Review

Jean Dujardin und OSS 117 sind zurück

Er ist die Geheimwaffe der Grande Nation, Frankreichs Antwort auf James Bond und bester Geheimagent: Hubert Bonisseur de La Bath alias OSS 117.

Ursprünglich eine Erfindung des französischen Schriftstellers Jean Bruce, ist der französische Agent OSS 117 mittlerweile – jedenfalls hierzulande – weniger als ernsthafter Geheimdienstler und Frauenschwarm, sondern vielmehr als Persiflage auf den klassischen Agentenfilm bekannt.

Zum bereits dritten Mal wird Hubert Bonisseur de La Bath nunmehr auf das Publikum losgelassen. Nach der 1955er-Mission in Kairo unter dem Titel „OSS 117 – Der Spion, der sich liebte“ („OSS 117: Le Caire nid d’espions“) aus dem Erscheinungsjahr 2006 sowie der 1960er-Mission in Südamerika unter dem Titel „OSS 117 – Er selbst ist sich genug“ („OSS 117: Rio ne répond plus“) aus 2009, folgt – nach über 10 Jahren – das lang erwartete Wiedersehen. Und diesmal verschlägt es OSS 117 in „OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika“ („OSS 117: Alerte rouge en Afrique noire“) – wie der Titel bereits verrät – für eine heikle Mission nach Afrika. Dabei sind auch für Agent Hubert etliche Jahre vergangen, denn wir schreiben mittlerweile das Jahr 1981.

Während für die ersten beiden Teile noch Michel Hazanavicius die Regie führte, folgt auf diesem wichtigen Posten nun Nicolas Bedos. Ob die Reihe dadurch an Qualität einbüßt, verraten wir im Folgenden.

Was ist neu, was ist geblieben?

Wer die bisherigen französischen Kultkomödien mit OSS 117 kennt und schätzt, der wird sich grundsätzlich erst einmal über einen neuen Teil der Serie sowie die vorliegende Trilogie-Box freuen.

Unglaublich albern und immer wieder brüllkomisch: Jean Dujardin als Agent OSS 117. (Copyright: Koch Media GmbH)

Denn einerseits fangen diese gekonnten Parodien den Charme und die Besonderheiten der Agentenfilme der jeweiligen Epoche filmisch perfekt ein und spiegeln sie wider. Und andererseits leben die klamaukigen Streifen insbesondere von ihrer skurrilen und bekloppten Hauptfigur Hubert Bonisseur de La Bath alias OSS 117 sowie dem gnadenlos guten Schauspiel von Jean Dujardin.

Der hiesige „Held“ OSS 117 ist zwar wie James Bond 007 ein erfahrener Geheimagent und Frauenschwarm, doch damit hören die Ähnlichkeiten auch schon auf. Denn sämtliche negativen Eigenschaften von Agent Hubert Bonisseur de La Bath aufzuzählen, könnte den hiesigen Rahmen sprengen. Der Macho ist in seinen Denk- und Lebensgewohnheiten in jeder Hinsicht rückständig; er ist erzkonservativ, fremden- und frauenfeindlich, dumm und überheblich, rassistisch und homophob, oberflächlich und ignorant – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. In allen Szenen mit dem „Super-Agenten“ wird immer wieder mit treffenden – bisweilen alltäglichen – Beobachtungen gearbeitet und es hagelt Überspitzungen und Säcke voller Klischees und Vorurteile. Dabei hüpft der Supermacho geradezu leidenschaftlich in jedes Fettnäpfchen. Und zumeist merkt er davon nichts.

Es ist wohl ausschließlich das französische Kino, das – mit einem Augenzwinkern und einer gehörigen Portion Selbstironie – derart komische, politisch unkorrekte Filme hervorbringen kann.

Oscar-Preisträger Jean Dujardin („The Artist“, „The Wolf of Wall Street“, „Intrige“) glänzt in dieser Rolle unnachahmlich. Ein selten vortreffliches Zusammenwirken von Figur und Darstellung. Nicht nur, dass Dujardin den jungen Ichs seiner Vorbilder, vor allem Sean Connery, aber auch Jean-Paul Belmondo, wahnsinnig ähnlich sieht, nein, er beherrscht auch die Manierismen und die Eigenheiten der seinerzeitigen Agentenfilme großartig. Was Dujardin mit seinem Körper und seiner Mimik anstellt, ist bisweilen ein Lehrstück in Sachen „body comedy“. Ob nun sein dümmliches Charmeur-Grinsen, sein übertriebenes Spiel mit den Augenbrauen oder sein lachhaftes Verhalten bei Verfolgungsjagden: Der Könner beherrscht die ganze breite Palette der Blödelei.

Abgerundet wird das Ganze durch die starke deutsche Synchronfassung von Kult-Comedian Oliver Kalkofe, der dem OSS-Agenten auch seine Stimme leiht. Nicht nur wird der Wortwitz und Charme der Filme herrlich pointiert übersetzt, nein, Kalkofe stattet den Titelhelden auch mit dem wohl dümmlichsten Gelächter der Filmgeschichte aus, das allein den Zuschauer:innen vor Lachen die Tränen in die Augen treibt.

Minuspunkte

Bei aller Lobhudelei gibt es im Hinblick auf die neueste Mission „Liebesgrüße aus Afrika“ jedoch auch einige Mankos.

Während der unmittelbare Vorgänger „Er selbst ist sich genug“ wohl die rundeste Agentenfilm-Parodie-Mischung bereithielt, gesellen sich hier unnötige Extras hinzu.

Frankreichs Geheimwaffe, Agent OSS 117 (Jean Dujardin), macht wieder die heimischen Bildschirme unsicher. (Copyright: Koch Media GmbH)

Diese sind insbesondere im Zusammenhang mit einer Überbetonung der „Alte weiße Männer“-Aspekte des Films zu sehen. So hat der Geheimagent hier Schwierigkeiten mit dem technischen Fortschritt, hat auf einmal Erektionsprobleme und sieht sich überdies mit der Konkurrenz durch einen jungen androgynen Partner, OSS 1001 (Pierre Niney), konfrontiert. Auch die Laufzeit des Films ist mit rund 2 Stunden weniger leicht bekömmlich. Durch diese neuen „Probleme“ im Leben des rückständigen Hubert wird teilweise sogar Mitleid hervorgerufen, obwohl man doch eigentlich nur über den Macho-Agenten lachen möchte. Viele der Aspekte – wie z.B. die Erektionsprobleme – verpuffen auch schlicht; es ist nicht ersichtlich, warum diese Szenen im Film sind. Der neueste Ableger macht sich zu viele Baustellen gleichzeitig auf, was mitunter zulasten der großen Stärken der Reihe geht. Dennoch findet auch Regisseur Nicolas Bedos immer wieder die richtigen Mittel, um seinen beschränkten Helden passend in Szene zu setzen.

Fazit

Wer die gesamte Reihe noch nicht kennt, sollte sich die „OSS 117 – Trilogie“ keinesfalls entgehen lassen. Michel Hazanavicius und Jean Dujardin haben eine großartige Geheimagenten-Persiflage hervorgebracht, die unglaublich albern und immer wieder brüllkomisch ist. Die aktuelle Action-Komödie von Nicolas Bedos vermag nicht vollständig an die Vorgänger anzuknüpfen, bietet aber dennoch einen unterhaltsamen und kurzweiligen Abend – Jean Dujardin ist jedenfalls nach wie vor in brillanter Spiellaune!


OSS 117 – Die Trilogie [Blu-ray]

Trailer

Inhalt

Die drei Kultkomödien um die Abenteuer des unvergleichlichen Agenten Hubert Bonisseur de La Bath alias OSS 117 (gespielt von Jean Dujardin) in einer Edition

Nie um ein ironisches Augenzwinkern verlegen, zeigt sich Oscar®-Preisträger Jean Dujardin im Rampenlicht dieser herrlich aberwitzigen Agentenfilme von seiner charmantesten Seite.
Kult-Comedian Oliver Kalkofe leiht in der deutschen Synchronfassung dem OSS-Agenten seine Stimme!

„OSS 117 – Der Spion, der sich liebte“
Er ist ungeschickt, ungebildet und unwiderstehlich: Frankreichs Antwort auf James Bond – Agent OSS 117!
Ägypten 1955: Kairo ist ein Schmelztiegel, in dem Geheimagenten aus aller Herren Länder unterwegs sind. Jeder spioniert gegen jeden, jeder sabotiert jeden. Um wieder Ordnung in das Chaos zu bringen, entsendet der französische Präsident seine ultimative Geheimwaffe, den Stolz des Geheimdienstes: Hubert Bonisseur de La Bath, alias OSS 117!

„OSS 117 – Er selbst ist sich genug“
Agent OSS 117 ist zurück! Diesmal nimmt Geheimagent Hubert Bonisseur de La Bath, alias OSS 117, Südamerika ins Visier. In Rio soll der furchtlose und politisch absolut unkorrekte Spion eine Liste mit den Namen ehemaliger Nazi-Kollaborateure auftreiben. OSS 117 ermittelt gemeinsam mit der israelitischen Agentin Dolores und spart auch diesmal nicht mit unverschämten Witzen, bodenloser Arroganz und seinem unwiderstehlichen Charme!

„OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika“
Frankreichs bester Agent Hubert Bonisseur de La Bath, alias OSS 117, in seiner neuesten Mission: Eine heikle politische Situation im Herzen des afrikanischen Kontinents verlangt viel diplomatisches Geschick und kulturelles Fingerspitzengefühl. Bei dieser diffizilen Operation stehen einige Fettnäpfchen für den charmanten Supermacho mit seinem Hang zur französischen Arroganz bereit. Und dann ist da noch der junge übermotivierte Kollege OSS 1001 …

(Quelle: Koch Media GmbH)

Details

Sprache: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DTS-HD Master Audio 5.1
Bildseitenformat: 2.39:1; 2.35:1 (16:9)
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 09.12.2021
Produktionsjahr: 2006 / 2009 / 2021
Spieldauer: ca. 315 Minuten
Extras: Dokumentation / Die besten Patzer / Gaumont Wochenschau / entfallene Szenen Teil 1 und 2 / Making of Teil 1 und 2 / Featurette / Audiokommentare u.v.m.

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)