Review

Verschwitzte, dreckbeschmierte, somit ungeduschte grölende Männer mit langem Haar, die sich inmitten reichlicher, schöner Natur archaisch gebären und ein Amon Amarth Bandmitglied in ihrer Mitte? Man könnte meinen, man sei in Wacken, doch stattdessen befindet man sich im Film „Northmen – A Viking Saga“.

Imposante Erscheinungen: Die "Northmen", versammelt um ihren Anführer Asbjörn (Tom Hopper). (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Imposante Erscheinungen: Die „Northmen“, versammelt um ihren Anführer Asbjörn (Tom Hopper). (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Nachdem dieser erst kürzlich im Kino lief, erscheint die History-Action nun schon auf DVD, Blu-Ray und als VoD.

Eine Bewertung für „Northmen – A Viking Saga“ vorzunehmen, fällt jedoch nicht so leicht. Der Zuschauer schwankt zwischen Miss- und Gefallen. Was soll es also werden? Ein Verriss oder eine Lobeshymne?

Geht man nach den nicht gut recherchierten historischen Fakten, den mal mehr und mal weniger offensichtlichen Logik- und Filmfehlern und der äußerst beschränkten Handlung, die (grob gesagt) aus den Aktionen „Wikinger rennen weg“ und „Bösewichte jagen sie“ oder (anders formuliert) aus den auf Repeat stehenden Dialogfragmenten „Wir müssen weiter!“ und „Wir müssen sie aufhalten!“ bzw. „Wir müssen kämpfen!“ besteht, dann sind natürlich nicht allzu viele Sterne für diesen Abenteuerfilm drin. Dabei möchte man ihn so gerne mögen – und tut es auch trotz der Makel, denn immerhin sympathisiert man mit dem bunt zusammengewürfelten Wikingerhaufen recht schnell, dem man auch seine gegenseitige Loyalität abnimmt, indem die Darsteller schauspielerisch eine Einheit bilden.

Diese Loyalität ist es auch, die das Hauptelement des Films bildet, während Themen wie Mut, Kameradschaftlichkeit, Heldentaten und abenteuerliche Gefahren weitere Zutaten sind, die „Northmen – A Viking Saga“ zugefügt wurden, um möglichst episch und monumental zu wirken.

Entsprechend fällt die Farbgebung des Films aus. Passend zur rauen Umgebung und dem kruden Zeitalter, in das unsere von Szene zu Szene dezimierten Helden versetzt wurden, herrschen kühle Töne vor, die besonders gut mit der kahlen, weiten Landschaft (gedreht wurde übrigens nicht am Filmschauplatz Schottland, sondern überwiegend in Südafrika) und den Kostümen der Recken harmonieren.

Christ und Heide unter sich. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Christ und Heide unter sich. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Stimmung und Optik der Szenarien sind es dann auch, die über die Fehler und missglückten Aspekte des Films hinwegsehen lassen.
So gewöhnt man sich beispielsweise recht bald an die (subjektiv betrachtet) ungewohnt wirkende Synchronisation des Wikingeranführers Asbjörn, dessen junges Aussehen einfach nicht mit der alt klingenden deutschen Stimme übereinstimmen will.
Und es ist ebenfalls egal, dass die Truppe der „Bösewichte“, die unseren lieb gewonnenen Wikingern an den Kragen will und kürzlich ihre Pferde verloren hat, praktischerweise auf eine Herde Pferde mit verschiedenen Fellfarben stößt, in der nächsten Sequenz jedoch mit ihren altbekannten schwarzen Pferden über den Bildschirm galoppiert. Oder sich das Moor, in welchem die Wikinger laut Orakelei ihrer Feinde „den Tod finden werden“, als Planschbecken großes Loch erweist, das in Nahaufnahmen zwar nicht als solches erkenntlich ist, dafür aber in den weiten Szeneüberblicken umso mehr.
Insgesamt handelt es sich bei den für aufmerksame Zuschauer recht offensichtlichen Fehlern jedoch um solche, die zu verschmerzen sind, an einigen Stellen jedoch eine ungewollte Komik verursachen könnten. Man sollte also nicht akribisch auf historische und inhaltliche Korrektheit achten, wenn man sich „Northmen – A Viking Saga“ mit einem gewissen Ernst zu Gemüte führen möchte.

