Review

Mit „Romans – Dämonen der Vergangenheit“ wagen sich die Brüder Ludwig und Paul Shammasian an ein Thema, das aktueller nicht sein könnte: Missbrauch in der Kirche.

Drama nach einer wahren Begebenheit

Viel Fantasie brauchten die Regisseure und Drehbuchautoren für ihren Film nicht, denn das Drama beruht auf einer wahren Begebenheit. Diese wurde durch das Geschwisterpaar, u.a. bekannt durch „The Pyramid Texts“, bereits in einem 30-minütigen Kurzfilm namens „Romans 12:20“ aufgegriffen, nun weiten sie die Geschichte in knapp 95 Minuten zu einem Film aus, der ab sofort für das Heimkino erhältlich ist.

Orlando Bloom als Charakterdarsteller

In der Hauptrolle brilliert Orlando Bloom als Charakterdarsteller, der sich hier einmal von einer ganz anderen Seite zeigen kann.

Er spielt den psychisch labilen Abrissarbeiter Malky, der in seiner Kindheit von einem Priester sexuell missbraucht wurde. Die – bisher ungesühnte – Tat hat Spuren hinterlassen, sodass sein unverarbeitetes Trauma u.a. Auswirkungen auf seine Partnerschaft, eine On-off-Beziehung zu Kellnerin Emma (Janet Montgomery), sowie die Mutter-Sohn-Beziehung hat. Der in sich gekehrte Malky hat seitdem ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität und neigt zu unkontrollierbaren Wut- und Gewaltausbrüchen. Zu vertrauen, fällt ihm schwer – auch sich selbst gegenüber.

Als alleingelassenes Opfer sieht sich der Protagonist schließlich mit seiner Vergangenheit konfrontiert, als sein einstiger Peiniger wieder in sein Leben tritt. Malky steht vor dem Scheideweg: Vergeltung oder Vergebung – welche Richtung soll er einschlagen, um für sich Frieden zu finden?

Ruhig, symbolträchtig und intensiv

„Romans – Dämonen der Vergangenheit“ wartet mit vielen ruhigen Szenen auf, in denen die Zerrissenheit des Protagonisten sowie sein innerer Kampf mit sich selbst und seinem Alltag porträtiert werden.
Diese wechseln sich mit Dialogszenen (Streit mit der Freundin, Gespräche mit der Mutter, gespielt von Anne Reid) ab, welche das Trauma und Dilemma der Figur gelungen widerspiegeln.

Dazu gesellen sich Begegnungen mit dem ebenfalls traumatisierten Priester Paul (Charlie Creed-Miles), dessen Rollenfunktion jedoch nur angedeutet wird. Die Relevanz dieses Charakters erscheint somit nur oberflächlich und symbolhaft.

Auf Symbole allgemein stößt man zudem während des gesamten Films. Mal subtil, mal sehr deutlich und aussagekräftig tragen sie mitunter zur Wirkweise von „Romans“ bei.

Orlando Bloom und Janet Montgomery im Drama „Romans – Dämonen der Vergangenheit“ (Copyright: OFDb Filmworks)

Die teils entschleunigte Art des Films gewährleistet ebenfalls, dass die Intensität des Dramas verstärkt wird. Wutausbrüche, Selbstverletzungen und die innere Befindlichkeit der Hauptfigur insgesamt wirken damit umso mehr. Bloom bzw. Malky weckt schnell die Empathie und gewinnt die Sympathien der Zuschauer. Diesbezüglich besteht keinerlei Distanz zwischen Figur und Publikum.

Der Titel „Romans“, eine Bezugnahme zum Römerbrief aus dem Neuen Testament, deutet bereits vage auf den Ausgang des Dramas hin, dennoch nimmt es – insbesondere gegen Ende – für den Zuschauer einen möglicherweise unerwarteten Verlauf.

Maues Bonusmaterial

Nach bewegenden 95 Minuten wäre es noch erfreulich gewesen, auf diverses Bonusmaterial zu stoßen. Leider wartet die Veröffentlichung lediglich mit dem Trailer auf, obschon sich beispielsweise der Kurzfilm „Romans 12:20“ als Extra angeboten hätte.

Davon abgesehen hinterlässt „Romans – Dämonen der Vergangenheit“ einen nachhaltigen Eindruck, regt zum Nachdenken an und lässt die Zuschauer nicht ungerührt zurück.

Trailer

Handlung

Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen. Doch was, wenn die Dämonen der Vergangenheit Wunden aufreißen? Dann zählt nur noch „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Wer gewinnt? Vernunft oder Wut?

Malky ist ein Abrissarbeiter in den Dreißigern. Als er in seine Heimatstadt zurückkehrt, um dort beim Abriss der örtlichen Kirche mitzuhelfen, wird er mit den Dämonen seiner Vergangenheit konfrontiert. In jener Kirche wurde er als Junge vom damaligen Priester sexuell missbraucht. Das Trauma der Vergangenheit hat Spuren hinterlassen. Malky hat Probleme im Führen einer normalen Beziehung und neigt leicht zu Gewalt. Sein Leben gerät endgültig aus den Fugen, als er seinem Peiniger aus Kindertagen plötzlich unerwartet gegenübersteht. Rachegedanken keimen in ihm auf. Doch soll wirklich eine Vergeltungstat sein künftiges Schicksal bestimmen?

(Quelle: OFDb Filmworks)

Details

Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: OFDb Filmworks
Erscheinungstermin: 27.06.2019
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 95 Minuten
Extras: Trailer

Copyright Cover: OFDb Filmworks



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde