Review

Eine Ritterburg, ein Kriminalfall und ein unerwartetes Abenteuer

Diese Konstellation findet sich nicht nur in der Buchreihe von Lisa-Marie Dickreiter und Winfried Oelsner wieder, sondern auch im darauf basierenden Film „Max und die Wilde 7“, der im August 2020 seine Kinopremiere feierte und im Januar 2021 auch im Heimkino erscheint.

Oelsner selbst führte bei dem Abenteuerfilm für Kinder Regie und liefert im Ergebnis einen Mehrgenerationenfilm ab, der aus wenig Inhalt respektive einer simplen Grundidee einiges Gutes gemacht hat.

Die Handlung: Das schwarze Ass

Als der 9-jährige Max mit seiner Mutter umzieht, hat er sich sicher etwas anderes vorgestellt. Zwar wohnt er nun in einer Burg, was an sich mysteriös und spannend klingt, doch diese Burg ist gleichzeitig auch ein Altersheim.

Statt mit Gleichaltrigen zu spielen muss er inmitten einer Horde meckernder alter Menschen seine Freizeit verbringen und wird in der Schule auch noch dafür aufgezogen. Kein Wunder also, dass ihm der Anfang in seinem neuen Zuhause schwerfällt. Doch dann trifft Max auf drei außergewöhnliche Senioren, die ein bisschen anders sind und von allen anderen nur „Die Wilde 7“ genannt werden.

Als ein mysteriöser Einbrecher auf der Burg sein Unwesen treibt, beginnt für die ungleichen Vier ein rasantes Abenteuer auf der Suche nach dem Täter.

Humorvoll, aber nicht albern

Mit kindgemäßer Spannung und altersgerechtem Witz schreitet die 87-minütige Handlung des Kinder-Krimis angenehm und ohne nennenswerte Längen voran. Selten – wie man es sonst schon mal von derlei deutschen Produktionen kennt – driftet der Humor dabei ins Alberne ab.

Dafür nehmen sich allerdings die SchauspielerInnen selbst nicht immer allzu ernst, was dem Ganzen zusätzlich eine gewisse eigenwillige Komik verpasst. Allen voran sorgt Uschi Glas in ihrer Rolle als ehemalige Schauspielerin Vera mit einigen (von einem Augenzwinkern begleiteten) Anspielungen auf ehemalige Rollen und (Fernseh)sprüche für nostalgische und gleichsam anekdotenhafte Einlagen. Diese werden jedoch ausschließlich die erwachsenen Zuschauer von „Max und die Wilde 7“ verstehen, während sie für das jüngere Publikum lediglich den Eindruck von Vera als eine rüstige verrückte Figur unterstreichen.

Krimi für Anfänger und Nachwuchsermittler

Betrachtet man „Max und die Wilde 7“ abseits der Komik dann eher als „Krimi für Anfänger und Nachwuchsermittler“, so stellt man fest, dass Motiv, Täter und Auflösung insgesamt recht schnell abgehandelt werden. Zwar ist die Geschichte aus dem Leben von Max und der „Wilden 7“ vollständig auserzählt, sodass keine Fragen offenbleiben, trotzdem wirkt das Ende ein wenig übereilt – im Gegensatz zum gemütlichen übrigen Verlauf, der die Action der (den körperlichen Gebrechen geschuldeten) Geschwindigkeit der Senioren scheinbar anpasst. Rasante Verfolgungsjagden durch die Ritterburg oder effektvolle Spezialeffekte sieht man hier also – passenderweise – nicht. Das unterstreicht die Natürlichkeit des Settings und der Figuren.

Jona Eisenblätter als Max begibt sich gemeinsam mit der „Wilden 7“ (Günther Maria Halmer, Uschi Glas, Thomas Thieme) auf Verbrecherjagd. (Copyright: Daniel Dornhoefer / © 2021 LEONINE)

Jene kommen – mit Ausnahme der Protagonisten – teils aber ein wenig stereotyp daher. So fallen diesbezüglich vor allem die rüpelhaften Mitschüler ins Auge, die – bekannt wie bewährt – dem Neuling das Leben zunächst nicht leicht machen. Da dadurch vermutlich bei den jungen Zuschauern für ausreichend Identifikationspotenzial gesorgt werden soll, kann man darüber hinwegsehen.

Ein Hingucker ist hingegen Jona Eisenblätter, da er authentisch die Hauptrolle mimt. Ebenfalls sehr natürlich und in keiner Weise overacted nimmt man ihm seine Figur und dessen minimale Entwicklung von einem schüchternen zu einem selbstbewussteren Jungen ab. Gemeinsam mit seinen erfahrenen Schauspielkollegen und -kolleginnen Uschi Glas, Günther Maria Halmer und Thomas Thieme bildet er ein unterhaltsames Gespann, dem Jung und Alt gerne zusehen.

Fazit

Von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) erhielt „Max und die Wilde 7“ das „Prädikat besonders wertvoll“; von uns gibt es indes eine klare Empfehlung. „Max und die Wilde 7“ bietet eine nette, kurzweilige Unterhaltung für die ganze Familie und bringt die verschiedenen Generationen nicht nur zusammen auf die Leinwand, sondern versammelt sie auch vor dem heimischen Bildschirm.

Trailer

Handlung

Eine echte Ritterburg als neues Zuhause – kann man sich etwas Cooleres vorstellen? Ja, kann man, findet der neunjährige Max (Jona Eisenblätter). Denn Burg Geroldseck ist ein Altersheim voller schrumpeliger Omas und Opas! Aber damit seine alleinerziehende Mutter, eine Altenpflegerin, auch Nachtschichten arbeiten kann, wohnt Max jetzt im Rabenturm. Als einziges Kind unter lauter alten Knackern… Max findet sich jedoch schneller zurecht als gedacht und freundet sich mit den an Tisch 7 sitzenden Senioren Vera (Uschi Glas), Horst (Thomas Thieme) und Kilian (Günther Maria Halmer) an. Als ein mysteriöser Einbrecher auf der Burg sein Unwesen treibt, beginnt für die ungleichen Vier ein rasantes Abenteuer auf der Suche nach dem Täter …

(Quelle: LEONINE)

Details

Bildformat: 2,40:1 (1080p/24)
Tonformat: DTS-HD MA 5.1
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: LEONINE
Erscheinungstermin: 15.01.2021
Spieldauer: ca. 87 Minuten
Extras: Audiodeskription für Blinde und Sehbehinderte / Audiokommentar mit Cast & Crew / Hinter den Kulissen / Making-of / Music Video / Original Kino-Trailer / Outtakes / Social Media Clip

Copyright Cover: © 2021 LEONINE



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde