Review

„Wir gehen sicherlich vielen Leuten seit einigen Jahren auf die Nerven und das tut mir leid. Aber trotzdem machen wir weiter.“
Dieser Satz, den Frontmann Campino im Dokumentarfilm „Nichts als die Wahrheit: 30 Jahre Die Toten Hosen“ sagt, trifft die Meinung über diese Düsseldorfer Band eigentlich ganz genau. Einige hassen sie, viele lieben sie, fest steht: Die Toten Hosen sind ein Phänomen, welches sich einen festen Platz in der deutschen Musiklandschaft gesichert hat.

Die vorliegende Dokumentation wirft einen Blick auf die Vergangenheit, die Gegenwart und auch ein wenig in die Zukunft der Toten Hosen. Dabei zeigen sich die mittlerweile durchaus gealterten Herren sehr offen und persönlich und auch einige Weggefährten der Band kommen zu Wort.

Es ist faszinierend zu sehen, wie sich Die Toten Hosen von einer unbedeutenden, aber dafür sehr durchgedrehten Punkrock Band zu dem Pop-Rock Phänomen entwickelt haben, das sie heute sind. Sehr spannend ist dabei, wie die Band selbst diesen Weg erklärt, denn einige der bei der Bandgründung beschlossenen Prinzipien wurden zugunsten des Erfolgs über den Haufen geworfen. Dennoch haben es Die Toten Hosen geschafft, niemals den Stempel einer „Kommerzband“ zu bekommen, da sie trotz ihres gewaltigen Erfolgs, den sie zurzeit haben, immer noch an einigen Beschlüssen von damals festhalten. Sicherlich ist von dem alten Punk-Charme der Band nicht mehr viel übrig geblieben, aber trotzdem haben sich Die Toten Hosen nicht verkauft.

„Nichts als die Wahrheit: 30 Jahre Die Toten Hosen“ ist ein Dokumentarfilm, der den Fokus nicht unbedingt auf die Musik setzt, auch wenn diese natürlich eine wichtige Rolle spielt, sondern eher zeigen möchte, wie Die Toten Hosen funktionieren, wie sie sich entwickelt haben und vor allem warum ihre Bandgeschichte so verlaufen ist, wie sie lief.

Die Toten Hosen (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Die Toten Hosen (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Es macht Spaß, diesen Film zu sehen und auch wenn man nicht unbedingt ein Fan der Toten Hosen ist, fühlt man sich doch sehr gut unterhalten. Denn die fünf Musiker zeigen abseits der Bühne ihr wahres Ich und man erkennt nicht nur, dass sie mit dem Alter sicherlich reifer geworden sind, sondern insbesondere, dass sie alle „ordentlich etwas auf dem Kasten haben“. Insbesondere Campino ist ein intelligenter Mensch, der wirklich etwas zu sagen hat.

Aber natürlich gibt es auch einige sehr amüsante Szenen. Insbesondere die Anekdoten zu den frühen Jahren der Band machen eine Menge Spaß. Aber auch ein Bandmeeting, bei dem einstimmig beschlossen wird, nicht bei „Der ultimativen Chart Show“ bei RTL aufzutreten, zaubert ein breites Grinsen auf das Gesicht des Zuschauers.

„Nichts als die Wahrheit: 30 Jahre Die Toten Hosen“ ist ein rundum gelungener Film, der seine Zuschauer zwei Stunden lang in die schräge, aber auch nachdenkliche Welt der Toten Hosen katapultiert ohne auch nur eine Sekunde langweilig zu sein. Definitiv ganz großes Kino.

Trailer

Inhalt

In seinem gefeierten Dokumentarfilm „Nichts als die Wahrheit“ gelingt dem mehrfachen Grimme-Preisträger Eric Friedler die Innenansicht einer Punkgruppe, die sich vom Bürgerschreck zur Kultband entwickelte und in ihrem Schaffen immer wieder deutsche Geschichte widerspiegelt. Der renommierte Filmemacher nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf eine emotionale Reise durch Punk-Exzesse und Lebenskrisen bis hin zu dem überwältigenden Erfolg, den Die Toten Hosen mit ihrem 13. Studioalbum „Ballast der Republik“ feierten.

Mit großer Offenheit berichten die Bandmitglieder von persönlichen Höhepunkten und seelischen Tiefschlägen, lassen die Zuschauer immer wieder eintauchen in das Lebensgefühl der vergangenen Dekaden. Der Film zeichnet nach, woher Die Toten Hosen kamen und wohin sie gingen, welche Ideale den Anfang begleiteten und welche die Bandmitglieder auf dem Weg nach oben bewahren konnten. Das überraschende Psychogramm einer Band, von der man glaubte, schon alles zu wissen.

(Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Details

Die Toten Hosen – Homepage
Die Toten Hosen – Facebook

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 10.10.2014
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer: 120 Minuten

Copyright Cover: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.