Review

Winterzeit ist Krimi- und Thrillerzeit und wo, wenn nicht in Skandinavien, ließen sich Morde atmosphärischer platzieren. Daher gehört auch die norwegische Autorin Anne Holt zu jener Gruppe der schreibenden Zunft, deren Werke filmisch adaptiert werden. Nach ihrem Roman „Gotteszahl“ findet nun die skandinavisch-deutsche Koproduktion „Modus – Der Mörder in uns (Staffel 1)“ auf Blu-ray und DVD seinen Weg ins Heimkino.

Fans des Genres Nordic Noir werden durch Platzhirschen wie „Kommissarin Lund“, „Die Brücke – Transit in den Tod“ oder „Kommissar Beck“ bereits gut bedient, sodass ein neuer Stern am Crime-Himmel schon ziemlich hell scheinen muss, um am ausreichend beleuchteten Firmament aufzufallen oder überhaupt wahrgenommen zu werden. Dies gelingt „Modus – Der Mörder in uns (Staffel 1)“ allerdings nur bedingt.
Zwar ist die authentische Winterlandschaft Schwedens der Stimmung und Inszenierung der Thrillerserie durchaus zuträglich, und auch die namhafte Besetzung verheißt zunächst einen hohen Qualitätsanspruch, über die Dauer von vier Folgen, verteilt auf vier DVDs, wirkt „Modus – Der Mörder in uns (Staffel 1)“ in vielen Bereichen jedoch sehr konstruiert und kann die hohen Erwartungen nur mäßig erfüllen.

Da in „Modus“ bereits zu Beginn der Mörder ein Gesicht bekommt, liegt der Fokus deutlich auf der Frage nach dem „Warum?“ statt nach dem „Wer?“. Dadurch büßt die erste Staffel der Serie allerdings nichts an Spannung ein, denn die Motive und komplexer werdenden Hintergründe der Verbrechen sorgen für ein kontinuierliches Voranschreiten der Geschichte.

Ein wenig enttäuschend sind allerdings schon die dabei zum Vorschein kommenden Klischees, an denen nicht gespart wurde. Ideenreiche oder gar innovative Zutaten findet man somit kaum vor. Obschon damit versucht wird, dem Zeitgeist entsprechend aktuelle Themen aufzugreifen, indem die Geschichte „Fragen über Religion, Menschenrechte und die Natur der Liebe selbst aufwirft“, überzeugt die Umsetzung nicht, da wenig Neues und Überraschendes geboten werden. Von derartigen Produktionen bekannte clevere Wendungen oder Aha-Erlebnisse bleiben aus.

Vor allem die dargestellten Ermittlungsfortschritte und somit die Handlung als solche schießen dann aber oft komplett über das Ziel hinaus. Lücken, Logikfehler, zuweilen rasante Plotsprünge oder geraffte Plotabläufe sorgen stellenweise für Plausibilitätsverlust aufseiten der Zuschauer. Häufig ohne Nachvollziehbarkeit gewinnen die Protagonisten Erkenntnisse bzw. stoßen die Nebenfiguren auf Tatsachen, die für die Zuschauer nicht immer schlüssig wirken. Der Zufall spielt dabei eine große Rolle und macht die Glaubwürdigkeit der Handlung von „Modus – Der Mörder in uns (Staffel 1)“ zunichte. Nach einem „Warum?“ fragt daher auch oftmals der Zuschauer. Szenen beispielsweise, in denen umständlich Aktionen herbeigeführt werden, um die Dramatik zu steigern, sind keine Ausnahme und entlocken dem Hobbyermittler vor dem Bildschirm neben Unverständnis nur ein müdes Kopfschütteln.

Melinda Kinnaman und Henrik Norlén in „Modus – Der Mörder in uns (Staffel 1)“ | Copyright: Edel:Motion

Dass auch die Figuren nur sparsam ihr Potenzial ausschöpfen, ernüchtert einmal mehr und wenn die jungen Darsteller (wie Esmeralda Struwe in ihrer Rolle als autistische Tochter Stine) überzeugender auftreten als die alten Hasen wie beispielsweise die Hauptfiguren, gespielt von Henrik Norlén und Melinda Kinnaman, dann stimmt wohl etwas nicht.

Ein schönes Setting und spannende Unterhaltung helfen „Modus – Der Mörder in uns (Staffel 1)“ leider am Ende nicht, um neben Genre-Größen zu bestehen. Dass die Drehbuchautoren Mai Brostrøm und Peter Thorsboe durchaus fähig sind, die kritisierten Punkte in einer nächsten Staffel auszumerzen, zeigen ihre erfolgreichen Arbeiten u.a. an „The Team“. Es bleibt also diesbezüglich spannend, ob die Serie noch einmal das Ruder herumreißen kann.

Trailer

Handlung

Während der Weihnachtszeit ereignet sich eine Reihe verstörender Todesfälle in Schweden. Als Stina, die autistische Tochter der ehemaligen FBI-Profilerin Inger Johanne Vik (Melinda Kinnaman), unfreiwillig zur Zeugin eines Mordes wird, gerät sie ins Visier des Serienmörders. Um ihre Tochter zu schützen, schließt Inger sich den Ermittlungen der Stockholmer Polizei an. Während Kommissar Ingvar Nyman (Henrik Norlén) den schockierenden Mord an der Bischöfin Elisabeth Lindgren in Uppsala untersucht, tauchen in Stockholm weitere Leichen auf. Trotz unterschiedlicher Todesursachen dauert es nicht lange, bis Inger Johanne ein Muster bemerkt: Die Morde haben eine Verbindung zu einem fundamentalistischen internationalen Netzwerk. Eine verzweifelte Jagd nach dem Mörder beginnt.

(Quelle: Edel:Motion)

Details

Format: Dolby
Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 12.12.2016
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 364 Minuten
Extras: DVD-Highlights / Booklet & Interviews mit den Darstellern

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde