Review

Birmingham, 1921. Die Industriemetropole strotzt nur so vor Gestank und Abfall – letzteres nicht nur in Form von Müll auf den Straßen. Kleinkriminelle und Gangster treiben hier ihr Unwesen, politische Aktivisten machen sich einen Namen. Thomas Shelby, nach dem 1. Weltkrieg zum Kopf der „Peaky Blinders“ aufgestiegen, hat seiner Familie ein Imperium geschaffen, das sich sehen lassen kann, wenn auch mit fraglichen Mitteln. Doch Birmingham ist Shelby nicht mehr genug und er treibt gemeinsam mit seinen Brüdern die Expansion des Clans auch über die Birmingham-Grenzen hinweg voran. Nächstes Ziel: London.

Doch die alteingesessenen Gangster Londons wollen sich von Emporkömmling Shelby nicht das Geschäft vermiesen lassen und auch in heimischen Gefilden rasseln die Feinde des Clans schon mit den Säbeln, allen voran Sonderermittler Campbell, der den von ihm so verhassten Gangstern ähnlicher wird, als er merkt.

Cillian Murphy gibt als Thomas Shelby den harten Gangster in Peaky Blinders. (Copyright: Koch Media)

Cillian Murphy gibt als Thomas Shelby den harten Gangster in Peaky Blinders. (Copyright: Koch Media)

„Peaky Blinders – Gangs of Birmingham“ ist eine Serie der BBC, deren erste Staffel ab September 2013 über britische Bildschirme flimmerte, die zweite folgte ab Oktober 2014. Im gleichen Jahr erwarb Netflix die alleinigen US-Rechte und beide Staffeln sind seit November beim Streaming-Dienst verfügbar – zumindest in den USA. In Deutschland ist die erste Staffel im Oktober 2014 auf DVD und Blu-ray erschienen, die zweite Staffel folgt jetzt.

Die Kurzserie mit nur 6 Episoden pro Staffel wartet mit einer hochkarätigen Cast auf – allen voran Cillian Murphy (Thomas Shelby), der aufgrund seiner Rollen in „28 Days Later“, der „The Dark Knight“-Trilogie und „Inception“ vielen bereits ein Begriff sein sollte. Doch auch Sam Neill (Chester Campbell), der bisher durch „Merlin“ und „Jurassic Park“ bekannt ist, kann sich sehen lassen. In Staffel zwei erhalten die beiden Unterstützung durch Tom Hardy (Alfie Solomons), der aktuell in „Mad Max: Fury Road“ brilliert, aber sich schon dank seiner Rollen in „Inception“ und „Bronson“ einen Namen machte.

Schöpfer und Autor Steven Knight („Locke“, „Seventh Son“) ließ sich für „Peaky Blinders“ von wahren Begebenheiten inspirieren. Ob die so genannten Peaky Blinders tatsächlich nur eine Gang waren oder ob sich der Begriff allgemein auf die gewalttätigen Jugendgruppen in und um Birmingham bezieht, ist jedoch nicht ganz klar. Fest steht: Knight schafft es, in seiner Serie die schmutzige und düstere Welt der Birminghamer und Londoner Gangs der 20er Jahre wieder ins Leben zu rufen. Mit Cillian Murphy hat er einen Thomas Shelby kreiert, dessen stechende blaue Augen einen gleichzeitig abstoßen und faszinieren. Sam Neill, den ich bis dato tatsächlich nur in seinen „freundlichen“ Rollen kennenlernte, zeigt in dieser Serie, dass er auch anders kann. Sein Major Campbell ist in zahlreichen Momenten kaum von den Gangstern um ihn herum zu unterscheiden.

Die Peaky Blinders sind keine Gentlemen. Kommst du ihnen in die Quere, dann ist eine gebrochene Nase häufig nur dein geringstes Problem. Wer in den mageren Jahren nach dem 1. Weltkrieg aufsteigen will, der schaut nicht nach links und rechts. Hier ist sich jeder selbst der Nächste. Entsprechend brutal geht es stellenweise in „Peaky Blinders“ zu. Wen rohe Gewalt abstößt, der sollte besser einen Bogen um die Serie machen. Die FSK16 ist nicht ohne Grund vergeben worden.

Fans guter Soundtracks sollten sich auf jeden Fall ein paar Stunden Zeit nehmen: Von Johnny Cash über Nick Cave and the Bad Seeds bis hin zu den Arctic Monkeys sind hier jede Menge hochkarätiger Bands und SängerInnen versammelt.

Frisch zur Cast gestoßen: Tom Hardy als Gangster-Boss Alfie Solomons in der zweiten Staffel von Peaky Blinders. (Copyright: Koch Media)

Frisch zur Cast gestoßen: Tom Hardy als Gangster-Boss Alfie Solomons in der zweiten Staffel von Peaky Blinders. (Copyright: Koch Media)

Aber „Peaky Blinders“ ist leider nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Während mir dies in der ersten Staffel noch nicht allzu negativ aufgefallen ist, umso deutlicher wurde es in der zweiten: Diese Serie hat ein Problem mit (sexueller) Gewalt gegen Frauen. Das Argument „Aber das war früher halt so!“ zählt hier nicht. „Peaky Blinders“ ist wie auch „Game of Thrones“ und Co. Fiktion – wie oben bereits erwähnt, ist nicht einmal klar, ob es die Gang so in dieser Form überhaupt gegeben hat – ob Vergewaltigungen und sexuelle Belästigung überhaupt ein Thema werden, liegt also in der Hand der Autoren und Produzenten. In Staffel 2 der „Peaky Blinders“ gibt es in fast jeder Episode einen Moment, in dem einer Frau sexuelle Gewalt angetan wird. Und jedes Mal war dieser Moment unnötig. Warum? Weil sie der Entwicklung des weiblichen Charakters in keinster Weise zutunlich war, das bestehende Problem auch anders gelöst hätte werden können und weil wir bereits genau wussten, dass der Täter ein schlechter Mensch ist. An einigen Stellen ist mir diese Problematik so negativ aufgefallen, dass ich beinahe aufgehört hätte, die Serie zu schauen.

Trotzdem ist „Peaky Blinders“ sehenswert. Für Staffel 3 erhoffe ich mir aber, dass die Autoren beginnen, ihre weiblichen Charaktere besser zu behandeln. Diese haben nämlich noch viel Potenzial.

Handlung

Die mittelenglische Industriemetropole Birmingham ist das Zuhause von politischen Aktivisten, radikalen Gangstern und Kleinkriminellen, die sich im Schatten von Hochöfen und Fabriken treffen. Mittendrin hat Tommy Shelby für seine Familie ein Imperium erschaffen, das mit legalen und illegalen Geschäften die Geschicke der Stadt über Jahrzehnte hinweg bestimmen wird. Doch je weiter der Shelby-Clan die Expansion auch außerhalb Birminghams vorantreibt, umso zahlreicher werden die Feinde. Kriminelle Gegenspieler haben sich die Auslöschung des Shelby-Clans zum Ziel gesetzt, alte Freunde werden zu Feinden und sogar Sonderermittler Campbell bewegt sich nicht immer ganz im Rahmen der legalen Möglichkeiten.

(Quelle: Koch Media GmbH)

Details

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: DVD 3, Blu-ray 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 25.06.2015
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 354 Minuten

Copyright Cover: Koch Media GmbH



Über den Autor

Jen
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"Bro. Seriously. Seriously, Bro." "Bro. BroBroBroBro. Seeeeriously." - Hawkeye, Vol. 1