Review

Der Regisseur Zack Parker nimmt in „Proxy“ ein medizinisches Phänomen als Grundlage für einen qualitativ hochwertigen Thriller. Das „Münchhausen by Proxy Syndrom“ ist eine psychische Erkrankung, die sich darin äußert, dass (zumeist) Mütter – nur um Aufmerksamkeit zu erhaschen – Krankheiten ihrer Kinder erfinden. Dabei sind sie oftmals fest davon überzeugt, dass die eigenen Kinder tatsächlich an den erdachten Krankheiten leiden.

Die Protagonistin Esther, welche nach einem Überfall ihr Kind verloren hat, sucht Hilfe bei einer Selbsthilfegruppe. Dort trifft sie auf Melanie, die offensichtlich ein ähnliches Schicksal erlitten hat. Recht bald erkennt Esther, dass das Kind von Melanie entgegen ihrer Aussagen bei bester Gesundheit ist. Doch nicht nur Melanie hat ein dunkles Geheimnis …

„Proxy“ ist ein Film, der sich sehr viel Zeit nimmt, bis er seine volle Wirkung entfaltet. Dabei ist „Proxy“ allerdings zu keinem Zeitpunkt langweilig. Dies liegt vor allem an einer konstant herrschenden, verstörenden und manchmal bedrohlichen Atmosphäre und zum anderen an immer wieder gekonnt inszenierten Schockmomenten, die insbesondere dadurch sehr gut wirken, weil sie nicht überproportional häufig eingesetzt werden.

Wenn es in "Proxy" blutig wird, dann richtig... (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Wenn es in „Proxy“ blutig wird, dann richtig… (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Wer also ob der FSK-18 Klassifizierung auf dem Cover auf einen blutigen Splatterfilm hofft, wird enttäuscht sein. Vielmehr ist „Proxy“ ein sehr anspruchsvoller Thriller mit gelegentlichen – zugegebenermaßen ziemlich blutigen – Szenen, die den Zuschauer zuverlässig aufrütteln.

Doch „Proxy“ ist nicht nur aufgrund der Handlung sowie der Inszenierung ein sehenswerter Film. Es wurde offensichtlich sehr viel Wert auf den Cast gelegt, denn sämtliche Schauspieler machen in diesem Film einen hervorragenden Job. Von den Hauptdarstellern bis hin zu den Nebenrollen werden alle Figuren authentisch dargestellt, wodurch es wirklich schwerfällt, sich von diesem Film zu lösen.
Ein atmosphärischer, dezenter Soundtrack sowie erschreckend echt wirkende Effekte runden das Gesamtpaket ab.

„Proxy“ hat mich überrascht. Ich war auf literweise Kunstblut eingestellt, als ich den Streifen in meinen DVD-Player einlegte, und wurde positiv von einem packenden Thriller überrascht. Obwohl „Proxy“ durchaus einige Längen hat, wird der Film zu keinem Zeitpunkt wirklich langweilig, denn man erwartet ständig irgendein drastisches Ereignis. Allerdings treten diese regelmäßig in genau den Momenten ein, wenn man nicht auf sie eingestellt ist.

Wer also ein Faible für anspruchsvolle, intelligente und sehr gut produzierte Thriller hat, sollte über eine Anschaffung dieses Streifens ernsthaft nachdenken, es wird sicherlich kein Fehlkauf sein. Man sollte jedoch nicht erwarten, dass der Film durchgehend rasant ist.

Trailer

Handlung

Für Esther war es ein Schock: Kurz vor der Geburt ihres Kindes wurde sie nach einem Arztbesuch auf dem Heimweg ohne Vorwarnung von einem vermummten Unbekannten niedergeschlagen. Als sie im Krankenhaus erwacht ist ihr ungeborenes Kind tot. Seelische Unterstützung findet sie in einer Selbsthilfegruppe, wo sie Melanie kennen lernt, die einen ähnlichen Schicksalsschlag hinnehmen musste. Doch die scheinbar heile Fassade ihrer neuen Freundin beginnt allmählich zu bröckeln. Durch Zufall findet Esther heraus, dass Melanies Kind sehr wohl noch am Leben ist und sie die ganze Zeit belogen wurde. Esther trifft eine folgenschwere Entscheidung.

(Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 14.10.2014
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: 118 Minuten

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.