Review

Carlo Collodis „Pinocchio“ brachte schon vielfältige Spielarten und Adaptionen des Stoffes in Literatur, Film und Fernsehen hervor. Besonders bekannte Vertreter sind sicherlich „A.I. – Künstliche Intelligenz“ von Steven Spielberg und vor allem der zeitlose abendfüllende Trickfilm aus der „Meisterwerke“-Reihe von Walt Disney.

Obwohl die Disney-Variante schon recht düster und keineswegs durchgehend kindgerecht geraten ist, ist Matteo Garrone geradezu prädestiniert, dem Märchenstoff in Sachen Düsternis und Ernsthaftigkeit nochmals gehörig einen draufzusetzen. Denn ebenjener italienische Regisseur inszenierte mit „Das Märchen der Märchen“ bereits eine fantastische Erzählung, die eigenwillig düster war und sich eher an ein erwachsenes Publikum richtete.

Der bekannte Inhalt

Der Tischler Geppetto (Roberto Benigni) lebt einsam und zurückgezogen in einem kleinen Dorf in Italien. Am Hungertuch nagend, erhält Geppetto von einem anderen Dorfbewohner ein geradezu lebhaftes Stück Holz. Aus diesem möchte der kauzige Tischler die schönste Marionette schnitzen, die die Welt jemals gesehen hat.

Nachdem das Handwerk vollendet und das Holz schön in Form gebracht ist, kann der Meister seinen Augen nicht trauen: Die Puppe erwacht zum Leben. Geppetto ist überglücklich und tauft seinen holzigen Sohn Pinocchio. Um der Puppe eine schulische Bildung zu ermöglichen, gibt Geppetto wörtlich seine letzte Jacke her. Pinocchio ist jedoch eigensinnig und rücksichtslos. Nachdem den Jungen die Abenteuerlust gepackt hat, lässt er das Dorf und seinen Vater – krank vor Sorge – zurück.

Öde Umsetzung 

Das Beste zu Beginn: Garrones Adaption des bekannten Stoffs weist eine schöne handgemachte Optik – fernab des inzwischen allgegenwärtigen CGI-Bombasts – auf. Ein solches „Creature Design“ dürfte gerade echten Liebhabern von klassischen Fantasy-Filmen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Wie schon der Disney-Film ist sicherlich auch der hiesige ein düsterer und gewiss kein (reiner) Kinderfilm, in dem wir bildhaft einige schwermütige Grausamkeiten sehen.

Der kleine Pinocchio wird ein ums andere Mal in Versuchung geführt. (Federico Ielapi als Pinocchio; Copyright: capelight pictures)

Vom Gesamteindruck her ist der 2019er „Pinocchio“ jedoch eine ziemlich dröge, einfallslose und zähe Angelegenheit.

Dem italienischen Regisseur gelingt es nicht, dem im kollektiven Gedächtnis abgespeicherten Märchen innovative oder eigenwillige Aspekte abzugewinnen oder diesem einen anderen neuen Sinn oder Bezug zu geben. Dabei ist diese Verfilmung leider auch zu keiner Zeit wirklich spannend, witzig oder unterhaltsam. In seinen besten Szenen kommt er allenfalls mal ulkig oder sonderlich daher. Beispielhaft sei die bekannte Flucht aus dem Walbauch genannt, die im Zeichentrick-Klassiker von Disney als dynamisches Abenteuer und hier als einschläferndes und unspektakuläres Entkommen in Szene gesetzt ist.

Der Film weiß der hinlänglich bekannten Geschichte keine neuen Aspekte hinzuzufügen.

Fazit

In Sachen Märchen beherrscht Matteo Garrone das Handwerk, aber (noch) nicht die Kür. Wie schon bei „Das Märchen der Märchen“ ist die Prämisse, düstere Märchen für Erwachsene zu inszenieren, besonders reizvoll. Die filmische Umsetzung gelingt dann – hier wie dort – alles andere als reibungslos. „Pinocchio“ ist weniger aufregend, als vielmehr schlaffördernd.

Trailer

Inhalt

Der Tischler Geppetto (Roberto Benigni) lebt einsam und zurückgezogen in einem kleinen Dorf in Italien. Ein vorbeiziehendes Marionettentheater bringt ihn auf die Idee, sich aus einem Stück Holz eine eigene Puppe zu schnitzen, die ihm Gesellschaft leisten soll. Schon bald nimmt der Klotz die Form eines kleinen Jungen an, der dann urplötzlich zum Leben erwacht. Der Tischler verkündet stolz, dass Pinocchio (Federico Ielapi), wie er den hölzernen Knaben tauft, sein Sohn sei. Damit der Junge eine gute Ausbildung bekommt, schickt Geppetto ihn zur Schule. Doch Pinocchio hat ganz andere Dinge im Kopf und reißt von zu Hause aus. Das freche Bürschlein stolpert daraufhin von einem Missgeschick ins nächste und muss – um zu seinem besorgten Vater zurückkehren zu können – eine Reihe aufregender Abenteuer bestehen.

(Quelle: capelight pictures)

Details

Format: Breitbild
Bild: 16:9 – 2.35:1
Untertitel: Deutsch
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 16.10.2020
Produktionsjahr: 2020
Spieldauer: 124 Minuten

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)