Review

Einen Traum zu leben, bedeutet manches Mal auch Opfer bringen zu müssen. Das diesbezügliche Für und Wider einer solchen Entscheidung stellt das Drama „Proxima – Die Astronautin“ unter der Regie von Alice Winocour eindrucksvoll dar.

Wie der Name schon sagt, geht es um eine Astronautin, genauer gesagt um Sarah, gespielt von Eva Green. Ihr steht die Erfüllung ihres großen Traums bevor: Der Start einer einjährigen Mission zum Mars. Doch um ins All zu fliegen, muss Sarah ihre 7-jährige Tochter Stella auf der Erde zurücklassen.

Zwischen Traum und Wirklichkeit

Astronautin Sarah (Eva Green) in den Vorbereitungen für einen Weltraumflug. (Copyright: Koch Films)

Auf insgesamt 103 Minuten gewährt „Proxima – Die Astronautin“ Einblicke sowohl in die Vorbereitungen für einen Weltraumflug als auch in das Seelenleben der Protagonistin. Diese realistischen Science-Fiction-Momente, geprägt durch Szenen harten und authentisch wirkenden Trainings, verbinden sich gekonnt mit den Drama-Aspekten des Films, die das Mutter-Tochter-Verhältnis immer wieder auf eine harte Probe stellen. Dabei stehen Geschlechterrollen ebenso auf dem Prüfstand wie die persönlichen „Dramen“ der Mutter (Eva Green), aber auch der Tochter (Zélie Boulant).

Gerade letztgenannte liefert trotz ihres jungen Alters eine hervorragende schauspielerische Leistung ab. In Kombination mit dem Schauspiel von Green und ihrem Film-Ex-Mann, gespielt von Lars Eidinger, weiß die erzählte Geschichte zu berühren – und steht insgesamt exemplarisch für alle (als Astronautin) berufstätigen Mütter.

Jene Astronautinnen, die in der Vergangenheit bereits Familie und Beruf vereinbaren und ihre Kinder entsprechend für eine gewisse Zeit verlassen mussten, würdigt man im Abspann dann auch mit Bildern. Eine schöne Geste, die zudem noch einiges an Informationen bereithält.

Mit u.a. Matt Dillon und Sandra Hüller in weiteren Rollen wird der Cast durch namhafte nationale und internationale Schauspieler:innen komplettiert. Doch obschon diese ebenfalls ihr Können solide abrufen, treten sie eher in den Hintergrund.

Hintergründig wirkt auch der Soundtrack auf passende Art und Weise. Vor allem der Song „You’re High“ von Agar Agar ist diesbezüglich positiv hervorzuheben und begleitet u.a. den bereits erwähnten Abspann.

Eva Green und Zélie Boulant als Mutter-Tochter-Gespann im Drama „Proxima – Die Astronautin“. (Copyright: Koch Films)

Mit Identifikationspotenzial ausgestattet und glaubhaft gespielt, sorgen die Figuren in „Proxima – Die Astronautin“ dafür, sich selbst einmal die Frage zu stellen, wie man an ihrer statt handeln würde.

Was über den gesamten Film gezeigt wird, ist plausibel, nachvollziehbar und voller unterschiedlicher Emotionen. Einzig gegen Ende verliert „Proxima – Die Astronautin“ an Glaubwürdigkeit. Hier entspricht der Wunsch nach einem Happy End und familiärer Idylle (in Form eines Mutter-Kind-Trips zur Rakete) den realistischen Tatsachen (in diesem Fall das Einhalten der Quarantäne) wohl kaum.

Fazit

Wer hier aufgrund des Titels einen waschechten Sci-Fi-Film erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Als weitgehend  realistisches Drama kann „Proxima – Die Astronautin“ jedoch überzeugen. Die inneren Konflikte einzelner Figuren bringt man ebenso gut zum Ausdruck wie die Einblicke „hinter die Kulissen“ zur Vorbereitung eines Weltraumflugs. Berührend und gleichzeitig ein Stück weit informativ.


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Trailer

Handlung

Die Menschheit steht an der Schwelle zu einer neuen Ära: Die Eroberung des Mars steht unmittelbar bevor, eine letzte Mission bereitet den epochalen Griff nach den Sternen vor. Astronautin Sarah befindet sich kurz vor dem Moment, auf den sie ihr gesamtes Leben hingearbeitet hat. Doch je näher der Start rückt und je härter die Ausbildung wird, umso größer wird der Druck, der auf Sarah lastet. Denn um ins All zu fliegen, muss Sarah ihre Tochter auf der Erde zurücklassen …

(Quelle: Koch Films)

Details

Sprache: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Ton: Dolby Digital 5.1
Bildseitenformat: 1.85:1 (16:9)
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 25.11.2021
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: ca. 103 Minuten
Extras: Trailer

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde