Review

Bereits während die Idee zur britischen BBC-Sitcom „Miranda“ Form annahm, ahnten die Verantwortlichen vermutlich schon, welch große Wellen die Comedyserie schlagen wird. Die bald darauf folgenden Auszeichnungen und positiven Kritiken – insbesondere in England – sollten ihnen recht geben und es wundert nicht, dass inzwischen bereits drei Staffeln dieses außergewöhnlichen Konzepts produziert wurden.

Nachdem der Disney Channel seit dem 22.Oktober 2014 „Miranda“ ins deutsche Abendprogramm aufnahm, gibt es nun auch das Fernsehvergnügen für Zuhause, denn die 2 DVDs umfassende erste Staffel ist hier im Lande ab sofort käuflich zu erwerben.

Mutter Penny (Patricia Hodge) geht in die Offensive, um einen Mann für ihre Tochter zu finden. (Copyright: Edel:Motion)

Mutter Penny (Patricia Hodge) geht in die Offensive, um einen Mann für ihre Tochter zu finden. (Copyright: Edel:Motion)

Doch worum geht es in „Miranda“? Was steckt hinter dieser Produktion?
Stand-up-Comedian und Allroundtalent Miranda Hart entwickelte die nach ihr benannte Serie, die auf ihren semi-autobiografischen Radiohörspielen basiert. Dabei übernimmt Hart selbst die Hauptrolle und sticht nicht nur durch ihre Körpergröße von 1,85 Metern aus der Masse an Comedyserien heraus.

Der Zuschauer begleitet Miranda episodenhaft (in der ersten Staffel sechs an der Zahl; pro DVD 3 Folgen) durch ihr mal mehr und mal weniger chaotisches Leben, in dem ihr Sinn fürs Geschäft, sie besitzt einen eigenen Scherzartikelladen, scheinbar ebenso abwesend ist wie das Glück in der Liebe.
Hat sie beruflich noch Unterstützung durch ihre beste Freundin Stevie, so kann sie sich auf die helfende Hand ihrer Mutter nicht immer verlassen, versucht diese doch unentwegt, ihre Tochter an den Mann zu bringen. Auch diese Erlebnisse verfolgt das Publikum ganz direkt mit, denn „Miranda“ ist konzeptionell so angelegt, dass sie Sitcom-typisch eingespielte Lacher parathält (bekannt u.a. durch Serien wie „The Big Bang Theory“), während die Hauptfigur zugleich des Öfteren den direkten Kontakt zum Publikum hinter der Kamera, also uns Zuschauern sucht, indem die sogenannte vierte Wand durchbrochen wird. Dieser Effekt unterstützt die Gagdichte der Serie zusätzlich, da durch dieses Vorgehen nämlich erst einige humorvolle (oftmals situationskomische) Einlagen überhaupt zustande kommen.

Zugegeben, ich hatte zunächst ein wenig Anlaufschwierigkeiten, um mit der englischen Comedyserie „Miranda“ warm zu werden. Den Beginn der ersten Episode von Staffel 1 begleitete erst ein wenig Fremdscham, dann das Gefühl, die präsentierten Gags gar nicht lustig zu finden. Schnell belehrte mich „Miranda“ jedoch eines Besseren, die Sitcom nimmt an Fahrt auf und die Stärken der Serie werden ersichtlich und lassen den eher schleppenden Beginn vergessen.

Miranda (Miranda Hart) im Zwiegespräch mit dem Zuschauer, um für neue Gags zu sorgen. (Copyright: Edel:Motion)

Miranda (Miranda Hart) im Zwiegespräch mit dem Zuschauer, um für neue Gags zu sorgen. (Copyright: Edel:Motion)

Nun ist es mit dem britischen Humor aber ja so: entweder man mag ihn oder man kann ihm gar nichts abgewinnen. Und eins sei gesagt: „Miranda“ ist durch und durch britisch.
Trockene, derbe Gags, die auch vor Absurdem und Albernem nicht haltmachen, geschweige denn auch schon mal unter die Gürtellinie zielen, kommen zum Einsatz und nehmen fast alles und jeden auf die Schippe. Dabei nehmen sich die Protagonistin und ihr Ensemble aber auch selbst nicht allzu ernst, und mal ehrlich, wer ist schon gefeit vor Schadenfreude, ist diese doch bekanntlich die schönste Freude.

Anlass für diese gibt die Figur Miranda selbst oft genug. Ihre Tollpatschigkeit führt sie in das eine oder andere Fettnäpfchen, an anderer Stelle nimmt sie ihr eigenes Aussehen aufs Korn. Und da bringt sie von Natur aus viel Potenzial mit. Ganz anders als das Schönheitsideal ist Miranda keine 08/15-Figur. Wie das Mädchen bzw. die Frau von nebenan kämpft sie mit Problemzonen, die mal kurz thematisiert werden, jedoch keinen Aufhänger bieten, um ganze Folgen inhaltlich zu füllen (wie man es vielleicht von Comedians wie Cindy aus Marzahn kennt). Und das ist gut so, denn damit mutiert Miranda zu keinem „Problemfall“, sondern wirkt wie ein abwechslungsreiches Unikat, das man als Zuschauer sehr gerne so nimmt, wie sie ist.

Neben Miranda lernt man außerdem ihren Freundeskreis und ihre Mutter sehr gut kennen. Diese Figuren bereichern die Serie ungemein und gewinnen schon bald die Sympathien der Zuschauer. Zu verdanken ist dies dem schauspielerischen Talent der Darsteller, von denen einige durchaus namhaft sind.

Trotz der weiblichen Hauptdarstellerin und der Überzahl an weiblichen Nebenfiguren ist „Miranda – Staffel 1“ aber nicht nur für Frauen sehenswert. Ebenso werden auch Männer auf ihre Kosten kommen, sofern sie dem britischen Humor etwas abgewinnen können.

In der Minderheit: Clive Evans (James Holmes) und Gary Preston (Tom Ellis) (Copyright: Edel:Motion)

In der Minderheit: Clive Evans (James Holmes) und Gary Preston (Tom Ellis) (Copyright: Edel:Motion)

Schwer haben es nur jene, die mittendrin in die Serie einsteigen, denn da sich die Running Gags häufen und beinahe zu Insidern werden, wirken jene eher unlustig auf Neueinsteiger.
Hat man jedoch einmal mit „Miranda“ begonnen, so hat man Blut geleckt und sieht sich gerne die insgesamt sechs Folgen der ersten Staffel an. Weil diese zudem sehr kurzweilig ausfallen, verfliegt die Zeit sowieso wie im Nu.

„Miranda – Staffel 1“ bietet alles in allem seichte Unterhaltung, bei der zwar hin und wieder moralische Werte und Aussagen aufblitzen, ohne allerdings die zentrale Stellung einzunehmen, während der Humor, auf äußerst britische Art und Weise, im Vordergrund steht. Dass die Sitcom immer mal wieder aus Genre-Grenzen ausbricht, tut ihr sehr gut und macht sie auch für ein erneutes Ansehen interessant.

Inhalt

Miranda Harts absurde, urkomische und preisgekrönte Sitcom macht uns mit einer Frau bekannt, die verzweifelt versucht sich anzupassen und ein normales Leben zu führen. Aber …

Miranda schafft es nicht, sich gegen ihre exzentrische Mutter Penny (Patricia Hodge) zu behaupten, die peinliche und aussichtslose Versuche anstellt, sie unter die Haube zu bringen. Der Konkurrenzkampf mit ihrer Internatsfreundin Tilly (Sally Phillips), die immer mehr Geld, bessere Jobs und tollere Freunde zu haben scheint, bringt sie in alle möglichen Schwierigkeiten. Denn sie kann es nicht lassen zu lügen, um Tilly zu beeindrucken. Und am allerschlimmsten ist, dass sie bei ihren hilflosen Annäherungsversuchen bei Langzeit-Schwarm Gary (Tom Ellis) immer wieder auf die Nase fällt – meistens im wahrsten Sinne des Wortes. Alles, was ihre alte Freundin Stevie (Sarah Hadland) macht, ist tatenlos zusehen, lachen und wenig hilfreich darauf hinweisen, was schiefgelaufen ist.

(Quelle: Edel:Motion)

Miranda – Homepage
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Episoden

DVD 01
01 Ich bin kein Mann (Date)
02 Missglückte Verführung (Teacher)
03 Karrierefrau (Job)

DVD 02
04 Verückte Ferien (Holiday)
05 Verkupplungsversuche (Excuse)
06 Hunde (Dog)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 07.11.2014
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: 180 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde