Review

Es kommt uns vor, als wäre es gestern gewesen, dass wir uns über „Tenet & die Wiedereröffnung der Kinos“ freuen durften. Nun zwingt die Corona-Krise die Lichtspielhäuser ein weiteres Mal dazu, die Pforten zu schließen – jedenfalls einstweilen bis Ende November. Dabei hatten die letzten Kinostarts gerade für Fantasy- und Horror-Freunde, anlässlich Halloween, einige interessante Filme im Gepäck: „The Beach House“, „Hexen hexen“ von Robert Zemeckis oder auch „Blumhouse’s Der Hexenclub“. Daran ist jetzt erst mal wieder nicht zu denken.

Im Heimkino können Freunde des psychologischen Horrors allerdings mit „Relic – Dunkles Vermächtnis“ von Regisseurin Natalie Erika James vorliebnehmen, die auch für das Drehbuch (mit-)verantwortlich zeichnet. Dabei kommt der Film im Fahrwasser von Horrorfilmen wie „Hereditary – Das Vermächtnis“, „Midsommar“, „Get Out“, „Wir“, „Der Babadook“ oder auch „Der Unsichtbare“ daher. In diesen Horrorfilmen geht es weniger um kurzfristige Schockeffekte, als vielmehr um atmosphärischen Grusel, der das Genre als Vehikel nutzt, um im Subtext noch so viel mehr zu erzählen.

Der alltägliche Horror der Demenz

Kay (Emily Mortimer) und ihre Tochter Sam (Bella Heathcote) brechen in die ländliche Abgeschiedenheit auf. Mutter bzw. Großmutter Edna (Robyn Nevin), die vereinsamt und verwitwet in einem abgelegenen Landhaus lebt, ist spurlos verschwunden. Die örtlichen Einsatzkräfte, Tochter Kay und Enkelin Sam machen sich auf die Suche nach der an der Alzheimer-Krankheit leidenden Vermissten – ohne Erfolg.

Doch eines Tages steht Edna auf unerklärliche Weise wieder in der Küche. Zwar macht die Dame des Hauses einen stark ramponierten Eindruck; sie weigert sich dennoch einzugestehen, dass sie Schwierigkeiten hat, alleine zu leben. Während Kay und Sam versuchen, ihr unter die Arme zu greifen, verliert die ältere Frau mehr und mehr den Bezug zur Realität und ihr wahres Wesen. Als sich dann noch das alte Haus gespenstisch gegen die jungen Frauen zu wenden scheint, gerät die Lage aus dem Ruder.

Ein Film, der unter die Haut geht

Unglaublich, dass Macherin Natalie Erika James mit „Relic“ ihr Langfilm-Debüt hinter der Kamera abliefert.

Der Film zeichnet sich vor allem durch eine beklemmende Atmosphäre aus, die auch Altmeister des Genres nicht eindringlicher inszenieren könnten. Gruselig und mysteriös geht der Genre-Mix aus Horror, Thriller und Drama derart unter die Haut, dass er dem Zuschauer ein ums andere Mal eine Gänsehaut sondergleichen beschert. Dabei lebt James‘ Film insbesondere in der ersten Hälfte davon, dass das Publikum sich keineswegs sicher sein kann, ob hier überhaupt übernatürliche Phänomene präsentiert werden.

Auch der ganz normale „Alltagswahnsinn“ der Demenz – die Autorin-Regisseurin verarbeitet hier auch persönliche Erfahrungen – ist durchaus in der Lage, dem Betrachter einen gehörigen Schauer über den Rücken zu jagen – plötzliche Attacken, gruselige Selbstgespräche oder auch unerwartetes Vergessen und anschließende verbale Entgleisungen seien beispielhaft genannt.

Robyn Nevin spielt ihre Rolle in „Relic – Dunkles Vermächtnis“ mit einiger Hingabe und Eindringlichkeit. (Copyright: Leonine)

Wenn sich „Relic – Dunkles Vermächtnis“ dann auch offensiver moderaten Schockmomenten und gewissen Geisterbahneffekten hingibt, wird er fast etwas schwächer, da er ein Stück weit den Reiz des Unerklärlichen und Mysteriösen einbüßt. Selbst in diesen Szenen löst der Film aber noch einiges Unbehagen aus.

Emily Mortimer, Robyn Nevin und Bella Heathcot machen ihre Sache als die tragenden Figuren ebenfalls hervorragend und spielen die unterschiedlichen Charaktere mit einiger Hingabe und Eindringlichkeit.

Fazit

Wer sich zu Halloween nicht ausreichend gegruselt hat, der hat mit diesem Langfilm-Debüt von Natalie Erika James die beste Gelegenheit, dieses Versäumnis nachzuholen. Die Demenz als Ursache für horrorähnliche Erlebnisse des Alltags, sowohl für Betroffene selbst, als auch für nahe Angehörige, wird hier gekonnt in einer beklemmenden Genre-Melange präsentiert, die es richtig in sich hat.

Trailer

Inhalt

Als die ältere, verwitwete Edna auf unerklärliche Weise verschwindet, eilen ihre Tochter Kay und Enkelin Sam in das abgelegene Landhaus, um nach ihr zu suchen. Als Edna plötzlich auf ebenso mysteriöse Weise zurückkehrt, stellt Kay fest, dass ihre Mutter sich stark verändert hat. Ednas Verhalten wird zunehmend rätselhafter. Kay und Sam beginnen zu begreifen, dass etwas Böses Macht über Edna und das alte Haus ergriffen hat.

(Quelle: LEONINE)

Details

Anzahl Disks: 1
Bildformat: 2,40:1 (1080p/24)
Tonformat: DTS-HD 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: LEONINE
Erscheinungstermin: 30.10.2020
Spieldauer: 90 Minuten

Copyright Cover: LEONINE



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)