Review

Ob Charles Manson in Tarantinos Streifen „Once Upon a Time in Hollywood“ und dem Horror-Thriller „The Haunting of Sharon Tate“ oder Ted Bundy in Joe Berlingers Biopic-Thriller „Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile“Serienmörder stehen in der Filmindustrie immer wieder hoch im Kurs.

DIY-Serienkiller

Mit der Verfilmung „Quick: Die Erschaffung eines Serienkillers“ führt Regisseur Mikael Håfström die Zuschauer nach Skandinavien und damit zu Thomas Quick (gebürtig Sture Ragnar Bergwall), seinem wohl gefährlichsten Serienmörder, mit dem Schweden ab den 90er Jahren von sich reden machte – dies jedoch eher nach dem Motto: Jedes Land sollte einen Serienmörder haben. Denn wie sich durch die intensiven Recherchen und Bemühungen des investigativen Journalisten Hannes Råstam und seiner Kollegin Jenny Küttim herausstellte, saß der als achtfacher Mörder Verurteilte, der darüber hinaus 33 weitere bis dato ungelöste Mordfälle gestand, alle jedoch nach Erhalt einer Psychotherapie widerrief, somit unschuldig in einer psychiatrischen Anstalt ein.

Sein Fall sorgte nicht nur international für Aufsehen, sondern brachte auch das schwedische Justizsystem ins Wanken und zog eine öffentliche Diskussion über die Methoden der Polizei nach sich.

Basierend auf diesen wahren Ereignissen – und nach dem internationalen Bestseller von Hannes Råstam – erzählt der Thriller „Quick: Die Erschaffung eines Serienkillers“ die Geschichte des Thomas Quick und die damit einhergehende Suche nach der Wahrheit durch zwei Journalisten.

Nüchterne Abhandlung

Als „Geschichte über Schwedens berüchtigten Serienmörder Thomas Quick“ angekündigt, wird der Film allerdings all jene enttäuschen, die dahinter waschechte True Crime oder eine Art Biopic eines Psychopathen erwarten. In ruhigen Bildern und auf entschleunigte Art dominieren Dialoge das Geschehen, das relativ sachlich und trocken dargeboten wird.
Entsprechend bleiben emotionale Momente auf der Strecke. Weder der sich herauskristallisierende Justizskandal noch das Schicksal des vermeintlichen Serienkillers sowie die später Erwähnung findende tödliche Krebserkrankung des Journalisten tangieren die Zuschauer daher in dem Ausmaß, wie es eigentlich zu erwarten und wünschenswert gewesen wäre. Eine beiläufige Randnotiz bleibt schließlich auch die Tatsache, dass all die Quick zugeschriebenen Morde bis heute ungeklärt geblieben sind, sodass nicht nur ein Mörder noch auf freiem Fuß lebt, sondern auch die Angehörigen der Opfer wohl keine endgültige Aufklärung erfahren werden.

Dies alles inszeniert man jedoch in angemessen kühlen, gedeckten Bildern, die den skandinavischen Ursprung der Produktion ebenso erkennen lassen, wie sie die Stimmung des Films ausreichend widerspiegeln versuchen. Schön anzusehen.

Jonas Karlsson ist als investigativer Journalist Hannes Råstam auf der Suche nach der Wahrheit in „Quick: Die Erschaffung eines Serienkillers“. (Copyright: Koch Media)

Auch den SchauspielerInnen, allen voran die Hauptfiguren (David Dencik als Thomas Quick, Alba August als Jenny Küttim und Jonas Karlsson als Hannes Råstam), folgt man bei ihrem Tun gerne, nachdem man sich anfänglich allerdings einige Zeit gefragt hat, wohin die Handlung führen wird. So bleiben beispielsweise die Beweggründe des Recherchebeginns durch Råstam und Küttim zunächst unklar und undurchsichtig.

Dadurch mag auch der Titel „Die Erschaffung eines Serienkillers“ mitunter irreführend sein. Obschon die Motive Quicks herausgearbeitet und für die Zuschauer deutlich werden, ist es nicht sein Weg zum vermeintlichen Serienkiller, der hier nachgezeichnet wird. Im Fokus steht vielmehr der Weg hin zur Aufklärung eines Justizirrtums – und damit letztlich der Journalist Råstam.

Fazit

Alles in allem ist „Quick: Die Erschaffung eines Serienkillers“ eher eine nüchterne Abhandlung, als dass das Ausmaß eines solchen „Skandals“ sowie die Emotionalität des Falls in vollem Umfang zum Ausdruck kommt.

Ein wichtiger Film, der jedoch hinter seinem Potenzial zurückbleibt.

Trailer

Handlung

Basierend auf wahren Ereignissen und nach dem internationalen Bestseller von Hannes Råstam, erzählt der düstere und fesselnde Thriller die unfassbare Geschichte des Thomas Quick, der als gefährlichster Serienmörder Schwedens galt. Doch zwei Journalisten bezweifeln seine Schuld und bringen so das ganze Justizsystem ins Wanken.

Der Einzelgänger Thomas Quick sitzt als achtfacher Mörder in einer psychiatrischen Anstalt und gilt als skrupelloser Serienmörder. Doch der investigative Journalist Hannes Råstam und seine Kollegin Jenny Küttim zweifeln an dem Urteil und beginnen gegen alle Widerstände, die Hintergründe zu den Mordfällen zu recherchieren. Doch je tiefer sie in den Fällen graben, umso größere Ungereimtheiten kommen ans Tageslicht, und ein ganzes Justizsystem gerät ins Wanken…

(Quelle: Koch Media)

Details

Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Bildformat: 2.66:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch, Schwedisch
Untertitel: : Deutsch
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 10.12.2020
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: ca. 131 Minuten
Extras: Interviews, Trailer

Copyright Cover: Koch Media GmbH



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde