Review

„Prison School“ ist eine der Serien, die auf der Bildfläche erscheinen und mal direkt alle Grenzen eines kommerziellen Animes überschreiten. Überzogene Ero-Comedy ist da noch eine Untertreibung.
Irrational, vollkommen übertrieben, sexistisch, aber vielleicht auch individuell?

Der Plot bietet im Kerngedanken generell keinen Durchbruch im Genre, obwohl das Drumherum in dieser Weise noch nicht vorgekommen ist: Vier Jungen und eine Schule voller Mädchen. Doch schon bald verwandelt sich dieses utopische Setting für die männlichen Protagonisten in einen (mehr oder weniger) Albtraum. Des Spannens angeklagt werden die fünf Jungs in ein Gefängnis gesperrt, das sich mitten auf dem Schulgelände befindet.

„Prison School“ wird die Gemüter sicherlich spalten. Es wird diejenigen geben, die auf der Suche nach ihrer täglichen Portion Fanservice hier an ihre Grenzen stoßen. Dann wird es jene geben, die sich bereits nach der ersten Folge angewidert abwenden und diesen Anime als Trash abstempeln. Denn eigentlich ist „Prison School“ genau das: Trash. Gleichzeitig wird mancher vielleicht der Ansicht sein, dass es immerhin unterhaltsamer Trash ist.

Man setzt hier keineswegs auf eine tiefgründige Story oder Charaktere, ganz im Gegenteil. Es wird vielmehr Szenen geben, die so nah an der moralischen Schmerzgrenze stattfinden, dass sie sich wohl oder übel in die Netzhaut brennen werden.
Dieser Anime hat daher eine Menge Dinge, die kritisiert werden könnten, aber genau darauf setzt „Prison School“: auf den Schockeffekt. Gleichermaßen wird dieses Prinzip auf die Figuren übertragen. Was die Protagonisten nicht an Charakterdetails besitzen, machen sie durch ein Cartoon-Design wieder wett. Generell wirkt alles immer etwas überzogen.

Überzogen ist auch die sexistische Darstellung der weiblichen Akteure. Diesbezüglich kennt „Prison School“ überhaupt keine Scham. Fanservice ist schon gar kein Ausdruck mehr. Und dennoch wieder das Thema Femdom ziemlich hochgehalten, da das weibliche Geschlecht die Hosen anhat und die Protagonisten sowohl psychisch als auch physisch durchgehend erniedrigt – was aufgrund der Notgeilheit der Jungs immer wieder in wahnwitzigen Situationen endet.

Humor ist dann auch wieder so eine Sache, denn dieser ist selbst für Verhältnisse des japanischen Slapstick-Humors einfach zu stumpf und vor allem derb. Für Zuschauer, die sich auf diesen Witz einlassen können, wird es hingegen ein wahres Fest der Unterhaltung, besonders weil die Sprüche immer beiläufig zum Einsatz kommen.

Ein weiteres Problem des Ganzen ist die Anzahl an Folgen (lediglich drei Episoden mit einer Laufzeit von ca. 25 Minuten), die man mit der ersten Ausgabe erhält. Damit bekommt man ungefähr die ersten beiden Bänder der originalen Manga-Reihe. Schwer zu sagen, ob einem das reicht, denn mit einer weiteren Folge hätte „Prison School“ etwas mehr Substanz und der Zuschauer mehr Bezug zu den Charakteren bekommen.

Doch genug der kontroversen Aspekte des Animes. Hat „Prison School“ neben weiblichen Rundungen denn visuell noch etwas zu bieten? Erstaunlicherweise hat J.C. Staff hier optisch ein beeindruckendes Werk hingelegt. Die Farbgebung ist das, was diesen Anime ausmacht. Entgegen der sonst platten Farbpalette, die andere Serien aufweisen, dominiert hier ein sehr düsterer Stil, der überzeugt. Natürlich ist auch etwas CGI vertreten, aber qualitativ ist „Prison School“ gut produziert.

Man kann darüber diskutieren, ob man hier nette Aussichten genießen darf. (Copyright: Akira Hiramoto, KODANSHA/Prison School Partners)

Man kann darüber diskutieren, ob man hier nette Aussichten genießen darf. (Copyright: Akira Hiramoto, KODANSHA/Prison School Partners)

Allen, die durch Untertitellesen und gleichzeitigem Verfolgen der Episoden mit ihrem Multitasking an ihre Grenzen stoßen, ist die deutsche Synchro zu empfehlen. Anfangs noch etwas holprig, spielen sich die Stimmen sehr gut ein und bringen sogar den Humor des Animes glänzend herüber. Natürlich kann man aber auch auf die japanische Originalvertonung schalten.

Rückblickend betrachtet ist es schwer, diesen Anime gerecht zu bewerten, da er auf seine Zuschauer derart polarisierend wirkt. Für „Prison School“ wird man entweder völlige Zu- oder Abneigung empfinden, ein „Dazwischen“ gibt es nicht, insbesondere deshalb, da es eben so provokant zugeht und der Anime mit jeglichen Klischees gespickt wurde.

Die Kaufentscheidung wird am Ende ebenfalls durch das Preis-Leistungs-Verhältnis beeinflusst werden. Einzig der mitgelieferte Sammelschuber gleicht das Ganze ein wenig aus.

Wie man sich letztlich auch entscheidet: „Prison School“ ist auf jeden Fall so absurd unterhaltsam, dass dieser Anime vielleicht sogar das Potenzial zum Kultstatus besitzt.

Handlung

Die Hachimitsu-Oberschule ist wie der feuchte Traum vieler junger Männer: Mädchen in kurzen Röcken so weit das Auge reicht. Für Kiyoshi und seine Freunde wird dieser Traum zur Wirklichkeit, als sie als erste Jungs an dieser vormals exklusiven Mädchenschule zugelassen werden. Durch das vorherrschende Überangebot an weiblichen Reizen ist es natürlich kein Wunder, dass sich die jungen Männer ihren Lüsten hingeben wollen. Allerdings haben sie die Rechnung ohne den Geheimen Schülerrat gemacht, der die Triebtäter kurzerhand hinter Schloss und Riegel sperrt.

(Quelle: Nipponart)

Details

Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Japanisch (DTS-HD 5.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 29.07.2016
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: J.C. Staff
Publisher: Nipponart / (Nipponart Shop)
Erscheinungstermin: 29.07.2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: ca. 75 Minuten
Extras: Sammelschuber, Booklet, Sticker

Copyright Cover: Nipponart



Über den Autor

Christopher