Review

Bong Joon-ho

Vor nicht allzu langer Zeit haben wir hier noch ein Loblied auf das moderne Kino aus Südkorea gesungen (siehe „A Tale of Two Sisters“). Nunmehr ist dem südkoreanischen Regisseur und Drehbuchautor Bong Joon-ho („Memories of Murder“, „Okja“) ein Triumphzug durch die ganze Welt gelungen. Mit „Parasite“ schrieb er Kinogeschichte. Die faszinierende und pechschwarze Gesellschaftssatire erhielt unzählige Filmpreise, darunter die Goldenen Palme der Filmfestspiele von Cannes sowie den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film.

Der größte Erfolg sollte sich jedoch bei der Oscarverleihung 2020 einstellen. Erstmals ging in diesem Jahr der Preis für den besten Film des Jahres an eine ausländische Produktion. Ein absolutes Novum und ein riesiger Erfolg für Bong Joon-ho und das südkoreanische Kino im Allgemeinen. Darüber hinaus gewann der Virtuose den Oscar für die beste Regie sowie – gemeinsam mit Han Jin-won – für das beste Drehbuch. Die weitere Auszeichnung als bester internationaler Film krönte den perfekten Abend.

Finde den Eindringling!

Die Familie Kim stellt im wörtlichen Sinne den Bodensatz der Gesellschaft dar. Vater, Mutter, Sohn und Tochter (Song Kang-ho, Jang Hye-jin, Choi Woo-shik, Park So-dam) hausen in einer winzigen Wohnung, die noch unterhalb der Straßenhöhe liegt.

Das komplette gesellschaftliche Gegenteil ist die Familie Park. Eine elitäre Familie, die in einer sündhaft teuren Villa auf einer Anhöhe in der Hauptstadt Seoul lebt, umgeben von Designermöbeln und weiteren edlen Annehmlichkeiten des Lebens. Und wie es das Schicksal so will, sucht die ebenso naive wie wohlhabende Mutter Park (Cho Yeo-jeong) bald einen Nachhilfelehrer für Englisch. Hier kommt der Sohn der Kims, Kim Ki-woo ins Spiel, der sich als Elitestudent ausgibt und in der todschicken Villa einnistet. Zügig gelingt es der eingeschworenen Familie Kim mit großem Teamgeist, die bisherigen Bediensteten der Familie Park nach und nach loszuwerden und ihre gesamte Sippe als Kunstlehrerin, Fahrer der Familie und Haushälterin unterzubringen.

Alles könnte nun so schön sein, wenn da im Hause der Parks nicht noch weitere Parasiten lebten, von denen keiner ahnen konnte.

Brillante und böse Klassenkampfkomödie

Ja, Bong Joon-hos Film ist so gut, wie man hört. Das ist ganz großes und außergewöhnlich facettenreiches Kino.

„Parasite“ ist scharfzüngige Gesellschaftskritik, die nicht nur auf die gesellschaftlichen und sozialen Missstände Südkoreas, sondern der gesamten westlichen Konsumgesellschaft Bezug nimmt.

Im Gegensatz zu dem kürzlich erschienenen südkoreanischen Film „Burning“, der durchaus ähnliche Themen verhandelt, ist der Klassenkampf von Bong Joon-ho deutlich weniger sperrig und prätentiös und dadurch für den Zuschauer angenehmer konsumierbar.

Familie Kim (Song Kang-ho, Jang Hye-jin, Choi Woo-shik, Park So-dam) ist ganz unten angekommen.
(Copyright: Koch Media)

Dessen ungeachtet ist der Film nicht bloß böse und harte Gesellschaftskritik, sondern immer wieder auch kurzweilige und brüllend komische Unterhaltung. Bis dem Publikum – nach einer unvorhersehbaren Zuspitzung der Ereignisse – das Lachen im Halse stecken bleibt.

Der Film verfügt über überraschende Wendungen, großartige Darstellerinnen und Darsteller und ist dazu noch formal ästhetisch inszeniert.

Fazit

Bong Joon-ho ist als Vertreter des womöglich spannendsten Kinos der Welt ein ebenso intelligenter wie tragischer Film mit viel bösem Humor gelungen, den sich kein geneigter Kinogänger entgehen lassen sollte. Dabei ist „Parasite“ nicht das größte oder besterzählte Meisterwerk, dass die koreanischen Könner in den letzten Jahren hervorgebracht haben. Dieser große Erfolg der Filmgeschichte kann aber freilich als Paradebeispiel und Türöffner für andere dienen.

Das Beste aus zwei Welten: Kunstfertigkeit aus Südkorea nach dem erzählerischen Vorbild des US-Kinos.

Trailer

Inhalt

Familie Kim ist ganz unten angekommen: Vater, Mutter, Sohn und Tochter hausen in einem grünlich-schummrigen Keller und sind sich für keinen Aushilfsjob zu schade. Erst als der Jüngste eine Anstellung als Nachhilfelehrer in der todschicken Villa der Familie Park antritt, steigen die Kims ein ins Karussell der Klassenkämpfe. Mit findigen Tricksereien, bemerkenswertem Talent und großem Mannschaftsgeist gelingt es ihnen, die bisherigen Bediensteten der Familie Park nach und nach loszuwerden. Bald schon sind die Kims unverzichtbar für ihre neuen Herrschaften. Doch dann löst ein unerwarteter Zwischenfall eine Kette von Ereignissen aus, die so unvorhersehbar wie unfassbar sind.

(Quelle: Koch Media)

Details

Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 05.03.2020
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 132 Minuten

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)