Review

Dieses Review könnte ungefähr so aussehen:

Regie: Shinichirô Watanabe
Character Design: Kazuto Nakazawa
Musik: u.a. Nujabes, Force Of Nature
5 Sterne. Fertig.

Oder noch kürzer:

Samurai Champloo – 5 Sterne.

Aber so einfach machen wir es uns nicht, von daher willkommen zum Review über einen der wohl bekanntesten Animes. Und obendrein auch noch einen der besten. Ok, hier schwebt dann doch ein wenig viel eigene Meinung mit, aber ich denke, man kann generell sagen, dass „Samurai Champloo“ wirklich gut ist. Nach einer Idee von Shinichirô Watanabe („Cowboy Bebop“, „Animatrix“) spielt dieser Samurai-Anime im Edo-Zeitalter Japans, mit mehr oder weniger korrektem historischem Hintergrund.

Das Mädchen Fuu ist auf der Suche nach einem Samurai, der nach Sonnenblumen riecht. Nachdem sie den Verbrecher Mugen und den Ronin Jin (irgendwie) vor deren Exekution bewahrt hat, besteht sie auf die Begleitung der beiden auf ihrer Reise. Und so handeln sich die drei auf ihrem Weg eine Menge Ärger ein, treffen seltsame Menschen und sind unterbewusst auf der Suche nach sich selbst. Und nach Essen.

Mugens (links) und Jins erstes Treffen endet direkt in einem Kampf, welcher nicht der einzige sein wird, der in diesem Anime gut in Szene gesetzt wurde. (Copyright: manglobe / Shimoigusa Champloos)

Mugens (links) und Jins erstes Treffen endet direkt in einem Kampf, welcher nicht der einzige sein wird, der in diesem Anime gut in Szene gesetzt wurde. (Copyright: manglobe / Shimoigusa Champloos)

Nein, ernsthaft. Es geht fast ausschließlich darum, Geld für Essen zu besorgen und jedes Mal knurren die Mägen der drei Charaktere die Stadt an, bevor diese betreten wird. Aber es sind diese amüsanten Momente, die „Samurai Champloo“ ausmachen. Hier treffen drei völlig verschiedene Charaktere aufeinander. Mugen, ist ein eingebildeter und unfreundlicher Rohling, der nur darauf wartet, dass die Reise zu Ende geht, um seine Rechnung mit Jin zu begleichen. Dieser wiederum ist entgegen Mugens hyperaktiven Zügen ein ruhiger und fokussierter Zeitgenosse. Zwischen den beiden steht die manchmal zu naive Fuu, die obgleich ihrer positiven Einstellung brenzlige Situationen nur so anzuziehen scheint.

Es gibt Animes und es gibt Animes. Und es gibt „Samurai Champloo“, einer von diesen Animes, wo man sich als Zuschauer manchmal zu Recht die Frage stellt: „Was zur Hölle geht da gerade ab?“. Es ist nämlich so, dass dieser Anime eine Menge Referenzen zur HipHop-Kultur zieht; seien es nun Mugens an die Szene angelehntes Outfit oder sein Capoeira-Kampfstil, der stark an Breakdance erinnert. Außerdem gibt es viel zu weite Zeitsprünge in das 20. Jahrhundert, Beatbox spielende Schwertkämpfer und Samurai, die eine Stadt mit antikem Graffiti vollschmieren. Passend dazu gibt es einen entsprechenden Soundtrack. Aber es hat schon irgendwie was, wenn sich über jazzige HipHop-Beats hitzige Duelle im Sonnenuntergang geliefert werden.

Und diese sehen dazu auch noch super aus. „Samurai Champloo“ nutzt hauptsächlich die alte Angreifen-und-Zurückziehen-Strategie, es sei denn, Mugen rast wieder mal wie ein Irrer durch die Reihen seiner Gegner, um einen nach dem anderen ins Jenseits zu befördern.
Was die Animationen angeht, so wurde der Fokus auf die eigentlichen Geschehnisse gelegt, um diese episch in Szene zu setzen. Aber auch wenn es dann mal etwas schneller gehen soll, so kann dieser Anime das Tempo halten. Ein wenig CGI ließ sich auch hier nicht vermeiden, bildet aber zum Glück nur die Ausnahme.

Weiterhin wurde die historische Szenerie mit viel Liebe ausgearbeitet, seien es nun die typisch aussehenden Gebäude oder die Umgebung wie weite Felder oder tiefe Wälder.
Was das Charakterdesign der Nebencharaktere angeht, so sehen alle irgendwie etwas zwielichtig aus, egal auf welcher Seite sie stehen. Genau so soll es auch sein, man soll den Charakter der Figuren schon erahnen können, auch wenn manche Subjekte wirklich etwas dümmlich aussehen. Dies kommt aber nur dem Unterhaltungsfaktor zugute.

Fuus immerwährende positive Einstellung macht sie zu einem liebenswerten Charakter, auch wenn sie ständig in Schwierigkeiten gerät. (Copyright: manglobe / Shimoigusa Champloos)

Fuus immerwährende positive Einstellung macht sie zu einem liebenswerten Charakter, auch wenn sie ständig in Schwierigkeiten gerät. (Copyright: manglobe / Shimoigusa Champloos)

„Samurai Champloo“ ist wieder mal einer dieser Animes, der eine chronische Seriensucht beim Betrachter hervorruft. Man möchte einfach dranbleiben. Wie man im Interview mit Shinichirô Watanabe, das sich im beiliegenden Booklet befindet, lesen kann, wird hier kein Wert auf allzu lange Dialoge gelegt. Darum gehen diese Folgen auch runter wie nichts, weil eben nicht viel Zeit mit nebensächlichen Dingen verschwendet wird. Bei den Szenen geht es immer Schlag auf Schlag. Der Anime bringt die Story im gleichen Maße voran, wie er es an den entscheidenden Stellen auf den Punkt bringt. Zwar gibt es ein paar Filler-Folgen, aber selbst diese bringen einen gewissen Charme mit sich.

Der Charme des Animes beginnt schon mit dem Artwork auf der Box. Die Zeichnungen über traditionelle Malerei ziehen einen förmlich in den Anime hinein. Es finden sich außerdem überzeugende Details, wie beispielsweise, dass das Layout der DVDs eine Schallplatte ist. Hier kommt wieder der Bezug zum HipHop-Thema ins Spiel.

„Samurai Champloo“ bringt actiongeladene Szenen und wirkt denen an vielen Stellen mit seiner Atmosphäre entgegen. Der Humor stimmt und von dem Soundtrack brauchen wir gar nicht erst anfangen. Mit einer ansprechenden Story und liebenswerten Charakteren, mit denen man selbst mitwächst, will man „Samurai Champloo“ für mehrere Wochen erstmal nicht mehr vom Bildschirm wegdenken.

Trailer

Handlung

Die unbedarfte Fuu begibt sich auf die Suche nach dem Samurai, der nach Sonnenblumen duftet. Begleitet wird Fuu bei ihrer Reise durch die Edo-Zeit vom aufbrausenden und coolen Samurai Mugen und von Jin, einem ruhigen und besonnenen Krieger, der das genaue Gegenteil von Mugen verkörpert. Diese Konstellation sorgt bei der abenteuerlichen Reise durchs antike Japan für allerlei Zündstoff.

(Quelle: Nipponart)

Details

Format: Dolby, DTS, PAL
Sprache: Japanisch (DTS-HD 5.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 6
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Gonzo
Publisher: Nipponart
Erscheinungstermin: 24.04.2015
Produktionsjahr: 2004
Spieldauer: ca. 650 Minuten
Extras: Promo-Clip, Promo-Musik-Clip, Blank- Opening & Ending, Original Trailer, Postkarten-Set, Booklet

Copyright Cover: Nipponart



Über den Autor

Christopher