Review

Schicksalhafte Begegnung

Maquia gehört dem unsterblichen elfenartigen Volk der Iorph an, das sich auch die Sippe des Abschieds nennt. Abseits der Menschenwelt lebt dieses friedvolle Volk und erhält die Erinnerungen aller Lebewesen in Tüchern, die sie mit riesigen Webstühlen fertigen.

Eines Tages dringen jedoch Drachen reitende menschliche Invasoren in die Märchenwelt der Iorph ein. Über deren Blutlinie wollen sich die Fremdkörper in den Genuss der Unsterblichkeit bringen. Von einem der monströsen Drachen wird die junge Maquia fortgerissen und muss sich fortan in der Menschenwelt zurechtfinden. In einem vom Gefecht verwüsteten Gebiet findet sie einen hilflosen Säugling und nimmt ihn in ihre Obhut. Damit widersetzt sie sich den Ratschlägen ihresgleichen, die vor dem Hintergrund der eigenen Unsterblichkeit von der Eingehung tiefgehender emotionaler Bindungen abraten.

Die weitere Geschichte nimmt die Beziehung zwischen der jungen Mutter Maquia und ihres Ziehsohnes Erial in den Fokus.

Unerwartete Fantasy-Story

Obwohl der Titel Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte“ zunächst eine „Anime-typische Romanze“ nahelegt, entpuppt sich die märchenhafte Geschichte unter der Regie und mit dem Drehbuch von Mari Okada schnell als eine melancholische Erzählung über die Beziehung zwischen Mutter und Kind, die Veränderungen, die gerade eine beginnende Pubertät mit sich bringt, aber auch und vor allem über die Vergänglichkeit des Seins. Der recht komplexe und fantasievolle Stoff ist dabei aber durchaus interpretationsoffen und bietet Spielraum für verschiedene Sichtweisen.

Visuell muss sich „Maquia“ vor keiner Konkurrenz moderner Animationsfilme verstecken. Der Film sieht jederzeit hochwertig aus und das Bild ist gestochen scharf. Auch die Charakterdesigns weisen eine gewisse eigenständige Optik auf.

Gefühlsüberschwang

Leider gerät Mari Okadas Anime meines Erachtens erheblich zu gefühlsbeladen, beinahe befremdlich weinerlich.

Maquia wird unerwartet zur Ziehmutter des kleinen Erial in „Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte“. (Copyright: Universum Anime)

Den ganzen Film über hält die Protagonistin kaum eine Szene durch, ohne in Tränen auszubrechen. Das stellt den Zuschauer bereits nach kurzer Zeit auf eine harte Probe und ist richtiggehend anstrengend.

So läuft der Film – trotz seiner interessanten und gut durchdachten Prämisse – gegen Ende Gefahr, statt eine unsterbliche Liebesgeschichte in Szene zu setzen, zu einer nicht enden wollenden Leidensgeschichte zu werden.

Regelmäßige Anime-Schauer sind in dieser Hinsicht aber womöglich deutlich gnädiger oder stören sich daran erst gar nicht.

Fazit

Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte“ setzt visuell Maßstäbe und überzeugt durch eine interessante Grundidee sowie eine gefühlvolle Geschichte mit Tiefgang.

Wie schon kürzlich „Big Fish & Begonia – Zwei Welten, Ein Schicksal“ verschenkt der Film jedoch auch einiges an Potenzial und tut sich mit seinem abträglichen Gefühlsüberschwang keinen Gefallen. Die ausgewogene Qualität von Filmen wie „Your Name. – Gestern, heute und für immer“ oder auch „A Silent Voice“ wird hier leider nicht erreicht.

 

Trailer

Inhalt

Jenseits der Menschenwelt, im Lande Iorph, lebt das Waisenmädchen Maquia im Einklang mit ihresgleichen. Gesegnet mit langanhaltender Jugend verwebt ihre Sippe seit Jahrhunderten das Geschehen eines jeden Tages in einem mystischen Tuch namens Hibiol. Doch das friedliche Leben der Gemeinschaft gerät aus den Fugen, als die Armee aus Mezarte gewaltsam in die Stadt eindringt, um sich des langlebigen Blutes zu bemächtigen. Inmitten von Verzweiflung und Chaos gelingt Maquia die Flucht und während sie allein durch den Wald streift, findet sie einen Säugling, den sie Ariel nennt und fortan aufzieht. Maquia ist glücklich – doch je älter das Findelkind wird, umso bewusster wird sich Maquia, wie ihre Unsterblichkeit nicht nur ihr eigenes Leben beeinflusst …

(Quelle: Universum Film)

Details

Sprachen: Japanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Universum Anime (Universum Film GmbH)
Erscheinungstermin: 09.08.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 114 Minuten

Copyright Cover: Universum Film GmbH



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)