Schauen sollten ihn dennoch alle, die auch nur entfernt auf Wikinger, History-Action und Abenteuerfilme stehen.
Denn was Regisseur Claudio Fäh mit „Northmen – A Viking Saga“ auf die Beine gestellt hat, ist oberflächlich betrachtet recht opulent und unterhaltend.

Sicherlich kommen einige Aspekte viel zu kurz, immerhin setzt Fäh den Fokus lediglich auf das Schicksal der Wikinger, auf feindlichem Gebiet gestrandet zu sein und fortan über eine Länge von 94 Minuten gejagt zu werden. Aus diesem Grund bleiben nicht nur die Figuren sehr stereotyp und ohne Tiefe, sondern es mangelt auch an Emotionalität, wie man es beispielsweise von einem historischen Film wie „Braveheart“ kennt.
Jede Figur bringt zwar individuelle Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und seine eigene Geschichte mit in die Gruppe um Anführer Asbjörn (gespielt von Tom Hopper), da jedoch auf Tempo gesetzt wird, verursacht durch die ständige Gefahr der Flucht und den nahenden Feinden, kommen diese Faktoren beim Zuschauer nur selten an. Bevor man sich dessen bewusst werden kann, sind die entsprechenden Rollen schon getötet worden oder die vertiefende Ausarbeitung fehlt.
Was an Emotionen auf darstellerischer Ebene zu kurz kommt, holt immerhin der Soundtrack ein wenig in den Film, sodass die akustischen orchestralen Momente in Kombination mit dem Gesehenen durchaus stellenweise zu berühren wissen.

Sackgasse: Werden die Wikinger ihren Feinden entkommen? (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Sackgasse: Werden die Wikinger und ihre Verbündeten den Feinden entkommen? (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Apropos Musik: Mutig fällt schließlich die Abspannmusik durch Amon Amarth aus. Ihr Musikvideo zum Song „Deceiver of the Gods“ gibt es außerdem – ebenso wie eine kurze Vorstellung der „Wacken Foundation“ – als Bonus unter den Extras der uns vorliegenden DVD-Version.

Insgesamt ist das Zusatzmaterial angenehm ausreichend ausgefallen, auch wenn es nicht allzu viel Mehrwert besitzt. So ist das „Making of“ eher eine kommentierte Inhaltsangabe bzw. Nacherzählung des Films, bei der sich Interviewschnipsel mit Filmausschnitten abwechseln. Auch die „Behind the Scenes“-Momente sind sehr überschaubar, geben aber u.a. einen guten, wenn auch kurzen Einblick in die Stunt-Arbeit der Schauspieler.

Nach einem recht unmittelbaren Beginn, dessen Umstände und Hintergründe im Laufe des Films jedoch ausreichend erklärt werden, schließt „Northmen – A Viking Saga“ mit einem Ende, das Potenzial für eine Fortsetzung bietet. Trotz der genannten Kritikpunkte hoffe ich persönlich daher sehr, auf die überlebenden Wikinger zu einem späteren Zeitpunkt erneut stoßen zu dürfen, denn wie ich bereits erwähnte, muss man sie einfach mögen.

Trailer

Handlung

873 nach Christus: Vom eigenen König verbannt, nimmt eine Horde furchtloser Wikinger Kurs auf Britannien. Ihr Ziel: das Kloster Lindisfarne mit seinen Goldschätzen, die sie unter ihrem draufgängerischen Anführer Asbjörn (Tom Hopper) plündern wollen.
Von einem schweren Sturm überrascht, zerschellt ihr Drachenboot jedoch an den Felsen vor der schottischen Küste. Gestrandet auf feindlichem Gebiet, ist ihre einzige Chance, sich in das Danelag, eine entfernt gelegene Wikingersiedlung zu retten.
Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt – eine Jagd auf Leben und Tod.

(Quelle: Ascot Elite Home Entertainment) 

Northmen – Homepage
Northmen – Facebook
Northmen – Twitter

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 03.03.2015
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 94 Minuten (Hauptfilm) + 29 Minuten (Bonusmaterial)
Extras: Hinter den Kulissen / Musikclips: Amon Amarth & Wacken Foundation / Online-Clips: Behind the Scenes, Don’t mess with the Northmen & Tune up the Northmen / Originaltrailer / Deutscher Trailer

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde