Review

Es soll wohl einige Anime-Fans geben, die Wert auf gezeichnete Mädels legen, die nicht nur halbnackt rumlaufen, sondern sich am besten gegenseitig noch auf irgendeine Art und Weise raufen. „Queen’s Blade: Rebellion“ verspricht „heiße Girls, heiße Kämpfe, heiße Jokes“. Daher sollte doch der eine oder andere hier auf seine Kosten kommen, oder? Außerdem ist der Anime komplett in japanischer Originalvertonung, also kein Ärger mit halbherziger deutscher Synchro.

Und was die Reihe verspricht, das hält sie auch. „Queen’s Blade: Rebellion“ ist einer dieser Animes, bei dem man am besten einfach den Kopf ausschaltet und nur visuell genießt. Tatsächlich bringt man es hier mit der bereits dritten Staffel – was die Erotik angeht – auf ein neues Level. Kaum eine Folge vergeht ohne anzügliche Anspielungen, Panty-Shots oder nackte Haut. So viel, dass man die eigentliche Handlung schon fast vergessen hat.

Man darf sich auf energiegeladene Action Frau gegen Frau gefasst machen. (Copyright: 2012HobbyJAPAN/QUEEN’S BLADE REBELLION PARTNERS)

Man darf sich auf energiegeladene Action „Frau gegen Frau“ gefasst machen. (Copyright: 2012HobbyJAPAN/QUEEN’S BLADE REBELLION PARTNERS)

Was? Hier gibt es eine Handlung? Allerdings.
Nachdem die Königin Claudette als Siegerin der Queens-Blade-Turniere hervorging, erlangte sie die Herrschaft über das Königreich. Doch was anfangs noch eine Menge Gutes nach sich zog, endete bald in einer Terrorherrschaft. Kurzerhand wurden die Turniere zur Machterhaltung abgeschafft.
Doch es gibt immer noch ein paar Individuen, die sich gegen das System auflehnen, sich verbünden und so zu einer Rebellion ansetzen.

Wenn man dann noch bedenkt, dass der kriegerische Teil ausschließlich von Frauen besetzt ist, klingt das Ganze wie eine schlechte Ausrede dafür, weibliche Figuren in knappen Outfits gegeneinander kämpfen zu lassen. Es geht also in üblicher Fantasy-Manier raus in die Welt, um der Gefahr ins Auge zu blicken. Nicht gerade ein Geniestreich, aber es erfüllt wohl den Zweck.

Nun wird es aber etwas schwierig, denn „Queen’s Blade: Rebellion“ zielt keineswegs darauf ab, mit innovativen Storyelementen zu glänzen. Es geht ausschließlich darum, den Libido-Spiegel so hoch wie möglich zu halten. Aber es ist ja nicht so, dass ein großer Teil der Anime-Welt nicht ebenfalls diese Züge aufweist. Im Gegenteil, bei vielen ist es sogar vonseiten der Fangemeinde und schon aus Prinzip erwünscht. „Queen’s Blade“ lässt keine Gelegenheit aus, dies auf die Probe zu stellen.

Dieser Anime besteht schon fast zu 100 Prozent aus der Darstellung des blanken weiblichen Oberkörpers; sei es in Kämpfen, bei denen die Verliererin sämtliche Kleidung verliert, provokativ verrutschender Klamotten oder einfach nur so. Diese Dichte an erotischem Material ist so groß, dass es spätestens nach der dritten Episode komplett ausgeschöpft ist und nicht mehr annähernd für den (männlichen) Zuschauer interessant oder irgendwelche Geheimnisse bietet, auf die man sich freuen könnte. Zuweilen wirkt dies so stark, dass man sich zur Abwechslung einfach ein wenig normale Handlung zurückwünscht.
Gleiches gilt für die Charaktere, die so viel Tiefe bieten wie ein Schnapsglas und nie mehr zu bieten haben. Da hat selbst der Tintenfisch, der manchmal durch die Folgen schleicht und alles Mögliche angrabbelt, mehr Persönlichkeit – und der ist nur eine witzige Einlage für zwischendurch.

So weit, so gut – oder „so schlecht“ würde es wohl treffender beschreiben. Gibt es denn überhaupt positive Aspekte an „Queen’s Blade: Rebellion“, wenn schon nackte Tatsachen den Zuschauer nicht bei Laune halten können? Kaum zu glauben, aber genau wie die Handlung sind auch diese vorhanden. Die Animationen sind nämlich überraschend gut. Wenn es bei der Action nicht gerade um das Zerfetzen jeglicher Kleidung geht, kann „Queen’s Blade: Rebellion“ auch mal gut mitreißen. Das Studio Arms hat hier ordentliche Arbeit geleistet; man darf nicht vergessen, dass die gleiche Truppe auch für den in der Fangemeinde hoch verehrten Anime „Elfen Lied“ verantwortlich war. Dementsprechend gestaltet sich auch das Design der Outfits, die optisch immer irgendwo zwischen Fantasy und Steampunk variieren. Geht man mal nicht davon aus, dass jede neue Figur quasi nur Frischfleisch ist, eröffnen sich hier kreative Darstellungen. Auch bei den sauber ausgearbeiteten Hintergründen fragt man sich immer wieder, warum man hier nicht einfach einen normalen Fantasy-Anime mit mehr Substanz hätte entstehen lassen können.

Auf mal mehr und mal weniger leicht bekleidete Damen wird man hier immer wieder treffen. (Copyright: 2012HobbyJAPAN/QUEEN’S BLADE REBELLION PARTNERS)

Auf mal mehr und mal weniger leicht bekleidete Damen wird man hier immer wieder treffen. (Copyright: 2012HobbyJAPAN/QUEEN’S BLADE REBELLION PARTNERS)

Wer sich weiter durch die Folgen quält, um irgendwie die Handlung zum Ende bringen zu können, darf sich am Anfang immer wieder auf das Intro freuen. Es ist erschreckend, wie einen dieser Song samt visueller Begleitung irgendwie doch wieder auf das Ganze einzustimmen vermag.

Dennoch schafft es auch das beste Intro nicht, „Queen’s Blade“ interessanter zu machen. Mag ja sein, dass die eigentliche Intention hinter dem Anime jene ist, weitgehend den Fanservice zu bedienen, aber selbst das wirkt auf Dauer ermüdend.

Wen das nicht abschreckt, der bekommt obendrein noch sechs Bonus-Episoden, die ausschließlich auf den Ero-Faktor aus sind. Am Ende muss man selbst entscheiden, wie hoch man seine Ansprüche setzt. „Queen’s Blade“ bedient auf jeden Fall die niedersten.

Trailer

Handlung

Das Queen’s-Blade-Turnier gibt es nicht mehr. Königin Claudette sieht sich als einzig wahre Herrscherin des Landes und hat es deshalb kurzerhand abgeschafft. Es werden zwar nun im ganzen Königreich neue Turniere abgehalten, bei denen Kriegerinnen ihr Können und ihre Schönheit unter Beweis stellen müssen, aber das Volk leidet unter der Tyrannei der Königin. Annelotte Kreuz verbündet sich mit den Rebellen, um Claudettes Schreckensherrschaft ein Ende zu setzen und die alte Ordnung wiederherzustellen.

(Quelle: Nipponart)

Details

Format: PAL
Sprache: Japanisch Dolby Digital 5.1, DTS 5.1
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Gonzo
Publisher: Nipponart
Erscheinungstermin: 25.03.2016
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer: ca. 300 Minuten
Extras: Booklet, 6 Mini-Bonus-Episoden

Copyright Cover: Nipponart



Über den Autor

Christopher