichtung von „Saw: Spiral“ dürfte man diesem gegenüber indes milder gestimmt sein und mehr zu schätzen wissen, wie dieser fünfte Teil die eigenen Stärken (teilweise) wiederbelebt.

Der neueste „Saw“ ist jedenfalls unter jedem Gesichtspunkt ungenießbar – die Serie vergisst ihre alten Stärken, vergisst darüber hinaus allerdings auch, neue Stärken zu etablieren. Selbst für ein Horror-Franchise, das sich im ständigen Abwärtstrend befindet, zeitigt dieser Teil den endgültigen und absoluten Tiefpunkt.

Wer sich selbst von der Qualität überzeugen möchte: Home Entertainment Release war der 27.01.2022.


SAW: Spiral [Blu-ray]

Trailer

Inhalt

Das neue, perfide Kapitel der SAW-Saga

Zusammen mit dem Polizeiveteranen Marcus untersuchen Detective Banks und sein Partner eine Reihe abscheulicher Morde, die an die grausame Vergangenheit der Stadt erinnern. Ohne es zu ahnen, wird Banks immer tiefer in das mörderische Geheimnis hineingezogen und findet sich plötzlich im Zentrum des morbiden Spiels eines bestialischen Killers wieder.

(Quelle: STUDIOCANAL)

Details

Format: Breitbild
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Atmos)
Untertitel: Deutsch
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Studiocanal
Erscheinungstermin: 27.01.2022
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: ca. 93 Minuten

Copyright Cover: Studiocanal



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)