Review

Jonas Åkerlund

Ein Name, der in der Musik- und insbesondere auch Metalszene durchaus ein Begriff ist.

War er in den Jahren 1983-84 noch selbst aktiver Drummer der Band Bathory, wechselte der Schwede seinen Schwerpunkt mehr und mehr auf seine Tätigkeiten als Musikvideo- und Filmregisseur.

Und dies sehr erfolgreich, wie seine Arbeiten für eine lange Liste an renommierten Bands (darunter u.a. Rammstein, Metallica, U2 oder Madonna) verdeutlichen, die ihm bereits zahlreiche Auszeichnungen einbrachten.

Mayhem & Burzum in >Lords Of Chaos<

Nun versucht sich der Multi-Grammy-Gewinner an dem Metal-Biopic namens „Lords of Chaos“, das sich der Geschehnisse in der norwegischen Black-Metal-Szene rund um die Bands Mayhem und Burzum – und infolgedessen der Ermordung des Mayhem-Gitarristen Øystein „Euronymous“ Aarseth – in den 90er Jahren annimmt.

Gewalt, Mord und brennende Kirchen kennzeichnen die norwegische Black-Metal-Szene der 1990er Jahre. Im Mittelpunkt des „Chaos“ stehen Øystein „Euronymus“ Aarseth, Mitgründer der legendären Band Mayhem und selbst ernannter Erfinder des „True Norwegian Black Metal“, sowie Varg „Greven“ Vikernes, ein Freund und Bandkollege auf der Suche nach Anerkennung in der Szene. Was als Freundschaft zwischen den beiden jungen Musikern beginnt, endet mit einer Serie von satanischen Gräueltaten und blutigen Morden.

„Lords of Chaos“ basiert sowohl auf dem gleichnamigen Sachbuch als auch „on truth and lies … and what actually happened“, so die Ankündigung auf dem Cover.

Doku & Film

Dabei weist der Film vor allem anfangs einen starken Dokumentations-Charakter auf, was nicht jedem Zuschauer gefallen könnte.
Ebenso erweist sich die damit einhergehende Erzählstimme als zumindest fragwürdiges Stilmittel der filmischen Umsetzung, da diese meist entbehrlich und manchmal auch unpassend erscheint.

Davon abgesehen weiß sich „Lords of Chaos“ aber stetig zu steigern, was insbesondere der Dramatik und Tragik zugutekommt.

Der Film hält sich inhaltlich nah an den tatsächlichen historischen Begebenheiten, zumindest so weit, wie diese selbst recherchiert werden können. Trotz des Bemühens um eine gewissenhafte Aufarbeitung der Thematiken, denn – so wird betont -, man wolle die realen Vorbilder des Films weder glorifizieren noch verdammen, steckt die Wahrheit womöglich irgendwo dazwischen, sodass ein kritischer Blick beim Schauen des gesamt gesehen authentisch wirkenden Films nicht schadet.

Auch reißerisch möchte „Lords of Chaos“ nicht sein. Vielmehr solle das gezeigt werden, „was gezeigt werden muss. Bis zur Unerträglichkeit.“
Entsprechend erhielt der Film eine FSK Freigabe ab 18 Jahren. Und tatsächlich mangelt es an einigen Schockmomenten, expliziten Gewaltdarstellungen und stellenweise Snuff-Film-artiger Brutalität nicht.

Was zu kurz kommt

Etwas zu kurz kommen hingegen andere Aspekte in „Lords of Chaos“.

So bleiben – abgesehen von den Hauptfiguren Øystein „Euronymus“ Aarseth (gespielt von Rory Culkin) und Varg Vikernes (besetzt durch Emory Cohen) – sämtliche weitere Nebencharaktere völlig blass. Diesbezüglich ist vor allem Wilson Gonzalez Ochsenknecht eine Enttäuschung. Mit wenig Textanteil und monotonem Spiel verpasst er seiner „Rolle“ exakt so viel Profil, wie es auch ein abgefahrener Reifen besitzt. Die optischen Ähnlichkeiten zwischen Schauspieler und realen Figuren einmal außen vor gelassen, können Culkin, Cohen und insbesondere auch Jack Kilmer als „Dead“ schon mehr überzeugen.

Ungewöhnliche Vorlieben: Jack Kilmer als „Dead“ in „Lords of Chaos“ (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Ebenfalls werden viele Aspekte rund um die Band(s), deren Umfeld und Angewohnheiten nur angerissen und bleiben für diejenigen Zuschauer, die sich bisher nicht mit der Geschichte von Mayhem und dem „True Norwegian Black Metal“ auseinandergesetzt haben, oftmals unverständlich. So wird beispielsweise gezeigt, wie Sänger Dead vor einem Auftritt sein „Bühnenoutfit“ ausgräbt. Ein Habitus des ehemaligen Mayhem-Frontmannes, der hier ohne weitere Erklärungen Eingang findet, obwohl er das Potenzial besitzt, die Persönlichkeit des Musikers näher zu „erklären“.

Zielgruppen

Wer sich nun angesichts des Covers und der engen thematischen Verbindung zur norwegischen Black Metal Szene der 90er Jahre von „Lords of Chaos“ nicht prompt angesprochen fühlt, dem sei gesagt, dass auch Fans von True-Crime-Filmen und Coming-of-Age Dramen hier durchaus auf ihre Kosten kommen könnten. Die FSK ab 18 Jahren verdeutlicht allerdings schon, dass einige Szenen dem Zuschauer starke Nerven abverlangen.

Trailer

Inhalt

Based on truth and lies – and what actually happened

Gewalt, Mord und brennende Kirchen kennzeichnen die norwegische Black-Metal-Szene der 1990er Jahre. Im Mittelpunkt des „Chaos“ stehen Øystein „Euronymus“ Aarseth, Mitgründer der legendären Band Mayhem und selbst ernannter Erfinder des „True Norwegian Black Metal“, sowie Varg „Greven“ Vikernes, ein Freund und Bandkollege auf der Suche nach Anerkennung in der Szene. Was als Freundschaft zwischen den beiden jungen Musikern beginnt, endet mit einer Serie von satanischen Gräueltaten und blutigen Morden.

Ein düster-intensives, grandios gespieltes und überaus verstörendes Meisterstück Horrorkino um die wahre Geschichte einer jungen Rockband, die sich im Namen des Black Metal in einem Strudel aus Provokation, Gewalt und Eskalation verliert.

„Lords of Chaos“ basiert auf dem gleichnamigen Buch, das die Vorfälle gewissenhaft aufarbeitet. Multi-Grammy-Gewinner und Musikvideo-Maestro Jonas Åkerlund (u.a. Rammstein, Metallica) und seine überragende Darstellerriege vollbringen das Kunststück, die realen Vorbilder weder zu glorifizieren noch zu verdammen. Ohne reißerisch zu werden, zeigen sie, was gezeigt werden muss. Bis zur Unerträglichkeit.

(Quelle: Studio Hamburg Enterprises)

Details

Format: Dolby
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 05.04.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 117 Minuten

Copyright Cover: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde