Review

Das Ende der Welt?!

Log

Im Jahr 2056 hat sich die ökologische Lage auf der Welt immens verschlechtert. Nur noch die Reichen können es sich leisten, in „Air Domes“ zu wohnen, die die kontaminierte Luft herausfiltern.
Große Konzerne haben Regierungen und Staaten ersetzt. Konflikte auf Grund von Ressourcen und territorialen Grenzen werden von Konzern-Soldaten gelöst. Alle Versuche, eine neue Heimat im Weltall zu finden, sind gescheitert.
Nibra Corporation besitzt eine letzte Raumstation, die sich der Forschung widmet. Die Menschheit sucht immer noch nach Lösungen für die ökologische Krise.

So der Logbucheintrag, der „Rubikon“, einen Science-Fiction Thriller aus Österreich von Regisseurin Leni Lauritsch, einleitet. Dies aber leider in einer sehr kleinen Schriftgröße, die gleich zu Beginn negativ auffällt.

Moralische Fragen im Vordergrund

Ebenfalls nicht allzu positiv ist schnell zu bemerken, dass nur wenig von dem Inhalt des Logbucheintrags im Film selbst eine explizite Rolle zu spielen scheint. So ist weder von den besagten „Air Domes“ noch von der Gesamtsituation auf der Erde viel zu sehen oder zu spüren. Stattdessen lässt sich der Inhalt des Films auf die Tatsache herunterbrechen, dass sich die Mitglieder einer Weltraummission mit dem Verschwinden der Erde konfrontiert sehen, ohne auf die Gründe näher einzugehen. Somit bleibt die Frage, was passiert ist, für Figuren und Zuschauer:innen bis zum Schluss offen und eine „Auflösung“ der Geschehnisse auf der Erde eher nebulös.
Als vermeintlich letzte Überlebende der Menschheit versucht die Crew nun den restlichen Film über, der eine Gesamtlänge von knapp 110 Minuten aufweist, einen Weg zu finden, mit dieser einzigartigen Situation umzugehen. Es häufen sich immer heftigere Konflikte und ein moralisches Dilemma lässt die verschiedenen Weltanschauungen aufeinanderprallen.

Fehlende Emotionalität und Spannung

Dadurch stehen vor allem moralische Fragen bei den Akteur:innen und auch bei den Zuschauer:innen im Vordergrund. Letztere finden für den jeweils eigenen Standpunkt stets ein passendes Pendant in einer der Figuren und werden zum Nachdenken angeregt. Umso enttäuschender ist dann aber die Tatsache, dass sowohl das sich auf der Erde abspielende Drama und die zunehmenden Probleme respektive Konflikte auf der Raumstation scheinbar nur wenig Emotionen bei den Charakteren auszulösen vermögen.

Verstärkt wird der Eindruck der fehlenden Emotionalität seitens der Figuren zudem durch die eher maue Synchronisation. Teils wie auswendig gelernt spulen die Sprecher zumeist ihre Texte lediglich ab, deren Dialoge dann wirkungslos an den Zuschauer:innen vorbeirauschen.

Entschleunigt, übersichtlich und visuell überzeugend

Inszeniert als eine Art (Psycho-)Krimi im All, der sich auf eine sehr überschaubare Kulisse und nur wenig Figuren konzentriert, braucht es hier aber eigentlich eine gehörige Portion an Emotion – und auch Spannung. Letztere ist ebenfalls nur wenig gegeben. Insbesondere die „geheime Mission“ der Hauptfigur Hannah hätte noch „größer“ angelegt werden können. Wie fast alles in „Rubikon“ bleibt jedoch auch diese Handlungsebene eher oberflächlich angeschnitten, ohne das Potenzial komplett auszuschöpfen.

Julia Franz Richter als Soldatin Hannah im Sci-Fi Thriller „Rubikon“. (Copyright: Plaion Pictures)

„Rubikon“ profitiert allerdings vor allem von seiner entschleunigten Art. Dadurch kommen überraschende Wendungen und eine sich ständig ändernde und verändernde Gruppensituation auf der Raumstation, mit der sich die verbliebenen Figuren stets neu arrangieren müssen, gut zur Geltung.

Gut zur Geltung kommen auch die tollen Aufnahmen; insbesondere die der sich verändernden Erde. Zudem können sich die Spezialeffekte durchaus sehen lassen.

Fazit

Wäre doch nur in die Handlung ebenso viel Liebe gesteckt worden wie in die visuelle Umsetzung dieses Science-Fiction-Thrillers, „Rubikon“ hätte ein Must-see im Genre werden können. So aber taugt der Film lediglich für einen kurzen Zeitvertreib, der nicht so nachhaltig ausfällt, wie es hätte sein können.


Rubikon

Trailer

Handlung

Im Jahr 2056: Mächtige Konzerne haben die Weltregierungen ersetzt. Die Ressourcen der Erde sind aufgebraucht. Auf der Raumstation Rubikon wird an einem Algenprojekt geforscht, das die verbleibende Menschheit mit Sauerstoff und Nahrung versorgen könnte. Die Soldatin Hannah und die Wissenschaftler Gavin und Dimitri halten auf der Station die Stellung. Als die Erde von einem mysteriösen, toxischen Nebel umhüllt wird, verlieren sie jeglichen Kontakt zum Boden. Angetrieben von unterschiedlichen Moralvorstellungen und Auftraggebern müssen sie eine Entscheidung treffen: Sollen sie die sichere Station verlassen und ihr Leben riskieren?

(Quelle: Plaion Pictures)

Details

Sprache: Deutsch
Untertitel: Deutsch
Ton: DTS-HD Master Audio 7.1+5.1
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1, 2.39:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Plaion Pictures
Erscheinungstermin: 26.01.2023
Produktionsjahr: 2021
Spieldauer: ca. 110 Minuten
Extras: Maiking-of, Trailer

Copyright Cover: Plaion Pictures



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde