Review

Sollte man sich wirklich einer Serie verschreiben, die bereits nach zwei kurzen Staffeln eingestellt wurde? Zugegeben, Serien kommen und gehen, gerade bei den Comicverfilmungen ist die Fluktuation groß. Auch „Marvel’s Agent Carter“ hat nur zwei Staffeln mit insgesamt 18 Folgen im Fernsehbereich überstanden. Und liefert am Ende sogar einen (allerdings kleinen) Cliffhanger. Warum ihr trotzdem reinschalten solltet, klären wir jetzt.

Agent Peggy Carter dürfte allen aufmerksamen Marvel-Filmfans bekannt sein. Ihren ersten Auftritt hatte sie an der Seite von Captain America im gleichnamigen Kinoblockbuster. Nun sollte sie vom Sidekick zur Protagonistin befördert werden.

Schon zu Beginn hebt sich Agent Carter dabei von häufig vorzufindenden Serienschemata ab: Hier läuft nicht (wie beispielsweise bei den „Agents of S.H.I.E.L.D.“) jede Folge nach Schema F ab, sondern die Staffeln haben ein übergeordnetes Thema, das eher filmartig nach und nach aufgelöst wird. Das bringt beim Zuschauen viel Abwechslung mit – und wer sich sorgt, nach einer Pause den Anschluss zu verlieren, der hat zu Beginn jeder Episode immer einen knackigen Rückblick als Gedächtnisstütze.

Die erste Staffel beginnt mit einer kleinen Vorstellung von Peggy Carter. Als Frau Ende der 40er hat man es schon nicht leicht. Aber wir erfahren darüber hinaus, dass sie an der Seite von Captain Amercia kämpfte und mit seinem Verlust nur schwer umgehen kann. Dennoch möchte sie weiterhin Gutes tun. Nur lassen das ihre männlichen Kollegen in der SSR kaum zu. Besserer Telefondienst und Essensbestellungen traut man ihr gerade so zu. Da kommt allerdings Howard Stark mit einem eigenen Auftrag gerade richtig!

Denn Stark, der wie sein Sohn ein Frauenheld und einfallsreicher Erfinder ist, wurden einige Gerätschaften entwendet. Die Regierung verdächtigt ihn nun, diese an befeindete Supermächte zu verkaufen und Peggy soll als Doppelagentin seine Unschuld beweisen. Zu Hilfe kommt ihr dabei Starks Butler Jarvis.

Nachdem dieses Abenteuer ausgestanden ist, knüpft sich Peggy in Staffel 2 zunächst die russische Agentin Dotty vor. Das Vorhaben wird allerdings abrupt unterbrochen, als sie von New York nach L.A. beordert wird. Dort soll sie einen Todesfall aufklären. Hier kommt sie jedoch einer Verschwörung landesweiten Ausmaßes und der mysteriösen Nullmaterie auf die Spur. Zusätzlich wird auch noch ihr Privatleben um einiges komplizierter, denn da wären zwei Männer, die ihr Interesse geweckt haben.

Beide Staffeln überzeugen durch ihren hohen Unterhaltungswert. Ganz besonders spaßig ist das Zusammenspiel von einer flotten, selbstbewussten Peggy und dem eher traditionellen Butler Jarvis. Gut, manchmal driften die Dialoge ins Hölzerne ab, aber die Slapstickmomente hauen das gut wieder raus. Neben lustigen Szenen kommen aber auch ernstere Themen wie Emanzipation und Rassismus der damaligen Zeit zur Sprache.

Steht ihrer Frau: „Marvel’s Agent Carter“ (Copyright: Marvel, 2016 / ABC Studios)

Apropos Sprache: Ein besonderes Gimmick ist sicherlich die Synchronstimme von Butler Jarvis. Frank Schaff lieh nämlich auch J.A.R.V.I.S., der von Tony Stark gebauten K.I., seine Stimme, sodass beide Charaktere eng zusammenhängen.

Auch im Übrigen können sich Ausstattung und Umsetzung der Serie sehen lassen; ansehnliche Computereffekte, schöne Kampfchoreos, stimmungsvolles Setting. Gerade letzteres fängt die Stimmung von „Captain America: The First Avenger“ ziemlich gut ein. Sogar Stan Lee gibt sich die Ehre.

Selbst bei angestrengtem Nachdenken will einfach kein Grund einfallen, warum diese Serie nicht gut ist. Auch den Vergleich mit anderen Produktionen braucht „Agent Carter“ nicht zu scheuen, gerade was das Storytelling angeht, ist es einem „Agents of S.H.I.E.L.D.“ beispielsweise haushoch überlegen. Damit gibt es zunächst das Prädikat „angucken!“ – und schließlich das leise Bedauern, dass die Serie (fürs Erste?) eingestellt wurde.

Trailer

Handlung

New York, 1946: Top-Agentin Peggy Carter hat noch immer mit dem Verlust von Steve Rogers alias Captain America zu kämpfen. Zudem wird sie seit Ende des Krieges nur noch mit anspruchslosen Verwaltungsaufgaben betreut – bis ihr alter Bekannter Howard Stark auftaucht und durch den Verkauf von hochentwickelten tödlichen Waffen in Schwierigkeiten gerät. Nun muss Peggy mit Hilfe von Edwin Jarvis als geheime Doppelagentin arbeiten, um eine Massenvernichtung zu verhindern und Starks Namen reinzuwaschen. Danach macht sich Peggy nach Hollywood auf, um einen rätselhaften Fall zu lösen: in einem gefrorenen See wurde eine Leiche entdeckt … während einer Hitzewelle! Schließlich stellt sich heraus, dass (das Unternehmen) Isodyne Energy hinter dem mysteriösen Phänomen steckt. Beim Aufdecken der Verschwörung wird auch eine Substanz gefunden, die für das Leben, wie wir es bisher kennen, eine tödliche Bedrohung darstellt.

(Quelle: ABC Studios)

Episoden

Staffel 1
01 Das ist nicht das Ende
02 Brücke und Tunnel
03 Agent im Kreuzfeuer!
04 Bedrohte Zukunft
05 Im Feindesland
06 Auf der Flucht
07 Kein guter Tag
08 Das ist erst der Anfang

Staffel 2
01 Die Dame im See
02 Nullmaterie
03 Der Arena Club
04 Was immer du willst
05 Ein explosiver Job
06 Der Feind muss helfen
07 Monster
08 Seitenwechsel
09 Schwere Entscheidungen
10 Der Riss in der Welt

Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: ABC Studios / Walt Disney Studios Home Entertainment
Erscheinungstermin: 08.12.2016
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 760 Minuten
Extras: Pannen vom Dreh

Copyright Cover: Marvel, 2016 / ABC Studios



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer