Review

Ronja Räubertochter, Kindheitsheldin. Das Mädchen mit den wuscheligen Haaren, immer ein bisschen vorlaut und stets auf der Suche nach Abenteuern. So sieht man die Geschichte, die im Original von Astrid Lindgren stammt, in der schwedischen Verfilmung von 1984. Nun hat sich Studio Ghibli gemeinsam mit Polygon Pictures der Geschichte angenommen und daraus eine Serie unter dem gleichnamigen Titel „Ronja Räubertochter“ produziert. Nach der Realverfilmung hat es Ronja nun also sogar ins Anime-Genre geschafft. Von den insgesamt 26 Episoden wurden nun die ersten sechs veröffentlicht.

Zu Beginn steht Ronja selbst ganz im Vordergrund. Es wird die Gewitternacht gezeigt, in der Räubersfrau Lovis ihre kleine Tochter auf die Welt bringt, während Vater Mattis versucht für ein bisschen Ruhe zu sorgen. Der nervöse Papa in spe und die ruhige Mutter – hier sieht man schon, wie sich die Rollen zwischen den beiden verteilen. Kaum ist das kleine Bündel allerdings auf der Welt, hat der stolze Papa nur noch Augen für seine Ronja. Herzerweichend, wie er das Kind herzt und behütet.

So wächst das Mädchen inmitten der Räuberbande zwischen überfürsorglichem Vater und pragmatischer Mutter auf der Räuberburg auf. Mit zehn Jahren darf sie dann auch endlich die Burg verlassen und die umliegenden Wälder erkunden. Dort trifft sie auf allerlei krude Geschöpfe und gefährliche Situationen, doch denen ist sie gut gewachsen. Und in der größten Not kommt dann doch auch mal der Papa zur Hilfe.

So plätschern die Folgen langsam und gemütlich vor sich hin, bis Ronja schlussendlich den Sohn der verfeindeten Räuberbande kennenlernt, Birk Borkason. Als es allerdings gerade interessant wird und Ronja sich endlich von einer weniger kratzbürstigen Seite zeigen könnte, sind die sechs Folgen auch schon vorbei. Für einen erwachsenen, actiongewohnten Zuschauer könnte die Entwicklung der Story wirklich ein bisschen langsam sein. Dass es nur sehr mühsam vorangeht, liegt sicherlich auch an der Notwendigkeit, den Inhalt eines Buches auf 26 Episoden aufzuteilen. Auf der anderen Seite ist das Tempo für ein junges Publikum allerdings genau richtig.

Während sich die Kids auf die Story konzentrieren können, haben die Erwachsenen immerhin ganz viele wundervolle Bilder anzuschauen. Hier hat Ghibli, genauer gesagt Gorō Miyazaki, Sohn des bekannten Ghibli-Gründers Hayao Miyazaki, wirklich seinen Stempel hinterlassen. Fast erwartet man hinter dem nächsten Baum Totoro, einen Waldgeist oder zumindest ein Rußmännchen zu treffen. Wer allerdings die zottelige, wilde Ronja der Verfilmung vor Augen hat, wird sich an die schöne, weichgebügelte Optik kurz gewöhnen müssen. Ghibli-Fans wird außerdem der Einsatz von CGI auffallen, was bis dato nicht in deren Produktionen vorkam. Hier zeigt sich die Handschrift von Polygon Pictures. Trotzdem wirkt das Werk optisch wie aus einem Guss.

Von spannend bis spaßig: das Räuberleben in "Ronja Räubertochter - Vol. 1" (Copyright: Universum Film)

Von spannend bis spaßig: das Räuberleben in „Ronja Räubertochter – Vol. 1“ (Copyright: Universum Film)

Positiv zu erwähnen ist schließlich noch die Synchronisation. Stimmauswahl und Ausführung sind überzeugend gelungen. Auch die restliche Soundkulisse stimmt – nur der Titelsong sägt wegen der sehr dominanten Mädchenstimme spätestens bei Folge 3 etwas an den Nerven.

Unterm Strich ist Ghiblis „Ronja Räubertochter“ immer noch nah am Ronja-Gefühl, auch wenn allein durch die Optik weniger Wildheit zu sehen ist. Dafür steht aber die Beziehung zwischen Ronja und ihrer Familie ganz zauberhaft im Mittelpunkt. Für ein junges Publikum ist diese Ronja-Version daher Pflicht.

Handlung

Nach einer ereignisreichen Geburt wächst Ronja, als Tochter des Räuberhauptmanns Mattis und seiner Frau Lovis, wohlbehütet auf der Mattisburg zu einem aufgeweckten zehnjährigen Mädchen heran. Als Mattis seiner geliebten Tochter eines Tages die Erlaubnis erteilt, die Burg zu verlassen, macht sich Ronja voller Neugier auf, um den Wald mit all seinen Geheimnissen zu erkunden. Bei einem ihrer Streifzüge trifft sie dabei auf Birk, den Sohn von Borka, dessen Räuberbande auf der Nordseite der Burg eingezogen ist. Sie werden Freunde und erleben gemeinsam viele Abenteuer. Doch wegen der Fehde zwischen ihren Familien sind sie gezwungen ihre Freundschaft geheim zu halten …

(Quelle: Universum Film)

Details

Sprache: Japanisch (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 14.10.2016
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 153 Minuten

Copyright Cover: Universum Film GmbH



Über den Autor

Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer