Review

In Finnland schon längst eine gefeierte Fantasyserie fristet „Nymphs“ (bzw. die erste Staffel dieser finnischen Produktion) in Deutschland eher noch ein Dasein als Geheimtipp. Grund dafür könnte die Ausstrahlungsart sein, denn einzig beim Pay-TV-Sender „ProSieben FUN“ und als Onlineformat kam der interessierte Konsument bisher in den Genuss der filmischen Genremixtur bestehend aus Fantasy-, Romance- und Mystery-Elementen, denen – gemäß Thema – auch eine ordentliche Portion Erotik beigemischt wurde.

Dank Studio Hamburg Enterprises gibt es „Nymphs“ seit August 2014 endlich auch als DVD und Blu-ray. Erstere Variante nehmen wir uns hiermit einmal vor.

Satyr und Nymphe in trauter Zweisamkeit. (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Satyr und Nymphe in trauter Zweisamkeit. (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Drei Discs à vier Folgen, sprich zwölf Episoden insgesamt, umfasst die erste Staffel von „Nymphs“, in der es grob heißt: Satyr vs. Nymphen vs. Menschen bzw. Männer.
Diese Konstellation, die gefüttert wird mit Romantik, Mystik und Erotik, kommt inhaltlich selbstverständlich nicht ohne Probleme, Reibungspunkte und Geheimnisse daher und verspricht dadurch viel Spannung.

Dies wird mit der ersten Folge der Serie jedoch noch nicht ersichtlich, denn eher mühsam erstreckt sich die Episode namens „Nymphen“ auf dem Bildschirm.
Dran bleiben lohnt sich aber, denn von Langeweile, Spannungsarmut und Zähigkeit ist im Folgenden keine Spur mehr, sobald Geheimnisse beginnen, sich allmählich zu lüften und die Handlung an Komplexität gewinnt, um zu einem großen Ganzen zu werden.

Unter anderem und vordergründig trägt dazu natürlich die Idee hinter „Nymphs“ bei. Zwar mangelt es im Fantasybereich nicht unbedingt an Serien, Neues und Innovatives lassen sich im Werwolf und Vampir dominierten Genre allerdings eher schwer finden.
Da kommen die Naturgeister der griechischen und römischen Mythologie und der Mythos über die Satyr gerade recht, um sie in abgewandelter und weitergesponnener Form einem fantasybegeisterten Publikum zu präsentieren.

Auch ins 15. Jahrhundert entführen uns die Nymphen. (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Auch ins 15. Jahrhundert entführen uns die Nymphen und Satyr. (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Immer wieder werden innerhalb der Rahmenhandlung auch szenische Rückblicke integriert, die den Zuschauer sogar in vergangene Jahrhunderte führen. Dementsprechend ändern sich Schauplätze und Kostüme. Die Epochen, die damit „besucht“ werden, sind hervorragend veranschaulicht; es macht Freude, vor dem Fernseher gemeinsam mit den Figuren in die Vergangenheit einzutauchen. Gleichsam wird durch diese Rückblenden die Handlung plausibler, denn durch das Verstehen der Vergangenheit der einzelnen Figuren nimmt die Gegenwart eben jener konkretere Züge an. Entscheidungen, Entwicklungen und die Beziehung der Charaktere untereinander nehmen erkennbar Form an und werden nachvollziehbarer.

Deutlich und durchgehend trägt „Nymphs“ die Handschrift einer skandinavischen Produktion. Wüsste man also nicht im Vorhinein schon, dass die Serie aus Finnland stammt, kann man es an der Farbgebung, der Atmosphäre und den aus Finnland (oder zumindest aus der Umgebung stammenden) Schauspielern permanent erkennen. Und das ist gut so, denn im Vergleich zu den vorherrschenden modernen Hochglanzproduktionen wirkt „Nymphs“ diesbezüglich erfrischend anders und irgendwie bodenständig.

Insgesamt ist „Nymphs“ sehr entschleunigt angelegt, was sich mehrfach u.a. in den Dialogen und den ausgiebigen Szenen ohne jedwede Wortwechsel widerspiegelt. In Zeiten der Schnelllebigkeit, der Hektik und der bunten Bildabfolgen wirkt dies zunächst gewöhnungsbedürftig, zudem entsteht dadurch ab und zu der Eindruck von unnötigen Längen, hat man sich aber erst einmal ein wenig „eingeschaut“, weiß die Vorgehensweise zunehmend zu gefallen. Das Interesse des Konsumenten steigt, die Figuren werden nahbarer und wachsen dem Zuschauer teilweise sogar langsam ans Herz.

Apropos Figuren: Es sind weder namhafte Schauspieler (einige – wie beispielsweise Manuela Bosco in ihrer Rolle als Nadia – debütieren hier sogar) noch verkörpernde Schönheitsideale, die für „Nymphs“ verpflichtet wurden. Und auch das ist gut so, denn es wurde höchste Zeit, dass dem Zuschauer etwas anderes geboten wird, als austauschbare und aalglatte Hollywood-Schönlinge.
Dies soll natürlich nicht heißen, dass die engagierten Schauspieler nicht bekannt oder schön anzusehen sind, sie sind allerdings eher Lokalmatadoren (einzig Ilkkla Villi, welcher die Rolle des Satyr Erik Mann verkörpert, könnte Fans der ebenfalls aus Finnland stammenden Band Nightwish ein Begriff sein, spielte er doch im Film „Imaginaerum“ mit, der von Nightwish-Keyboarder Tuomas Holopainen mitgeschrieben wurde) und entsprechen in der Mehrheit nicht dem klassischen Schönheitsideal, welches man uns antrainiert hat und stets präsentiert. Umso überraschender ist die Besetzung für einige Zuschauer der Serie dann vielleicht auch, denn aus Gewohnheit erwartet man bei männerfressenden Nymphen eher etwas Grazileres als eine Rebecca Viitala in ihrer Rolle als Kati Ordana, die eine Mischung aus Angelina Jolie und „Underworld“-Star Kate Beckinsale darstellt, darüber hinaus jedoch viele Ecken und Kanten besitzt.

Der tödliche Kuss oder die ewige Liebe? (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Der tödliche Kuss oder die ewige Liebe? (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Fasziniert beobachtet man außerdem, wie die nicht augenscheinlich vorhandene Attraktivität einiger Darsteller in Abhängigkeit ihrer Charakterentwicklung im Laufe der Spielzeit wächst oder die wenigen als offensichtlich „schön“ zu bezeichnenden Schauspieler an Sympathien sogar verlieren, indem sich ihre Charaktereigenschaften zum Negativen entwickeln. Damit beweist „Nymphs“ zusätzlich, dass Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt und nicht nur an Äußerlichkeiten festzumachen ist.

Es fällt darüber hinaus auf, dass konsequent auf Natürlichkeit gesetzt wird. Bestes Beispiel dafür ist die Hauptdarstellerin Sara Soulié, welche die Rolle der Protagonistin Didi Tasson übernimmt. Wie das „Mädchen von nebenan“ und damit authentisch setzt man diese Figur in Szene.
All dies macht – neben den schon genannten Aspekten – die Serie so speziell.

An Bonusmaterial hat man letztlich noch ein wenig gegeizt, denn neben dem offiziellen Trailer finden sich nur „Deleted Scenes“ auf der dritten DVD. Dafür punktet allerdings der Soundtrack, der unaufdringlich die Stimmung des Films unterstützt.

Es braucht ein wenig, bis „Nymphs“ in Fahrt kommt, dann jedoch wird man belohnt mit einer außergewöhnlichen Fantasyserie, die inhaltlich zu etwas Großem heranreift und in allen Belangen speziell und damit erfrischend anders ausgefallen ist.

Trailer

Handlung

Mitten unter uns. Verführerisch tödlich. Und ewig jung.

Die 17-Jährige Didi ist kein gewöhnliches Mädchen: Als sie in einer magischen Vollmondnacht zum ersten Mal mit ihrem Freund schläft, stirbt er in ihren Armen. Verzweifelt versucht Didi herauszufinden, welches dunkle Geheimnis sie in sich trägt. Die mysteriösen Freundinnen Kati und Nadia weihen sie in eine ihr unbekannte Welt ein: Didi ist wie sie eine Nymphe.
Diese verführerischen Wesen befreiten sich vor langer Zeit aus der Tyrannei der Satyrn, um friedlich unter den Menschen zu leben. Seitdem werden sie gnadenlos von ihnen gejagt. Für Männer sind die Nymphen unwiderstehlich, bringen ihnen aber den Tod. Das ewige Leben der Nymphen hat einen hohen Preis und ist ständig in Gefahr …

(Quelle: Studio Hamburg Enterprises)

Episoden

Disc 01
01 Nymphen (Full Moon)
02 Tod bei Vollmond (Honey Bees)
03 Satyr und Nymphe (The Knot)
04 Die große Lüge (Quid pro quo)

Disc 02
05 Die Flucht (The Escape)
06 Das Heilmittel (The Cure)
07 Mythen (Symptoms)
08 The Legend of Montpellier

Disc 03
09 Der goldene Käfig (The golden Cage)
10 Eriks Rache (Velanidia)
11 Aurelia (Shining Period)
12 Die Mondfinsternis (The Eclipse)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 29.08.2014
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: 528 Minuten

Copyright Cover: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde