Review

Scheisse statt Blumen

Ich hab‘ nur die Wahl, ob ich in ein Blumenbeet falle oder in die Scheiße. Und klar will ich in die Blumen fallen. Aber da gibt’s irgendwas in mir, das ist tierisch von der Scheiße angezogen. Und ich kann nichts dagegen tun. Verstehste?

Verstehste nicht? Dann gibt die erste Staffel der VOX-Serie „Rampensau“ darüber genauer Aufschluss.

Denn deren zehn Episoden erzählen von der Protagonistin Shiri, einer 30-jährigen erfolglosen Schauspielerin, die wie ein Teenager aussieht und sich plötzlich in der Rolle einer Undercover-Agentin an einer Berliner Schule wiederfindet.

Eine etwas andere Crime-Dramedy

Dieser Ansatz, aus der Feder des Autoren-Duos Arne Nolting und Jan Martin Scharf („Club der roten Bänder“, „Weinberg“) sowie in Zusammenarbeit mit Autorin Valentina Brüning („Sankt Maik“), mündet im Genre der Crime-Dramedy, ist aber mitnichten und trotz nationaler Besetzung eine Idee aus deutschen Landen. Vielmehr basiert „Rampensau“ auf der israelischen Serie „Metumtemet“ und wurde von Regisseur Dustin Loose („Tatort“, „Notruf Hafenkante“) in Berlin verortet, wo die Serie auch an Originalschauplätzen gedreht wurde. Dem einen oder anderen werden einige Fleckchen und Lokalitäten Berlins somit bekannt vorkommen dürfen. Auch uns war beispielsweise die Rock- und Metal-Bar „Blackland“ durch unsere dortige Jubiläumsfeier von 2016 noch ein Begriff.

Die Schauplätze sprechen somit schon einmal für Authentizität. Ebenso trägt der schmale Aktionsgrad einiger Figuren, wandelnd auf der Grenze zwischen Legalität und Kriminalität, zu ebenjener bei.

Entsprechend nahbar fällt in „Rampensau – Staffel 1“ zudem die Charakterzeichnung aus.
Diese – in Kombination mit der Figurenentwicklung – ist sehr gut gelungen, obgleich viele Rollen leicht überzeichnet, weil sehr extrem dargestellt, erscheinen.

Das betrifft auch das Schauspiel der Akteure – allen voran jenes von Jasna Fritzi Bauer, vielen womöglich bekannt aus „jerks.“, die hier die Hauptrolle innehat und als „Rampensau“ versucht, Murphys Gesetz zu strotzen.
Zwar wirkt die Rolle der Shiri wie gemacht für Bauer, dennoch könnten einige Wiederholungen in Mimik, Gestik und Dialogen schnell ermüdend wirken. Somit hätten manche Szenen durchaus facettenreicher dargestellt werden können und auch die hohe Dichte an gossensprachlichen Schimpftiraden (ebenfalls sehr repetitiv in ihrem Auftreten) dürfte beim nächsten Mal wohldosierter ausfallen.

Jasna Fritzi Bauer schlagfertig in „Rampensau – Staffel 1“ | Copyright: Universum Film GmbH

Denn so entstehen – durch den repetitiven Charakter einiger Dialoge und Szenen – mit zunehmender Laufzeit mitunter Längen, die auch das hohe Tempo der Handlung nicht abwenden kann.

Nichtsdestotrotz ist die Serie unterhaltsam und mit zahlreichen überraschenden Wendungen versehen. Da außerdem viele Zusammenhänge und Verstrickungen erst peu à peu aufgedeckt werden, bleibt „Rampensau – Staffel 1“ über eine Gesamtlaufzeit von 465 Minuten interessant. Die Vermeidung von kitschigen Szenen und Handlungselementen steht der Serie außerdem gut zu Gesicht.

Fazit

Nun, mit der Heimkinoveröffentlichung von „Rampensau – Staffel 1“ lässt sich zudem feststellen, dass die Serie – am Stück gesehen – noch besser in den Bann zieht, als durch die Ausstrahlung von Doppelfolgen im Fernsehen; insbesondere, da hier keine abgeschlossenen Episoden geboten werden, sondern die Serie nahezu ausschließlich einen die gesamte Staffel umfassenden Handlungsstrang verfolgt.

Bleibt zu sagen: Frech, laut und impulsiv bringt „Rampensau“ frischen Wind in den TV- und Heimkino-Alltag.

 

Trailer

Handlung

„Ich hab‘ nur die Wahl, ob ich in ein Blumenbeet falle oder in die Scheiße. Und klar will ich in die Blumen fallen. Aber da gibt’s irgendwas in mir, das ist tierisch von der Scheiße angezogen. Und ich kann nichts dagegen tun. Verstehste?“

Das ist Shiri, 30, Schauspielerin, Fast-Single, wohnhaft in Berlin – und pleite. Ihr letztes Vorsprechen ging in die Hose, ihre große Liebe ist weg, der peinliche Mini-Job verloren. Ein echt beschissener Tag. Doch der ist noch nicht zu Ende.
Als sie auf einem Gartenfest des Polizei-Chefs kellnert und ihr (Ex-)Freund mit 500 Ecstasy-Pillen festgenommen wird, endet ihre Pechsträhne auf der Polizeiwache. Und diese eine verdammte Frage ändert dort ihr ganzes Leben: „Wie sehr liebst du deinen Freund?“ Leider sehr.

Die Rebellin mit dem losen Mundwerk und dem großen Herzen, die aussieht, als wäre sie gerade einmal 16 Jahre alt, erhält ausgerechnet von der Polizei das Rollenangebot ihres Lebens: Shiri soll als Undercover-Ermittlerin in eine elitäre Schule eingeschleust werden und dort einen Dealer-Ring auffliegen lassen.

(Quelle: Universum Film)

Episoden

01 Die Verhaftung
02 Das Angebot
03 Die Prüfung
04 Die Schule
05 Das Geheimnis
06 Die Pillen
07 Clubbing
08 Die Suche
09 Das Kartell
10 Das Finale

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 31.01.2020
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 465 Minuten

Copyright Cover: Universum Film GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde